Eine private Zusatz­police sichert gesetzlich Versicherten die Behand­lung durch Chef­ärzte und das bessere Zimmer.

Sind Sie gesetzlich oder privat versichert? Jedes vierte Kranken­haus stellt diese Frage schon beim ersten Anruf, so eine Studie der Wissenschaftlichen Hoch­schule Lahr aus dem Jahr 2008. In diesen Krankenhäusern warteten Kassenpatienten im Durch­schnitt 1,6 Tage länger auf einen Behand­lungs­termin als Privat­versicherte.

Krankenhäuser stehen seit der 2003 begonnenen Reform des Vergütungs­systems unter erheblichem Wirt­schaftlich­keits­druck. Sie bekommen für jede Behand­lung eine pauschale Vergütung, die von der Diagnose abhängt.

Kritiker befürchten, dass dies vor allem für Patienten mit einer langen oder komplizierten Krank­heits­geschichte problematisch sein könnte, weil sich zusätzlicher Aufwand für das Kranken­haus nicht lohnt.

Privatpatienten sind gegen­über Kassenpatienten im Vorteil: Sie werden in der Regel durch Chef­ärzte behandelt, die nicht pauschal bezahlt werden, sondern für jede einzelne Leistung ein Honorar nach der privaten Gebühren­ordnung für Ärzte (GOÄ) abrechnen. Damit ein Chef­arzt eine Leistung privat abrechnen darf, muss er sie persönlich erbringen – nur in Ausnahme­fällen darf er diese an andere Ärzte delegieren.

Das sichert Privatpatienten auch in personell knappen Zeiten ein Mindest­maß an persönlicher ärzt­licher Betreuung. Gesetzlich Versicherte können sich diese mit einer privaten Zusatz­police erkaufen. Die Versicherung erstattet die Mehr­kosten einer Privatbe­hand­lung: die Chef­arzt­honorare und den Aufpreis für das Ein- oder Zweibett­zimmer.

Sehr gute Zusatz­policen ab 32 Euro

Mit einer Kranken­haus­zusatz­versicherung stellen sich gesetzlich Versicherte den privat Versicherten im Kranken­haus weitest­gehend gleich. Finanztest hat jeweils 33 Einbett­zimmertarife und 33 Zweibett­zimmertarife getrennt für Männer und Frauen untersucht und sechs­mal das Qualitäts­urteil sehr gut vergeben. Für diese Angebote müssen 43-jährige Neukunden zwischen 32 und 40 Euro im Monat bezahlen.

Chef­arzt als fester Ansprech­partner

Der wichtigste Grund für den Abschluss einer Kranken­haus­zusatz­versicherung ist die Behand­lung durch Chef­ärzte. Bei gesetzlich Versicherten werden leitende Ärzte nämlich nur dann heran­gezogen, wenn ihr besonderes Wissen erforderlich ist. Ansonsten sind die jeweils dienst­habenden Assistenz-, Stations- und Ober­ärzte zuständig. Das kann bedeuten, dass Patienten bei langen Kranken­haus­auf­enthalten oder immer wieder auftretenden Erkrankungen von häufig wechselnden Ärzten betreut werden.

Mit der Chef­arzt­behand­lung sichern sie sich einen festen Ansprech­partner. Patienten unter­schreiben dann bei der Aufnahme im Kranken­haus eine sogenannte Wahl­leistungs­ver­einbarung. Vom Kardiologen, der vor der Operation das Herz untersucht, über den für die Narkose verantwort­lichen Anästhesisten bis zum Chirurgen, der operiert – alle rechnen dann nach der privaten Gebühren­ordnung ab und stellen ihre Leistungen dem Patienten direkt in Rechnung. Bei einer intensivmedizi­nischen oder lang­wierigen Behand­lung kann das im Extremfall in die zehn­tausende Euro gehen. Eine Kranken­haus­zusatz­versicherung erstattet die Arzt­honorare später, allerdings je nach Tarif in unterschiedlicher Höhe.

Die private Gebühren­ordnung sieht für jede Leistung eine bestimmte Punkt­zahl vor, die mit dem Punkt­wert von derzeit rund 5,8 Cent multipliziert den einfachen Gebühren­satz ergibt. Je nach Schwierig­keit der Behand­lung steigern die Ärzte diesen. Für etwa zwei Drittel der Behand­lungen berechneten Kranken­haus­ärzte im Jahr 2010 den 2,3-fachen Satz, für rund 30 Prozent der Leistungen den Höchst­satz von 3,5. In knapp einem Prozent der Fälle über­schritten Ärzte den Höchst­satz. Das dürfen sie, wenn sie dies vor Behand­lungs­beginn schriftlich mit dem Patienten vereinbaren.

Alle Policen in unserem Test erstatten die Arzt­honorare bis zum 3,5-fachen Satz der Gebühren­ordnung. Wer sicher­gehen möchte, dass die Zusatz­police auch die Kosten für einen Spezialisten trägt, der höhere Sätze abrechnet, sollte einen Tarif wählen, der in der Tabellenspalte „Leistungs­einschränkungen“ kein „A“ hat (siehe Tabelle „Einbettzimmer und Chefarzt - Tarife für Männer“ und folgende).

Aufpreis für besseres Zimmer

Die Wahl­leistungs­ver­einbarung für die „erste Klasse“ im Kranken­haus umfasst neben der Chef­arzt­behand­lung zumeist auch das Ein- oder Zweibett­zimmer. Gesetzlich Kranken­versicherte liegen in der Regel im Mehr­bett­zimmer.

Allein für die komfort­ablere Unterbringung lohnt sich eine Kranken­haus­zusatz­versicherung jedoch nicht unbe­dingt. Die Zuschläge für das bessere Zimmer könnten Patienten zur Not auch so bezahlen. Im Bundes­durch­schnitt verlangten die Kliniken für das Zweibett­zimmer im Jahr 2010 einen Zuschlag von 44,20 Euro pro Tag, für das Einbett­zimmer 87,20 Euro.

Ins Kranken­haus der Wahl

Gesetzlich Kranken­versicherte erhöhen mit einer Zusatz­versicherung aber auch ihre Freiheit bei der Klinik­wahl. Denn die Kasse über­nimmt nur die Kosten für das nächst­gelegene geeignete Kranken­haus. Will jemand statt­dessen zum Beispiel von einem renommierten Spezialisten in einer bestimmten Universitäts­klinik operiert werden, ist sie nicht verpflichtet, den Aufpreis für das teurere Kranken­haus zu tragen. Fast alle Zusatz­policen über­nehmen die Mehr­kosten, wenn Versicherte ein teureres als das nächste Kranken­haus aufsuchen.

Alter wichtiger als Geschlecht

Ab dem 21. Dezember 2012 dürfen Versicherer im Neugeschäft keine Tarife mit unterschiedlichen Beiträgen für Männer und Frauen mehr anbieten, sondern nur noch sogenannte Unisextarife. Interes­senten sollten sich davon aber nicht zur Eile drängen lassen.

Für Männer und Frauen, die mit Anfang 40 einen Vertrag abschließen, sind die Beiträge ohnehin etwa gleich. Für jüngere Männer bis Ende 30 und Frauen ab Mitte 40 ist es etwas güns­tiger, noch 2012 in einen „alten“ Tarif einzutreten. Ältere Männer und jüngere Frauen zahlen in einem Unisextarif möglicher­weise weniger. Sie brauchen deswegen aber nicht bis 2013 zu warten, denn sie haben das Recht, später in einen Unisextarif zu wechseln.

Es gibt jedoch einen wichtigeren Grund, eine Kranken­haus­zusatz­versicherung früh­zeitig abzu­schließen: Je älter jemand bei Vertrags­schluss ist, desto teurer wird es. 53-jährige Männer zahlen für güns­tige Einbett­zimmertarife 49 bis 63 Euro im Monat, bei Eintritt mit 63 Jahren kosten sie bereits 66 bis 85 Euro. Diese Beiträge gelten außerdem nur für völlig gesunde Neukunden. Wer Vorerkrankungen hat, muss Risiko­zuschläge bezahlen, Leistungs­ausschlüsse hinnehmen oder bekommt möglicher­weise gar keinen Vertrag mehr.

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