Krankenhaus-Zusatzversicherung Test

Chefarztbehandlung und ein komfortables Zim­mer: Diese Privilegien der Privatpatienten können auch gesetzlich Versicherte bekommen. Sieben Zusatzversicherungen fürs Krankenhaus sind „sehr gut“.

„Wenn es mir richtig schlecht geht und ich ins Krankenhaus muss, dann will ich die beste Behandlung, die ich nur kriegen kann.“ Dieser Wunsch wird gesetzlich Krankenversicherten nicht immer erfüllt.

Sie kommen in der Regel ins nächstgelegene geeignete Krankenhaus – nicht in die weit entfernte Universitätsklinik – und erhalten dort die allgemeinen Krankenhausleistungen. Das heißt, im Einbettzimmer liegen sie nur, wenn es medizinisch erforderlich ist. Behandelt werden sie von den jeweils diensthabenden Ärzten. Der Chefarzt kommt nur in Fällen, die sein besonderes Wissen und Können erfordern.

Wer als Kassenpatient selbst den Chefarzt verlangt, muss draufzahlen – oft viele Tausend Euro. Oder er hat eine private Zusatzversicherung. Sie ist sinnvoll, denn sie lässt den Patienten die Wahl, wo und von wem sie sich behandeln lassen.

Für 35 bis 44 Euro Monatsbeitrag können sich zum Beispiel 43-jährige Frauen Chefarztbehandlung und Einzelzimmer mit einem „sehr gut“ bewerteten Tarif sichern, gleich alte Männer zahlen für die „sehr gut“ bewerteten Angebote aus unserem Test 38 oder 43 Euro im Monat.

„Sehr gute“ Zweibettzimmertarife kosten bei sonst vergleichbaren Leistungen etwa 2 bis 6 Euro weniger im Monat.

Unsere Testsieger sind die Angebote mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis und der günstigsten Entwicklung der Beiträge in den zurückliegenden acht Jahren (siehe Tabellen).

Den Chef, bitte

Die bessere Unterkunft können sich Patienten eventuell auch ohne Versicherung leisten. Je nach Klinik und Abteilung zahlen sie dafür Zuschläge zwischen 20 und 50 Euro pro Tag für das Zweibettzimmer, für das Einbettzimmer zwischen 50 und 100 Euro.

Auch die Chefarztbehandlung darf ein gesetzlich Versicherter grundsätzlich privat bezahlen – doch das kann sich kaum jemand leisten. Denn es ist nicht möglich, beispielsweise nur die Operation selbst vom Chefarzt ausführen zu lassen. Die „Wahlleistung Arzt“ muss immer im Paket gebucht werden. Das heißt, auch der Anästhesist, der Röntgenarzt und alle anderen rechnen dann nach der teureren privatärztlichen Gebührenordnung ab. Selbst für medizintechnische Leistungen wie Computertomografie oder Laboruntersuchungen gelten dann höhere Preise.

Die gesetzliche Kasse beteiligt sich an den Kosten für die Chefarztbehandlung nicht, sondern bezahlt lediglich eine feste diagnosebezogene Fallpauschale für die allgemeinen Krankenhausleistungen.

Das Honorar für den Chefarzt richtet sich nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ). Je nach Schwierigkeit der Behandlung kann es unterschiedlich hoch ausfallen. Die Gebührenordnung legt für jede medizinische Leistung den einfachen Gebührensatz fest. Üblicherweise wird aber der 2,3-fache Satz (Regelhöchstsatz) berechnet. Wenn er es schriftlich begründet, kann der Chefarzt für bestimmte Behandlungsschritte auch bis zum Höchstsatz (3,5-fach) gehen. Das ist im Krankenhaus durchaus gängig. Deshalb haben wir nur Zusatzversicherungen in den Test aufgenommen, die Arztkosten mindestens bis zu diesem Satz erstatten.

Ein Arzt kann sogar eine Honorarvereinbarung mit dem Patienten schließen, die über den Höchstsatz hinausgeht. Laut dem Verband der privaten Krankenversicherung kommt dies etwa bei jeder hundertsten Krankenhausbehandlung vor. Dann kann es sein, dass der Arzt den 5-fachen GOÄ-Satz oder noch mehr verlangt.

Immer häufiger müssen Patienten gar nicht im Krankenhaus übernachten, sondern können direkt nach dem Eingriff wieder nachhause. Seit 1995 haben sich die Ausgaben der gesetzlichen Kassen für das ambulante Operieren im Krankenhaus mehr als verzwanzigfacht und betragen heute über 400 Millionen Euro im Jahr.

Es gibt eine lange Liste von Eingriffen, die bevorzugt ambulant gemacht werden sollen. Dazu gehören zum Beispiel Krampfader-Operationen, Arthroskopie von Schulter oder Knie, Kieferoperationen und die Entfernung von Rachenmandeln.

Wer auch ambulant vom Chefarzt operiert werden will, muss in unserem Test aus den Tabellen einen Tarif wählen, bei dem kein E in der Spalte „Leistungseinschränkungen“ steht.

Krankenhauswahl

Wählt ein Patient ein anderes als das auf der ärztlichen Einweisung genannte Krankenhaus, ist die Kasse nicht verpflichtet, eventuelle Mehrkosten zu übernehmen. Viele Zusatzversicherungen springen hier ein.

Erstattet ein Tarif darüber hinaus auch Honorare über dem GOÄ-Höchstsatz, sind die Patienten auf der sicheren Seite, falls sie unbedingt zu einem Spezialisten in eine ganz bestimmte Klinik wollen (siehe „Extremfall“ in „Unser Rat“).

In eine reine Privatklinik können gesetzlich Versicherte aber auch mit Zusatzversicherung nicht gehen. Denn diese zahlt nur die Extras – die Grundkosten muss weiterhin die gesetzliche Kasse tragen. Und das tut sie nur bei Krankenhäusern, mit denen sie einen Vertrag hat.

In jungen Jahren abschließen

In unserem Test haben wir für den Beitragsvergleich 43-jährige Modellkunden gewählt. Wesentlich länger sollten Interessenten nicht mit dem Abschluss warten, denn mit jedem Jahr wird die Versicherung für Neukunden teurer.

Für einen günstigen Einbettzimmertarif zahlt eine 53-jährige Neukundin schon 45 bis 60 Euro im Monat. Mit 63 Jahren müsste sie mindestens 60 bis 80 Euro im Monat zahlen. Ist sie 65 Jahre alt oder älter, erhält sie von den meisten Versicherern gar kein Angebot mehr, weil sie das Höchsteintrittsalter überschreitet.

Auch Jüngere erhalten eine Versicherung nur dann zu relativ niedrigen Beiträgen, wenn sie völlig gesund sind. Haben sie bereits gesundheitliche Probleme, müssen sie damit rechnen, dass die Versicherungsgesellschaft Beitragszuschläge verlangt oder sie sogar ganz ablehnt. Für Krankheiten, die nach Vertragsschluss eintreten, können die Beiträge aber nicht erhöht werden.

Der Versicherer darf teuren Kunden nicht kündigen. Das Gesetz erlaubt zwar ein ordentliches Kündigungsrecht des Versicherers in den ersten drei Vertragsjahren, aber die meisten Unternehmen sind so fair, darauf zu verzichten. Als einzige Versicherer in unserem Test halten Inter, Mecklenburgische und HanseMerkur an ihrem Kündigungsrecht fest.

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