Im Krankenhaus können sich auch Kassenpatienten von Chefärzten behandeln lassen. Eine private Zusatzversicherung zahlt die Arzthonorare und den Zuschlag fürs Einzelzimmer.

An keiner Stelle des Gesundheitswesens ist der Unterschied zwischen Kassen- und Privatpatienten so deutlich wie im Krankenhaus. Doch mit einer privaten Krankenhauszusatzversicherung können sich gesetzlich Krankenversicherte annähernd den Privatpatienten gleichstellen.

Finanztest hat je 73 solcher Angebote für Männer und für Frauen getestet. Das beste Angebot für Männer und Frauen, die im Einbettzimmer liegen und vom Chefarzt behandelt werden wollen, ist der Tarif SZ der Huk-Coburg Krankenversicherung.

Die besten Versicherungen mit Chefarztbehandlung und Zweibettzimmer bieten die Arag für Männer und die Debeka für Frauen. Männliche Neukunden, die 33 Jahre alt und vollständig gesund sind, zahlen für einen Einbettzimmer-Tarif Beiträge zwischen 26 und 56 Euro im Monat, Frauen zahlen zwischen 30 und 58 Euro.

Zweibettzimmer-Policen kosten 33-­jäh­rige Männer zwischen 23 und 42 ­Euro Monatsbeitrag, Frauen zahlen zwischen 27 und 46 Euro im Monat.

Ist jemand beim Abschluss der Versicherung schon älter, kostet der Zusatzschutz etwas mehr. 43-jährige Neukunden – Männer und Frauen – zahlen zum Beispiel zwischen 35 und 60 Euro im Monat fürs Zweibettzimmer.

Echtes Plus gegenüber der Kasse

Für das Geld sichern sich die Kunden ein echtes Plus gegenüber dem, was die gesetzliche Krankenkasse ihnen bietet. Denn gesetzlich Versicherte bekommen von ihrer Kasse nur die allgemeinen Krankenhausleistungen. Das heißt, sie liegen in der Regel im Mehrbettzimmer. Behandelt werden sie normalerweise von den jeweils Dienst habenden Ärzten, also zum Beispiel von den Stationsärzten.

Chefärzte kümmern sich nur dann um Kassenpatienten, wenn ihr besonderes Wissen und Können in einem Spe­zialfall medizinisch erforderlich ist.

Die Kassen müssen außerdem nur die Kosten für das nächstgelegene geeignete Krankenhaus übernehmen. Geht der Versicherte trotzdem in ein anderes Krankenhaus, das höhere Pflegesätze hat, muss er die Differenz selbst zahlen. Je nachdem, in welchen Abteilungen der Patient behandelt wird, können das 100 Euro oder mehr pro Tag sein.

Mehr Freiheit bei der Klinikwahl

Durch eine private Zusatzversicherung können sich Patienten neben der Chefarztbehandlung und der komfortableren Unterbringung auch eine größere Freiheit bei der Auswahl des Krankenhauses erkaufen. Nur eine reine Privatklinik, die keinen Vertrag mit gesetzlichen Krankenkassen hat, können Patienten auch mit einer Zusatzversicherung nicht aufsuchen.

Einige Zusatztarife würden dann zwar auch für die Privatklinik das bezahlen, was sie „im Normalfall“ auch zahlen, nämlich die Mehrkosten für das Honorar des Chefarztes und den Aufpreis für das Einzelzimmer.

Aber die Kosten für die allgemeinen Krankenhausleistungen, die normalerweise die gesetzliche Krankenkasse zahlt – mehrere Hundert Euro pro Tag – müsste der Kunde trotzdem aus eigener Tasche bezahlen.

Behandlung vom Chefarzt

Der wichtigste Bestandteil einer privaten Zusatzversicherung ist die Chefarztbehandlung. Alle Tarife in unserem Test übernehmen die Kosten für die ­Behandlung durch leitende Krankenhausärzte.

Der Patient hat dann das Recht, sich in allen Abteilungen durch die Chefärzte behandeln zu lassen. Es muss also nicht nur der Chefkardiologe die neue Herzklappe einsetzen, auch die Narkose muss der Chefarzt der Anästhesie-Abteilung machen.

Eine wichtige Frage beim Abschluss einer Zusatzversicherung ist, bis zu welcher Höhe sie die Honorare der Ärzte erstattet. Denn der zusatzversicherte Patient zeigt nicht einfach seine Versichertenkarte vor und kümmert sich anschließend nicht mehr ums Finanzielle. Nein – er selbst rechnet mit den Ärzten ab. Wie das geht, steht in „So wird abgerechnet“.

Bei allen Tarifen in unserem Test zahlt der Versicherer Arzthonorare bis zum 3,5fachen Satz der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ). Das ist in den weitaus meisten Fällen ausreichend.

Viele Tarife erstatten aber auch Rechnungen, die diesen Honorarsatz übersteigen. Das kann durchaus sinnvoll sein. Wenn man im Extremfall unbedingt zu einem Spezialisten will, der nicht unter dem 5fachen Satz behandelt, müsste man sonst trotz Zusatzversicherung den Mehrbetrag selbst zahlen.

Keine Versicherung garantiert aber die vollständige Übernahme jeder Honorarforderung. Die Behandlung muss medizinisch notwendig sein. Manche Versicherer verlangen, dass der Patient vorher eine Genehmigung für das erhöhte Honorar einholt.

Ambulante Operationen

Einzelne Versicherer bezahlen auch dann die Chefarztrechnungen, wenn der Patient sich ambulant im Krankenhaus operieren lässt und danach sofort wieder nach Hause geht.

Bislang kommen ambulante Operationen im Krankenhaus noch nicht so häufig vor. Da aber die Krankenkassen gegenüber einer stationären Behandlung viel Geld sparen, fördern sie das ambulante Operieren zunehmend.

Ambulant sind zum Beispiel Eingriffe wie die Operation an der Augenlinse bei grauem Star, die Entfernung von Krampfadern oder eine Kniespiegelung möglich.

Will der Patient auch ambulant vom Chefarzt operiert werden, muss das ausdrücklich in seiner Zusatzversicherung vereinbart sein. Tarife, die dieses Extra bieten, sind in unserer Tabelle daran zu erkennen, dass in der Spalte „Leistungseinschränkungen“ kein E steht.

Einzel- oder Zweibettzimmer

Zusatzversicherungen übernehmen die Kosten für ein Ein- oder Zweibettzimmer im Krankenhaus. Ansonsten müsste ein Kassenpatient den Aufpreis dafür aus der eigenen Tasche zahlen.

Tarife, die den Kunden die Unterbringung im Einbettzimmer garantieren, sind bei ansonsten gleichen Leistungen etwas teurer als Zweibettzimmer-Tarife.

Verzichtet der Kunde auf alle Wahlleistungen und lässt sich wie die übrigen Kassenpatienten in der allgemeinen Pflegeklasse behandeln, dann erhält er von fast allen Zusatzversicherungen ein Ersatzkrankenhaustagegeld.

Bei Einbettzimmer-Tarifen liegt das zwischen 25 und 100 Euro, bei Zweibettzimmer-Tarifen zwischen 20 und 75 Euro je Krankenhaustag.

Bei etwa jedem dritten Einbettzimmer-Tarif bekommt der Kunde auch dann ein Ersatzkrankenhaustagegeld ausgezahlt, wenn er statt ins Einbett- ins Zweibettzimmer geht.

Weitere Extras nicht so wichtig

Manche Versicherer übernehmen die gesetzlichen Zuzahlungen, die Kassenpatienten zu zahlen haben. Da das aber nur 9 Euro pro Krankenhaustag für höchstens 14 Tage im Jahr sind, hat dies keine große Bedeutung.

Manche Versicherer werben auch damit, dass sie Krankenhauskosten im Ausland übernehmen. Auch dieser Punkt sollte für die Wahl eines stationären Zusatztarifs nicht maßgeblich sein.

Denn die Behandlung auf Auslandsreisen sollte jeder gesetzlich Krankenversicherte durch eine Auslandsreisekrankenversicherung absichern. Sie zahlt auch für Behandlungen bei niedergelassenen Ärzten, nicht nur im Krankenhaus.

Diese Versicherungen sind gar nicht teuer. Eine ganze Familie kann sich schon ab 20 Euro im Jahr versichern.

Versicherer nehmen nicht jeden

Anders als in der gesetzlichen Krankenversicherung richten sich die Beiträge in der privaten Zusatzversicherung nicht nach dem Einkommen. Maßgeblich für die Höhe der Beiträge sind vielmehr das Eintrittsalter, der Gesundheitszustand und das Geschlecht der Kunden sowie der gewählte Leistungsumfang. Frauen zahlen mehr als Männer, Alte mehr als Junge und Kranke mehr als Gesunde.

Die Versicherer müssen auch nicht jeden Kunden nehmen. Im Versicherungsantrag stellen sie Fragen zum Gesundheitszustand. Hat jemand bereits eine schwere Krankheit, dann können sie den Kunden ablehnen. Manchmal erheben sie auch Risikozuschläge.

Es hilft dem Antragsteller nichts, kritische Punkte wegzulassen oder zu verharmlosen. Kommen Vorerkrankungen später ans Licht, kann der Versicherer den Vertrag wegen arglistiger Täuschung anfechten. Dann muss der Kunde unter Umständen sogar Geld für Behandlungen zurückzahlen. Ist der Kunde dagegen im Antrag ehrlich gewesen, sind ihm die vertraglich vereinbarten Leistungen sicher.

Nicht sicher ist jedoch die Höher der Beiträge. Wenn allgemein die Kosten für Krankenhausbehandlungen steigen, wird auch die Krankenhauszusatzversicherung teurer. Deshalb kann heute niemand sagen, wie hoch die Beiträge für die stationäre Zusatzversicherung in 20 Jahren sein werden.

Bislang haben sich die Beiträge in der Krankenhauszusatzversicherung aber sehr moderat entwickelt. Viele Versicherer haben die Beiträge in den zurückliegenden Jahren sogar gesenkt.

Nur der Kunde darf kündigen

Normalerweise werden Krankenhaus-zusatzversicherungen als Ein- oder Dreijahresverträge angeboten. Sie verlängern sich automatisch um je ein weiteres Jahr, wenn der Kunde nicht drei Monate vor Ablauf des Versicherungsjahres schriftlich kündigt.

Der Versicherer darf den Vertrag nur in den ersten drei Vertragsjahren kündigen. Laut Gesetz haben die Unternehmen in dieser Zeit ein ordentliches Kündigungsrecht. So können sie Kunden loswerden, die von Anfang an hohe Kosten verursachen.

Fast alle Gesellschaften verzichten aber auf dieses Kündigungsrecht. Die einzigen, die diese Kundenfreundlichkeit vermissen lassen, sind die Inter, die KarstadtQuelle Krankenversicherung und die Mecklenburgische Versicherung.

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