Interview: Erhöhtes Risiko

Krankenhäuser stehen unter ökonomischem Druck. Das hat Folgen für Ärzte, Pfle­gekräfte und Patienten, sagt Dr. Bernard Braun, Gesund­heits­wissenschaftler an der Universität Bremen.

Wie wirken sich Fall­pauschalen und Kosten­druck im Kranken­haus aus?

Braun: Ärzte und Pfle­gekräfte müssen mehr Patienten in immer kürzerer Zeit versorgen. Unter dieser Arbeits­verdichtung leiden Kommunikation und Zusammen­arbeit im Kranken­haus. Es wird schwieriger, von der Aufnahme der Patienten über die richtige Diagnose bis zur medizi­nischen Behand­lung das zu leisten, was nötig wäre.

Müssen Patienten befürchten, schlechter versorgt zu werden?

Braun: Das Risiko von Behand­lungs­fehlern und Komplikationen erhöht sich mit jedem zusätzlichen Patienten pro Pfle­gekraft um 10 Prozent. In deutschen Krankenhäusern ist eine ausgebildete Pfle­gekraft im Schnitt für 13 Patienten verantwort­lich. Dieses Verhältnis ist in allen vergleich­baren Ländern deutlich geringer. Ähnliches trifft im interna­tionalen Vergleich auf die Anzahl von Patienten pro Arzt zu.

Ein Arzt, der ansprech­bar ist und die gesamte Behand­lung koor­diniert, ist also nicht selbst­verständlich?

Braun: Patienten klagen oft darüber, bei Bedarf keinen festen ärzt­lichen oder pflegerischen Ansprech­partner zu finden. Das hat auch mit der dramatischen Zunahme von Teil­zeit­arbeit in den Kliniken zu tun. Insbesondere Patienten mit mehreren Krankheiten nehmen das als deutliche Verschlechterung wahr. Das belastet sie nicht nur psychisch, sondern erhöht auch das Risiko von Fehlbe­hand­lungen oder Verwechs­lungen.

Denken Sie, Patienten mit Chef­arzt­behand­lung werden besser betreut?

Braun: Darüber gibt es keine Studien. Aber ich würde keine zu hohen Erwartungen in eine Zusatz­police setzen. Chef­ärzte haben auch viele administrative und repräsentative Aufgaben und können sich deshalb nicht ständig um ihre Patienten kümmern.

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