Krankenkasse So vermeiden Solo-Selbst­ständige hohe Beiträge

5
Krankenkasse - So vermeiden Solo-Selbst­ständige hohe Beiträge
© Shutterstock

Solo-Selbst­ständige müssen im Schnitt 46,5 Prozent ihrer Einkünfte an die Krankenkasse zahlen. Das ist für viele zu viel. Doch es gibt eine Härtefall­regel. test.de sagt, wie diese funk­tioniert – und was gering­verdienende Selbst­ständige sonst noch tun können, um ihre Kassenbeiträge zu reduzieren.

Solo-Selbst­ständige müssen ihre Beiträge komplett selber zahlen

Auf rund 6 Milliarden Euro belaufen sich die Schulden der Selbst­zahler in der gesetzlichen Krankenversicherung. Selbst­zahler nennt man diejenigen freiwil­lig Versicherten, die keine Arbeitnehmer sind und ihren Kassenbeitrag komplett selbst zahlen. Die meisten von ihnen sind Selbst­ständige ohne Mitarbeiter, auch Solo-Selbst­ständige genannt. Anders als Arbeitnehmer, bei denen der Arbeit­geber die Hälfte trägt, müssen sie den ganzen Beitrag selbst aufbringen. Das können sie oft nicht.

Mindest­beitrag bemisst sich nach fiktivem Einkommen

Im Durch­schnitt verdienen gesetzlich versicherte Solo-Selbst­ständige 787 Euro im Monat. Doch ihr Beitrag bemisst sich nach einem fiktiven Monats­einkommen von 2 231,25 Euro. Sie müssen also rund 350 Euro Krankenkassenbeitrag zahlen mit Anspruch auf Krankengeld, hinzu kommt noch die Pflege­versicherung. Das ist zu viel. Drei Bundes­länder wollen deshalb über den Bundes­rat eine Gesetzes­änderung anstoßen.

Wie funk­tioniert die Härtefall-Regelung?

In Härtefällen können Solo-Selbst­ständige eine nied­rigere „Mindest­bemessungs­grenze“ beantragen. Sie müssen dann sons­tige Einkünfte und ihr Vermögen sowie das ihres Part­ners oder ihrer Part­nerin offenlegen. Doch selbst dann liegt der Beitrag noch bei rund 234 Euro.

Auf welche Kassen­leistungen habe ich als Beitrags­schuldner Anspruch?

Wer mit zwei Monats­beiträgen oder mehr im Rück­stand ist, verliert den Anspruch auf viele Leistungen. Für Kinder und andere mitversicherte Angehörige gilt die Sperre aber nicht. Der Versicherte selbst hat immerhin Anspruch auf Vorsorgeunter­suchungen und auf Behand­lungen bei akuten Schmerzen oder in unauf­schieb­baren Fällen. Auch Schwangere und chro­nisch Kranke, zum Beispiel Dialysepatienten oder insulin­pflichtige Diabetiker, haben ein Recht auf Weiterbe­hand­lung.

Was soll ich tun, wenn ich Schulden bei der Kasse habe?

Wer mit dem Beitrag im Rück­stand ist, sollte schnellst­möglich Kontakt mit seiner Kasse aufnehmen. Sobald jemand mit der Kasse Ratenzahlung vereinbart und anfängt zu zahlen, hat er wieder den vollen Leistungs­anspruch. Die Kassen können ausstehende Summen befristet stunden oder Forderungen ganz fallen lassen, wenn der Kunde sie dauer­haft nicht aufbringen kann.

Wie kann ich mich güns­tiger versichern?

Wenn Ihre Tätig­keit nur ganz wenig einbringt und Sie weniger als 30 Stunden in der Woche damit beschäftigt sind, sind Sie vielleicht gar nicht haupt­beruflich selbst­ständig. Lassen Sie das von der Krankenkasse prüfen! Dann könnten Sie sich für rund 150 Euro im Monat freiwil­lig gesetzlich versichern oder beim ebenfalls gesetzlich versicherten Ehepartner in die beitrags­freie Familien­versicherung. Ihre monatlichen Gesamt­einkünfte dürfen aber dann nicht höher als 425 Euro sein.

Tipp: Viele weitere Infos und Tipps enthält unser Special Selbstständig gut versichert.

Newsletter: Bleiben Sie auf dem Laufenden

Mit den Newslettern der Stiftung Warentest haben Sie die neuesten Nach­richten für Verbraucher immer im Blick. Sie haben die Möglich­keit, Newsletter aus verschiedenen Themen­gebieten auszuwählen.

test.de-Newsletter bestellen

5

Mehr zum Thema

  • Gesetzliche Kranken­versicherung Wie viel Beitrag Selbst­ständige zahlen müssen

    - Hier erfahren Selbst­ständige, wie viel Beitrag sie für die gesetzliche Kranken­versicherung zahlen müssen und was sie bei Zahlungs­problemen tun können.

  • Kranken­versicherung Zurück in die gesetzliche Kasse – so gehts

    - Die Beiträge in der privaten Kranken­versicherung steigen. Wir erklären, wer in die gesetzliche Krankenkasse zurück­kehren kann und wie das geht.

  • Haus­halts­hilfe So bekommen Sie Hilfe bei der täglichen Arbeit

    - Plötzlich schwer erkrankt, ein Unfall oder Pflegebedürftig­keit – wer seinen Haushalt nicht mehr führen kann, bekommt oft Hilfe von der Krankenkasse. Wir sagen was gilt.

5 Kommentare Diskutieren Sie mit

Nur registrierte Nutzer können Kommentare verfassen. Bitte melden Sie sich an. Individuelle Fragen richten Sie bitte an den Leserservice.

Nutzer­kommentare können sich auf einen früheren Stand oder einen älteren Test beziehen.

franki28 am 09.09.2019 um 21:19 Uhr
Landwirtschaftliche Krankenkasse

Ich bin Landwirt als Einzelunternehmer.Die Beiträge sind in den letzten Jahren permanent gestiegen. Berechnung nach dem Flächenwert treibt die Einzellandwirte im Haupterwerb in den Ruin.Warum ? Weil der Flächenwert nicht das tatsächliche Einkommen oder sagenwir mal so wie die Berechnung bei den gesetzlichen Krankenkassen läuft, berücksichtigt wird.
In der jetzigen Situation, schlechte Ernte schlechtes Einkommen, aber Berechnung nach der Fläche fatales Ergebnis. Stundung wurde abgelehnt. Warum haben wir Bauern nicht auch freies Wahlrecht der Krankenkasse, Die Behauptung ie Beiträge der LKK würden 10 % niedriger sein wie die der gesetzlichen Krankenkasse stimmt nicht. Diese Beitragserhebung muss geändert werden, nicht mehr zeitgemäß oder wenigstenz Beitragsoption wie in Österreich. Klage bei Sozialgericht anhängig wie gelange ich zum BSG. Hier unten mavche ich mir nicht viel Hoffnung.

mgutt am 01.02.2018 um 00:06 Uhr
PKV freut sich

Da sind die Leute ja förmlich gezwungen eine PKV abzuschließen. Denen ist das Einkommen schließlich egal und die Beitragshöhe kann der Versicherte dann noch über eine evtl riskant hohe Selbstbeteiligung senken. Wobei da natürlich das Einstiegsalter eine große Rolle spielt. Für mich ist das jedenfalls auch nicht nachvollziehbar. Besonders da die Begründung für ein Mindesteinkommen fehlt. Will man damit verhindern, dass eine große Anzahl von "Garagen-Firmen" den größeren Unternehmen die Preise kaputt machen oder worum geht das dabei?!

Profilbild Stiftung_Warentest am 06.03.2017 um 17:20 Uhr
fiktives Einkommen

@uachtaran: zur konkreten Berechnung der Mindestbemessungsgrenzen wird nach dem Sozialgesetzbuch (§ 240 SGB V) auf den monatlichen Betrag der Bezugsgröße (2017: 2.975 Euro) abgestellt. Wer niedrigere Einkünfte nachweisen kann, für den werden noch mindestens 74,38 Euro/Kalendertag (40. Teil der Bezugsgröße) bzw. 2.231,40 Euro/Monat als beitragspflichtige Einnahmen unterstellt. Nur wer Existenzgründer ist oder unter die Härtefallregelung fällt, kann seine Bemessungsgrenze bis auf die Hälfte der monatlichen Bezugsgröße (1.487,50 Euro) senken. Zur Anerkennung eines Härtefalls werden nach den Beitragsverfahrensgrundsätzen des GKV-Spitzenverbandes zusätzlich weitere Faktoren berücksichtigt - zum Beispiel die Einkommen von Personen, die mit dem Selbstständigen zusammenleben (Bedarfsgemeinschaft).
Mehr Infos hier: http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/18/107/1810762.pdf
(Suchen mit Mindestbemessungsgrenze und Mindestbemessungsgrundlage) (TK)

uachtaran am 06.03.2017 um 15:33 Uhr
Nachtrag

...zumal es ja BEREITS JETZT möglich ist, den KV-Beitrag an die tatsächlichen Einkommensverhältnisse anzupassen. Zwar muss das umständlich und bürokratisch über einen „Antrag auf Beitragsentlastung“ geschehen, aber wenn man das sowieso schon kann, warum schafft man dieses fiktive Einkommen nicht einfach ab?

uachtaran am 06.03.2017 um 15:18 Uhr
Warum eigentlich?

Kann man mal erklären, warum es diese Regelung mit dem "fiktiven Einkommen", also einem aus der Luft gegriffenen Phantasiewert, überhaupt gibt? Warum nimmt man nicht einfach für alle das tatsächliche Einkommen und berechnet die Kassenbeiträge als Prozentwert davon? Das jetzige Verfahren kommt mir doch sehr unsozial vor - zumal es ja gerade unter den ganzen Schröder-Selbständigen, die sich damals aus der Not heraus selbständig gemacht hatten (Stichwort Ich-AG) eine Menge geben dürfte, die diesen Phantasiebetrag nie erreichen werden, oder zumindest nicht immer. Wer denkt sich sowas aus, und vor allem: warum? Bedenkt man dann noch, dass es für Gutverdiener ja ebenfalls eine komfortable „Unsolidar-Regelung“ gibt, die Beitragsbemessungsgrenze nämlich, durch die der obere Teil der Einkommen beitragsfrei bleibt, kapiert man gar nicht mehr, was daran sozial oder solidarisch sein soll...
Solidarpinzip: im Prinzip ja, aber nur innerhalb eines Durchschnittsverdienst-Korridors?