Krankenkassen Meldung

Zuzahlungen steigen, aber nur wenige Kassen senken die Beiträge. Da können Versicherte ihre eigene Reform des Gesundheitswesens starten: Kosten sparen durch Wechsel der Kasse.

Mehr Eigenleistungen, dafür niedrigere Beiträge. So hatte Gesundheitsministerin Ulla Schmidt die neue Praxisge­bühr verteidigt. Doch nun sinken die Kassenbeiträge langsamer oder gar nicht. Von 14,3 auf 13,6 Prozent sollte der Durchschnittssatz fallen. Wahrscheinlicher ist aber „eine 14 vor dem Komma“, meint der Verbandschef der Innungskran­ken­kas­sen, Rolf Stuppardt. Nur 13 der über 200 Krankenkassen senkten den Beitrag – einige, weil sie mit einer anderen, preisgünstigeren Kasse fusionierten. 10 Kassen hingegen wurden sogar teurer.

Schuld für die Anhebungen ist auch der Risikostrukturausgleich: Die meist preisgünstigen Betriebskrankenkassen führten 2003 rund 8,8 Milliarden Euro an andere Kassen ab. Immerhin kündigte der BKK-Bundesverband an, dass die Beiträge im Frühjahr oder Sommer um 0,3 bis 0,4 Prozentpunkte gesenkt werden sollen. Besonders ärgerlich für Versicherte: Die Securvita und die IKK-Direkt wollten ihre Beiträge reduzieren, wurden aber vom Bundesversicherungsamt daran gehindert. Sie durften die geplanten 12,9 Prozent beziehungsweise 11,9 Prozent nicht anwenden. Beiden Kassen wurde aber mittlerweile ein Beitragssatz von 12,9 Prozent genehmigt.

Viele Versicherte können aber eine Beitragssenkung auf eigene Faust erreichen: durch den Wechsel in eine preisgünstige Krankenkasse. Ein solcher Wechsel ist in den meisten Fällen sinnvoll.

Kaum Unterschiede bei Leistungen

Krankenkassen Meldung

Bei den Leistungen unterscheiden sich die Kassen kaum. Deren Umfang schreibt das Sozialgesetzbuch fest. Weniger ist nicht erlaubt, viel mehr auch nicht. Art und Umfang der Behandlungen, Höhe der Zuzahlungen – das ist bei allen gesetzlichen Kassen gleich. Unterschiede gibt es nur in wenigen Punkten. Beispiele:

  • Service. Oft haben preisgünstige Kassen keine Geschäftsstellen vor Ort. Sie funktionieren ähnlich wie Direktversicherungen. Kontakt ist nur über Telefon, Brief oder E-Mail möglich. Bei kleinen BKK kann es vorkommen, dass schon die Anmeldung an dauerbesetzten Telefonen scheitert, weil das Personal überlastet ist. Dagegen kann der Kunde bei anderen Krankenkassen einfach in die nächste Filiale gehen.
  • Häusliche Pflege. Für Kranke, die zu Hause liegen, leisten alle Kassen das medizinisch Notwendige, etwa das Wechseln eines Verbands. Einige zahlen aber auch Hilfen für den Haushalt oder fürs An- und Ausziehen, wenn niemand anders im Haushalt den Kranken versorgen kann.
  • Haushaltshilfe. Müssen Eltern ins Krankenhaus und haben niemanden, der die Kinder versorgt, zahlen die Kassen eine Haushaltshilfe, solange das jüngste Kind unter zwölf Jahre ist. Einige zahlen aber auch, wenn die Kinder schon älter sind.
  • Krankengeld. Damit können Selbstständige und Freiberufler Verdienstausfälle wegen Krankheit ausgleichen. Das ist vor allem bei niedrigen Einkommen oder chronischen Krankheiten deutlich günstiger als Verträge bei privaten Versicherern. Beiträge und Leistungen der Kassen unterscheiden sich aber erheblich.
  • Zusatzleistungen. Einige Kassen bieten noch mehr, zum Beispiel Akupunkturbehandlungen.

Für freiwillig versicherte Rentner kann sich der Wechsel lohnen, weil sie seit Jahresbeginn nicht mehr den ermäßigten Beitragssatz zahlen, sondern den allgemeinen. Er liegt bei einigen Kassen nur um wenige Zehntelprozentpunkte höher, bei anderen aber um ganze zwei Prozentpunkte. Da empfiehlt sich eine Kasse mit günstigem allgemeinen Beitragssatz.

Für pflichtversicherte Rentner ist der Wechsel jetzt attraktiver, weil seit 2004 auf Betriebsrenten der volle Beitragssatz erhoben wird, nicht mehr nur der halbe.

Wechsel nach 18 Monaten

Die Krankenkasse zu wechseln, ist einfach. Chronisch Kranke, die sich in einer langwierigen Behandlung befinden, können genauso wechseln wie Gesunde. Es kommt auch nicht darauf an, ob Sie freiwillig oder pflichtversichert sind, das Jahresgehalt also über oder unter 46 350 Euro liegt. Es herrscht Annahmezwang, die neue Kasse darf Sie nicht ablehnen. Voraussetzung ist aber, dass Sie mindestens 18 Monate in der bisherigen Kasse waren.

1. Suchen Sie sich eine beitragsgünstige Krankenkasse oder eine, die die von Ihnen gewünschten Zusatzleistungen bietet. Eine monatlich aktualisierte Übersicht der Beitragssätze können Sie downloaden.

2. Schreiben Sie Ihrer Krankenkasse: „Ich kündige zum ...“ Die Kündigung wird zum Ende des übernächsten Monats wirksam. Beispiel: Sie kündigen im März zum 31. Mai, dann beginnt die Mitgliedschaft in der neuen Kasse am 1. Juni.

3. Innerhalb von zwei Wochen muss die alte Kasse eine Kündigungsbestätigung schicken. Einige versuchen aber Tricks: Da soll der Versicherte erst einen Fragebogen ausfüllen, oder die Bestätigung kommt nicht. In solchen Fällen sollten Sie das Bundesversicherungsamt benachrichtigen: Villemombler Straße 76, 53123 Bonn, Tel. 02 28/61 90, Fax 6 19 18 70 oder per E-Mail: poststelle@bva.de.

4. Schreiben Sie Ihrer neuen Krankenkasse: „Ich möchte zum ... Mitglied werden“ und legen Sie die Kündigungsbestätigung der alten Kasse bei.

5. Die neue Kasse muss Ihnen unverzüglich eine Versichertenkarte schicken. Besonders bei preisgünstigen, kleineren Krankenkassen kann das aber eine Weile dauern, wenn sie mit einer Flut von Neuanträgen überlastet sind. Auch in solchen Fällen dürfen Ärzte sich aber nicht weigern, Sie zu behandeln. Vielmehr darf der Patient die Chipkarte nachreichen.

6. Die Mitgliedsbescheinigung der neuen Krankenkasse müssen Sie innerhalb der oben genannten Kündigungsfrist dem Arbeitgeber vorlegen, sonst bleiben Sie automatisch in der alten Kasse.

Rückkehr in die alte Kasse möglich

Falls beim Wechsel etwas schief geht, besteht kein Grund zur Sorge: Sie fallen dann automatisch in die Mitgliedschaft bei der alten Kasse zurück. Geht alles klar, sind Sie an die neue 18 Monate gebunden. Sollte es Ihnen dort nicht gefallen, können Sie danach wieder in eine andere Kasse wechseln oder zurück in Ihre alte.

Früher wechseln

Erhöht die Kasse den Beitrag, können Mitglieder auch schon vor Ablauf der 18 Monate wechseln. Seit Jahresbeginn gilt dafür eine neue Kündigungsfrist: Das Schreiben muss spätestens Ende des zweiten Monats bei der Krankenkasse ankommen, in dem der erhöhte Beitragssatz fällig ist. Beispiel: Anhebung zum 1. Mai. Der Brief muss dann bis 30. Juni bei der Kasse sein. Die Mitgliedschaft endet – wie bei ordentlicher Kündigung – Ende des übernächsten Monats. Ist die Kündigung zum Beispiel am 29. Juni bei der Kasse, endet die Mitgliedschaft am 31. August.

Zeit wird knapp

In der Praxis wird die Zeit jedoch oft knapp. Denn die Krankenkassen sind nicht verpflichtet, ihre Mitglieder über eine Beitragserhöhung zu informieren. Viele erfahren erst Mitte oder Ende des Monats über die Lohnabrechnung davon.

Tipp: Lassen Sie sich vor dem Aufnahmeantrag von der neuen Krankenkasse bestätigen, dass der Beitragssatz zum Zeitpunkt Ihres Eintritts noch gilt. Das sollten Sie auch tun, wenn Ihnen bestimmte Extraleistungen wichtig sind.

Achtung: Erhöht die Kasse den Beitragssatz im Rahmen einer Fusion, greift das Sonderkündigungsrecht nicht. Es bleibt also bei der 18-Monate-Frist. Zwar hat das Landessozialgericht Sachsen-Anhalt kürzlich anders entschieden (Az. L 4 KR 33/00), doch solange ein Urteil des Bundessozialgerichts aussteht, dürfte es für Versicherte schwierig werden, eine kürzere Kündigungsfrist durchzusetzen.

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