Kassenwechsel: Nicht nur der Beitrag zählt

Krankenkassen Test

„Geiz ist geil“ war gestern. Heute wechseln einige ­Versicherte sogar wieder in Kassen mit etwas höherem Beitragssatz.

Das sichtbarste Unterscheidungsmerkmal zwischen den gesetzlichen Krankenkassen ist ihr Beitragssatz. Gut verdienende Angestellte können durch einen Kassenwechsel mehrere hundert Euro im Jahr sparen – und so machten in den vergangenen Jahren viele von ihrem Wechselrecht Gebrauch. In den Jahren 2001 bis 2003 gewannen die damals sehr beitragsgünstigen Betriebskrankenkassen (BKK) jährlich rund eine Million Neukunden. Die teureren AOKs, Innungs- und Ersatzkassen verloren Mitglieder.

Inzwischen kehrt sich der Trend um: Erstmals haben die BKKs im Jahr 2005 rund 180 000 Mitglieder verloren. Ersatz- und Innungskrankenkassen verzeichnen dagegen Zuwächse.

Wechselchance für alle

Dabei kommt den gesetzlich Krankenversicherten ein Vorteil zugute, den sie gegenüber Privatversicherten haben: Sie können ohne Nachteile die Kasse wechseln. Jede Kasse muss jeden Kunden aufnehmen, der die gesetzlichen Voraus­setzungen erfüllt. So ist es auch möglich, dass Versicherte zu ihrer früheren Kasse zurückkehren, zum Beispiel, wenn sie mit der neuen Kasse unzufrieden sind.

Ein Versicherter, der bereits 18 Monate oder länger in seiner Kasse ist, kann jederzeit kündigen. Zum Ende des übernächsten Monats nach der Kündigung kann er dann wechseln. Kündigt jemand zum Beispiel im Mai, dann endet seine Mitgliedschaft am 31. Juli. Ab 1. August kann er in eine neue Kasse eintreten.

Die alte Kasse muss dem Wechsel­willigen innerhalb von 14 Tagen nach der Kündigung eine Kündigungsbestätigung ausstellen. Diese muss der Kunde bei der neuen Kasse einreichen, um die Aufnahme zu beantragen. Die neue ­Kasse stellt ihm dann eine Mitgliedsbescheinigung aus, die er noch innerhalb der Kündigungsfrist bei seinem Arbeitgeber vorlegen muss.

Erhöht eine Kasse den Beitragssatz, können Versicherte auch kündigen, wenn sie noch nicht 18 Monate lang Mitglied waren. Spätestens zum Ende des ­Monats, der auf das Wirksamwerden der Erhöhung folgt, muss die Kündigung bei der Kasse sein – bei einer Erhöhung zum 1. Mai also spätestens am 30. Juni.

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