Kranken­haus­zusatz­versicherung Test

Gesetzlich Kranken­versicherte können sich im Kranken­haus Privat­patienten nahezu gleich­stellen: Eine Kranken­haus­zu­satz­versicherung ermöglicht die Behand­lung durch Chef­ärzte, das Ein- oder Zweibett­zim­mer und mehr Freiheit bei der Klinik­wahl. Im Test: je 33 Ein- und Zwei­bett­zimmer­tarife für Männer und Frauen. Sechs Angebote sind sehr gut. Die besten Policen für 43-jährige Neukunden kosten 32 bis 40 Euro im Monat.

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Krankenhäuser unter Druck

Krankenhäuser stehen seit der 2003 begonnenen Reform des Vergütungs­systems unter enormem Wirt­schaftlich­keits­druck. Sie erhalten von den Krankenkassen für jede Behand­lung eine pauschale Vergütung, die von der Diagnose abhängt. Kritiker befürchten, dass dies vor allem für Patienten mit einer langen oder komplizierten Krank­heits­geschichte problematisch sein könnte, weil sich zusätzlicher Aufwand für das Kranken­haus nicht lohnt.

Privatpatienten im Vorteil

Privatpatienten sind gegen­über Kassenpatienten im Vorteil: Sie werden in der Regel durch Chef­ärzte behandelt, die nicht pauschal bezahlt werden, sondern für jede einzelne Leistung ein Honorar nach der privaten Gebühren­ordnung für Ärzte (GOÄ) abrechnen. Damit ein Chef­arzt eine Leistung privat abrechnen darf, muss er sie persönlich erbringen – nur in Ausnahme­fällen darf er diese an andere Ärzte delegieren. Das sichert Privatpatienten auch in personell knappen Zeiten ein Mindest­maß an persönlicher ärzt­licher Betreuung.

Extras durch Zusatz­police

Gesetzlich Versicherte können sich diese mit einer privaten Zusatz­police erkaufen. Die Versicherung erstattet die Mehr­kosten einer Privatbe­hand­lung: die Chef­arzt­honorare und den Aufpreis für das Ein- oder Zweibett­zimmer. Die Versicherungs­experten von Finanztest haben je 33 Ein- und 33 Zweibett­zimmertarife für Männer und Frauen untersucht. Sechs Angebote schafften ein Sehr gut.

Chef­arzt als fester Ansprech­partner

Der wichtigste Grund für den Abschluss einer Kranken­haus­zusatz­versicherung ist die Behand­lung durch Chef­ärzte. Bei gesetzlich Versicherten werden leitende Ärzte nämlich nur dann heran­gezogen, wenn ihr besonderes Wissen erforderlich ist. Ansonsten sind die jeweils dienst­habenden Assistenz-, Stations- und Ober­ärzte zuständig. Das kann bedeuten, dass Patienten bei langen Kranken­haus­auf­enthalten oder immer wieder auftretenden Erkrankungen von häufig wechselnden Ärzten betreut werden. Mit der Chef­arzt­behand­lung sichern sie sich einen festen Ansprech­partner.

Zehn­tausende Euro Behand­lungs­kosten möglich

Patienten unter­schreiben dann bei der Aufnahme im Kranken­haus eine Wahl­leistungs­ver­einbarung. Vom Kardiologen, der vor der Operation das Herz untersucht, über den für die Narkose verantwort­lichen Anästhesisten bis zum Chirurgen, der operiert – alle rechnen dann nach der privaten Gebühren­ordnung ab und stellen ihre Leistungen dem Patienten direkt in Rechnung. Bei einer intensivmedizi­nischen oder lang­wierigen Behand­lung kann das im Extremfall in die zehn­tausende Euro gehen. Eine Kranken­haus­zusatz­versicherung erstattet die Arzt­honorare später, allerdings je nach Tarif in unterschiedlicher Höhe.

Aufpreis für besseres Zimmer

Die Wahl­leistungs­ver­einbarung für die „erste Klasse“ im Kranken­haus umfasst neben der Chef­arzt­behand­lung zumeist auch das Ein- oder Zweibett­zimmer. Gesetzlich Kranken­versicherte liegen in der Regel im Mehr­bett­zimmer. Allein für die komfort­ablere Unterbringung lohnt sich eine Kranken­haus­zusatz­versicherung jedoch nicht unbe­dingt. Die Zuschläge für das bessere Zimmer könnten Patienten zur Not auch so bezahlen. Im Bundes­durch­schnitt verlangten die Kliniken für das Zweibett­zimmer im Jahr 2010 einen Zuschlag von 44,20 Euro pro Tag, für das Einbett­zimmer 87,20 Euro.

Freiheit bei der Klinik­wahl

Gesetzlich Kranken­versicherte erhöhen mit einer Zusatz­versicherung aber auch ihre Freiheit bei der Klinik­wahl. Denn die Kasse über­nimmt nur die Kosten für das nächst­gelegene geeignete Kranken­haus. Will jemand statt­dessen zum Beispiel von einem renommierten Spezialisten in einer bestimmten Universitäts­klinik operiert werden, ist sie nicht verpflichtet, den Aufpreis für das teurere Kranken­haus zu tragen. Fast alle Zusatz­policen über­nehmen die Mehr­kosten, wenn Versicherte ein teureres als das nächste Kranken­haus aufsuchen.

Alter wichtiger als Geschlecht

Ab dem 21. Dezember 2012 dürfen Versicherer im Neugeschäft keine Tarife mit unterschiedlichen Beiträgen für Männer und Frauen mehr anbieten, sondern nur noch sogenannte Unisextarife. Interes­senten sollten sich davon aber nicht zur Eile drängen lassen. Für Männer und Frauen, die mit Anfang 40 einen Vertrag abschließen, sind die Beiträge ohnehin etwa gleich. Wichtiger ist dagegen das Alter: Je älter jemand bei Vertrags­schluss ist, desto teurer wird es. 53-jährige Männer zahlen für güns­tige Einbett­zimmertarife 49 bis 63 Euro im Monat, bei Eintritt mit 63 Jahren kosten sie bereits 66 bis 85 Euro. Diese Beiträge gelten außerdem nur für gesunde Neukunden. Wer Vorerkrankungen hat, muss Risiko­zuschläge zahlen, Leistungs­ausschlüsse hinnehmen oder bekommt gar keinen Vertrag mehr.

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