Kranken­haus­zusatz­versicherung Test

Chef­arzt­behand­lung und Ein- oder Zweibett­zimmer für Kassenpatienten: 9 von 101 Tarifen im Test haben ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.

Ich will so gut behandelt werden wie meine privat kranken­versicherten Freunde“, sagt Andreas Meier*. Der 36-jährige IT-Spezialist will deshalb eine Kranken­haus­zusatz­versicherung abschließen.

Kassenpatienten haben zwar Anspruch auf alle im Kranken­haus notwendigen Leistungen, von der ärzt­lichen Behand­lung über Kranken­pflege, Arznei­mittel bis zu Unterkunft und Essen. Die Kasse zahlt für diese allgemeinen Kranken­haus­leistungen pro Behand­lungs­fall eine Pauschale. Ein Recht auf einen festen ärzt­lichen Ansprech­partner oder gar auf den Chef­arzt haben gesetzlich Versicherte aber nicht. In der Regel betreuen diejenigen Ärzte den Patienten, die gerade Dienst haben. Im Lauf eines längeren Klinik­aufenthaltes können das viele verschiedene Ärzte sein. Der Chef­arzt wird nur hinzugezogen, wenn das Kranken­haus dies für medizi­nisch notwendig hält. Das Gleiche gilt für eine Unterbringung im Ein- oder Zweibett­zimmer. Meistens liegen Kassenpatienten im Mehr­bett­zimmer.

Haben sie Extrawünsche, können sie mit dem Kranken­haus eine Wahl­leistungs­ver­einbarung abschließen. Die Kosten hierfür tragen sie allerdings selbst, es sei denn, sie haben dafür eine Zusatz­versicherung, die ihnen diese erstattet. So kommen sie dem Status eines Privatpatienten ziemlich nahe:

  • Sie können sich von Chef­ärzten behandeln lassen.
  • Sie liegen im Ein- oder Zweibett­zimmer.
  • Sie haben mehr Freiheit bei der Wahl der Klinik. Ärzte sollen ihre gesetzlich versicherten Patienten immer in das nächst­gelegene geeignete Kranken­haus einweisen. Will sich jemand statt­dessen in einer Klinik behandeln lassen, in der die Pauschale für die allgemeinen Kranken­haus­leistungen höher ist, kann die Kasse verlangen, dass er diese Mehr­kosten selbst trägt.

Reine Privatkliniken können auch mit Zusatz­police sehr teuer werden. Die Krankenkasse kommt dort nicht für die allgemeinen Kranken­haus­leistungen auf. Diese Kosten müssten Patienten dann selbst tragen.

Große Beitrags­unterschiede im Test

Rund 5,8 Millionen gesetzlich Versicherte besitzen eine Kranken­haus­zusatz­versicherung. Finanztest hat 101 Angebote untersucht. Von Tarifen mit sehr gutem Preis-Leistungs-Verhältnis bis zu solchen mit dem Urteil mangelhaft ist alles dabei. Die Preisspanne für 43-jährige gesunde Modell­kunden reicht bei den Einbett­zimmertarifen von 40 bis 77 Euro im Monat, bei den Zweibett­zimmertarifen liegen die Beiträge zwischen 37 und 64 Euro im Monat. Dies sind Verträge, die Versicherten aller Kassen offen­stehen.

Etwas güns­tiger erhalten manche die Zusatz­police über ihre Krankenkasse. Viele Kassen koope­rieren mit einem privaten Versicherungs­unternehmen, das dann einen kleinen Rabatt gewährt. Meist handelt es sich um dieselben Tarife, die allen Kunden offen­stehen – nur etwa 2 bis 7 Prozent güns­tiger. Hat ein Tarif jedoch ein schlechtes Preis-Leistungs-Verhältnis, wiegt der Rabatt das nicht auf.

Andreas Meier hat Glück: Er ist Mitglied der Barmer GEK und hat vor kurzem ein Angebot für den Einbett­zimmer-Tarif GSZ der Huk-Coburg erhalten. Dieser Tarif hat im Test das Urteil sehr gut (0,8) bekommen und damit eine bessere Note als alle allgemein zugäng­lichen Einbett­zimmertarife. Die beste Note (0,5) unter allen Einbett­zimmertarifen hat allerdings der Tarif Barmenia BKKST erhalten, der den Versicherten der meisten BKKs offen­steht.

Auch wenn Kunden über die Krankenkasse zu ihrem Vertrag kommen, ist ihr Vertrags­partner immer der private Versicherer. Wechselt jemand die Kasse, bleibt der private Vertrag bestehen, wird allerdings etwas teurer, weil der Rabatt entfällt.

Wie Ärzte abrechnen

Kranken­haus­zusatz­versicherung Test

Vom Röntgen­bild bis zur Visite – wer Chef­arzt­behand­lung wählt, bezahlt solche Leistungen privat.

Die Zusatz­versicherung bewahrt Patienten mit einer Wahl­leistungs­ver­einbarung vor hohen Kosten. Vor allem die Chef­arzt­behand­lung ist teuer. Sie gilt immer für den gesamten Kranken­haus­auf­enthalt. Auch für Röntgen­aufnahmen oder die Narkose erhalten Patienten dann eine private Rechnung.

Für jede Leistung ist in der Gebühren­ordnung für Ärzte (GOÄ) eine Punkt­zahl fest­gelegt, zum Beispiel 195 Punkte für eine einge­hende neurologische Unter­suchung (GOÄ-Ziffer 800) – wie sie bei der Schlag­anfall­patientin aus unserem Beispiel mehr­fach erfolgte. Ein Punkt entspricht zur Zeit 5,83 Cent, der einfache Gebühren­satz für diese Leistung beträgt also 11,37 Euro.

Je nach Schwierig­keit der Behand­lung darf der Arzt ein Vielfaches davon berechnen. Üblich ist der 2,3-fache Satz, für die einge­hende neurologische Unter­suchung wären das 26,14 Euro. Diesen Regel­höchst­satz können Ärzte ohne Begründung auf die Rechnung setzen. In besonders schwierigen Fällen können sie aber auch Beträge bis zum 3,5-fachen Satz verlangen, dem GOÄ-Höchst­satz. Die neurologische Unter­suchung würde dann 39,80 Euro kosten. Die Über­schreitung des Regel­höchst­satzes muss aber in der Rechnung begründet sein.

Auch Honorare über dem GOÄ-Höchst­satz sind möglich, wenn ein Arzt sie vor der Behand­lung schriftlich mit dem Patienten vereinbart. Alle Versicherer im Test leisten bis zum 3,5-fachen Satz, einige über­nehmen auch mehr. Das kann von Vorteil sein: Wer unbe­dingt zu einem Spezialisten will, der den 5-fachen Gebühren­satz verlangt, zahlt sonst trotz Zusatz­police die Differenz selbst.

In Ruhe genesen können

Auch das bessere Zimmer kann bei lang­wierigen Erkrankungen mehrere tausend Euro kosten. Gerade dann kann es aber ein Vorteil sein. Das findet auch Benedikt Wilkens* aus Köln. Er wurde vor einigen Jahren durch eine schwere Darm­erkrankung aus dem gewohnten Lebens­rhythmus gerissen. Nach einer großen Operation verbrachte er mehrere Wochen im Kranken­haus, die meiste Zeit in einem Dreibett­zimmer. „Mir hätte es damals sehr geholfen, in Ruhe alleine in einem Zimmer genesen zu können“, meint er. Das ist ihm wichtiger als die Chef­arzt­behand­lung. Er hat erlebt: „Wenn die Erkrankung wirk­lich schwer ist, ist der Chef­arzt sowieso mit dabei.“

Wilkens hätte vermutlich ohnehin keine normale Zusatz­versicherung bekommen. Neben der Darm­erkrankung war er in den zurück­liegenden Jahren außerdem stationär in psycho­somatischer Behand­lung. Er hat jetzt einen Tarif abge­schlossen, in dem nur das Einbett­zimmer, nicht aber die Chef­arzt­behand­lung enthalten ist. Für ihn eine gute Lösung. Generell rät Finanztest jedoch von Tarifen mit stark einge­schränkten Leistungen ab (Angebote mit Risiken und Nebenwirkungen).

Vertrag nur für Gesunde

Wer eine Kranken­haus­zusatz­versicherung abschließen will, sollte sich um einen Vertrag bemühen, solange die Gesundheit stabil ist. Denn die Versicherer stellen im Antrag Gesund­heits­fragen. Für manche Krankheiten verlangen sie Risiko­zuschläge oder sie lehnen den Kunden ab. „Kritisch werden kann es bei Herz-Kreis­lauf-Erkrankungen, Rücken­beschwerden, aber auch schon ein erhöhter Cholesterin­wert im Blut kann problematisch sein“, sagt Dana Berger, Prokuristin eines Berliner Versicherungs­büros.

Schlechte Blut­werte oder eine über­standene Krankheit zu verheimlichen, ist nicht ratsam. Macht jemand absicht­lich falsche Angaben, kann er bis zu zehn Jahre später wegen arglistiger Täuschung aus dem Vertrag fliegen. Der Versicherer behält dann die Beiträge und der Kunde muss erhaltene Leistungen zurück­zahlen. Selbst wenn jemand versehentlich etwas nicht angibt, kann er noch bis zu drei Jahre nach Vertrags­schluss den Schutz verlieren. Die Regeln sind so streng, weil die Verträge bis ans Lebens­ende gelten. Nur die Kunden selbst können nach Ablauf einer Mindest­vertrags­lauf­zeit jähr­lich kündigen. Je nach Tarif beträgt diese zwischen einem und drei Jahren.

Wer den Anbieter wechseln will, sollte aber zuerst prüfen, ob und zu welchem Beitrag er einen neuen Vertrag bekommt. Je älter jemand ist, desto teurer wird es. Selbst güns­tige Zweibett­zimmertarife kosten beim Abschluss mit 63 Jahren schon 67 bis 69 Euro im Monat – und auch das nur bei tadellosem Gesund­heits­zustand.

* Name von der Redak­tion geändert.

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