Krankenhausportale Test

Patienten können sich in Internetportalen über Krankenhäuser informieren. Ranglisten finden sie dort aber nicht. Nur 3 der 14 getesteten Portale sind „gut“.

Herbert P. ist wegen seiner bevorste­henden Prostataoperation in Sorge. Das stark vergrößerte Organ soll entfernt werden. Der 66-Jährige weiß um die möglichen Konsequenzen. Er fragt sich, wo er zumindest statistisch die besten Chancen hat, nach dem Eingriff den gefürchteten Komplikationen wie Inkontinenz und Impotenz zu entgehen.

Erich M. plagen Probleme mit dem Herzen. Als Schutz vor Herzinfarkt wird eine mechanische Erweiterung von Gefäßverengungen per Ballondilatation notwendig sein. Auch er will wissen, welches Ärzteteam sich hier besonders gut auskennt. Eine Antwort auf die Frage „Wo finde ich die beste Klinik, wer ist der beste Arzt?“ suchen Patienten bisher vor allem bei niedergelassenen Ärzten: „Was können Sie empfehlen, wo würden Sie sich selbst behandeln lassen?“. Oder Bekannte beantworten die Frage – auf Basis eigener Erfahrungen oder laut Hörensagen.

Krankenhäuser müssen informieren

Inzwischen gibt es neue Informationsmöglichkeiten. Krankenhausbetreiber sind nun gesetzlich verpflichtet, Qualitätsberichte zu erstellen und diese auch im Internet zu veröffentlichen. Vorgestellt werden dort zudem Abteilungen und medizinisches Personal. Doch es gibt Grenzen der Information. Die Daten sind zum Teil unvollständig. So fehlen Zahlen zu Komplikationen nach Eingriffen, insbesondere auch die der Sterberaten. Fallzahlen zu erfolgten Operationen werden zwar veröffentlicht, setzen aber Fachwissen voraus und lassen ebenfalls nur bedingt Rückschlüsse zu. Der Volksmund sagt „Übung macht den Meister“, doch Studien zu häufigen Operationen brachten wenig Eindeutiges zur Qualität: Eine große Zahl an bestimmten Eingriffen in einem Krankenhaus muss noch kein Gradmesser für Erfolg sein. Experten der Bundesgeschäftsstelle Qualitätssicherung (BQS) bewerten Klinikabteilungen und mahnen Nachbesserungen an. Identifizierbar veröffentlicht wird das aber nicht. Eine offizielle Rangliste medizinischer Abteilungen existiert hierzulande bisher nicht.

Angaben aus ärztlicher Sicht

Derzeit erhebt und veröffentlicht die BQS zu 24 Leistungsbereichen Qualitätsmerkmale von Kliniken (www.bqs-online.de) – aus ärztlicher Sicht. Laien brauchen eine verständliche Erklärung. Weitere Einschränkungen: Nicht erhoben werden Angaben zum Arzt-Patienten-Verhältnis oder zur Klinikatmosphäre. Wie geht es Patienten mit neuer Hüfte nach einem Jahr? Wie ist es um die Lebensqualität bestellt? Einige häufige Eingriffe wie Leistenbruchoperationen oder das Entfernen der Prostata werden nicht mehr verpflichtend erhoben.

Trotz allem – ein Anfang für bessere Patienteninformationen ist gemacht. Die Websites von Krankenhäusern oder speziellen Internetportalen bieten jetzt Informationen, vor allem auf Basis der gesetzlich vorgeschriebenen Qualitätsberichte. Krankenhausportale nutzen das und geben Patienten – meist gratis – bei der Suche nach dem „richtigen“ Krankenhaus Hilfestellung. Es geht aber auch um Fragen wie Erreichbarkeit, Besuchszeiten oder Wahlmöglichkeiten beim Essen. Und es besteht großes Interesse: Das Portal Klinik-Lotse zum Beispiel kommt auf rund eine Million Seitenansichten im Monat.

Wenig Klartext, viel Fachlatein

Wir haben das Angebot von 14 Krankenhausportalen unter die Lupe genommen. Helfen sie, das „beste“ Krankenhaus für ein bestimmtes Anliegen zu finden, sich zumindest besser und umfassender zu informieren? Geben sie die verfügbaren Daten umfassend und korrekt wieder? Neben Adressen und Angaben zur Klinikstruktur fragten wir auch medizinische Daten zur Erstimplantation eines Hüftgelenks ab, zu Brustkrebs, Ballondilatation und Stentimplantation in den Herzkranzgefäßen, zum Entfernen der Gallenblase und zur Leistenbruchoperation. Um es gleich zu sagen: Zu viel erwarten sollten Nutzer (noch) nicht. Viele Qualitätsdaten sind nicht verfügbar. Den Weg zur Information säumen oft Hindernisse: Es gibt wenig Klartext, aber viel Fachchinesisch. Unterschiedliche Gestaltungen der Portale und Klassifizierungen erschweren den Zugang. Bestenfalls ermöglichen sie einen Vergleich verschiedener Abteilungen nach Fallzahlen zu bestimmten Operationen. Komplikationsraten fehlen. Solche Inhalte werden erst mit den Qualitätsberichten ab Ende 2008 teilweise verfügbar sein. Erklärungsbedürftig bleiben diese zusätzlichen Angaben aber weiterhin.

Portale mit Themensuche sind besser

Es gibt Krankenhausportale, die nur wenig mehr als eine Adresssuche gestatten, eventuell mit Links zur Homepage der Kliniken, so beim Krankenhaus-Navigator der AOK oder bei klinik-krankenhaus. Andere Portale ermöglichen die Suche nach bestimmten Leistungsmerkmalen. Stichwortlisten sind aber meist wenig strukturiert, so bei derprivatpatient, deutsches-krankenhaus-verzeichnis, hospital-abc, klinik, kliniken-im-netz und klinikinfo. Stichwortlisten sind für Laien nicht immer verständlich, etwa bei der Nennung von Fachabteilungen oder Therapien. Das erschwert die Suche und den Vergleich.

Häufig muss auf der Basis von fachlichen „Schlüsseln“ gesucht werden wie ICD (Diagnose), OPS (Operation), DRG (Abrechnung). Erklärt wird das nur selten. Den untersuchten Krankenhausportalen fehlt durchweg eine redaktionelle Überarbeitung mit Blick auf Patienten. So bemängelten die Tester grassierendes Fachlatein, fehlende umgangssprachliche Suchmöglichkeiten und Standards: Angebote wie Spezialitäten- und Diätküche werden zum Teil ausführlich dargestellt – oder aber gar nicht. Nur wenigen Portalen gelingt es, die Suche halbwegs übersichtlich und verständlich zu gestalten. Bei einigen wurden wir darauf hingewiesen, sie seien „im Aufbau“ begriffen. Das hilft Patienten nicht weiter, die diesen Hinweis nicht bekommen und sich auf ein Suchergebnis verlassen. Am ergiebigsten sind Portale, die eine gezielte Suche nach Krankheiten und Verfahren erlauben: kliniken, aok-klinik-konsil, klinik-lotse, qualitaetsbericht, TK-Klinikführer unter tk-online.de.

Internetsuchmaschinen werden sicher von vielen Nutzern den Krankenhausportalen vorgezogen. Wer auf Portale setzt, sollte sich von jemandem mit medizini­schen Kenntnissen helfen lassen – und nicht verzagen, wenn im Datennebel die Orientierung mal verloren geht.

Dieser Artikel ist hilfreich. 1162 Nutzer finden das hilfreich.