Von der Einweisung bis zur Abrechnung

Krankenhaus-Zusatzversicherung Test

In besonders schwierigen Fällen kann ein Chefarzt den Höchstsatz der Gebührenordnung überschreiten. Er muss dazu vorher einen schriftlichen Vertrag mit dem Patienten schließen.

Beim Gesundwerden helfen die Ärzte – um den Papierkram ­müssen sich Patienten selbst kümmern. Finanztest zeigt Schritt für Schritt, wie das geht.

1. Krankenhaus wählen

Erkundigen Sie sich, welches Krankenhaus viel Erfahrung mit dem geplanten Eingriff hat. Dabei helfen Ihnen Ihr Arzt, Selbsthilfegruppen oder Suchmaschinen wie www.klinik-lotse.de oder bkk-klinikfinder.de. Als gesetzlich Versicherter mit Zusatzpolice haben Sie die Möglichkeit, einen Chefarzt aufzusuchen, der Ihnen empfohlen wurde.

Gibt es freie Termine beim Chefarzt, sprechen Sie mit dem niedergelassenen Arzt ab, dass er eine Einweisung für dieses Krankenhaus ausstellt. Die Einweisung müssen Sie vor der Aufnahme ins Krankenhaus von der gesetzlichen Kasse abstempeln lassen. Falls es ein weiter entferntes Krankenhaus ist und Sie einen Krankentransport dorthin oder zurück nachhause benötigen, klären Sie mit Ihrer Kasse, ob sie dafür aufkommt.

2. Die Aufnahme

Ins Krankenhaus nehmen Sie Ihre Chipkarte der gesetzlichen Krankenkasse und die Karte für Privatversicherte von Ihrer Zusatzversicherung mit, falls diese eine ausgestellt hat. Packen Sie eine Kopie der Versicherungsbedingungen ein, um sicher zu sein, welche Kosten Ihre Gesellschaft bis zu welcher Höhe erstattet.

Im Krankenhaus unterschreiben Sie den Aufnahmevertrag. Zusätzlich schließen Sie als Zusatzversicherter eine Wahlleistungsvereinbarung über die Unterkunft im Ein- oder Zweibettzimmer.

Die wichtigere Wahlleistungsvereinbarung ist die mit den Ärzten. Wenn Sie sich für Chefarztbehandlung entscheiden, müssen alle Mediziner, die Sie im Krankenhaus behandeln, leitende Ärzte sein. Sie sind namentlich in der Wahlleistungsvereinbarung aufgeführt.

Falls die Honorarforderung des Arztes den versicherten Rahmen übersteigt, müssen Sie die Mehrkosten selbst tragen. Das kann teuer werden, besonders wenn das Arzthonorar für bestimmte Behandlungsschritte den Höchstsatz der Gebührenordnung (3,5-fach) übersteigt.

Für diesen Fall müssen Sie mit dem Arzt vor Behandlungsbeginn sogar einen gesonderten Vertrag abschließen: die Honorarvereinbarung. Haben Sie Zweifel, ob diese Leistung von Ihrer Versicherung gedeckt ist, fragen Sie lieber dort nach.

3. Unterlagen sammeln

Lassen Sie sich von allen Unterlagen, die Sie im Laufe Ihres Klinikaufenthalts unterschreiben, eine Kopie machen. Das gilt auch für die Papiere, die unmittelbar mit Ihrer Behandlung zu tun haben, beispielsweise die Unterlagen, mit denen Sie über Risiken des Eingriffs aufgeklärt wurden, oder den Operationsbericht.

4. Abrechnung mit den Ärzten

Die Kosten für die allgemeinen Krankenhausleistungen rechnet die Klinik mit Ihrer Krankenkasse ab, die für das Ein- oder Zweibettzimmer üblicherweise direkt mit der privaten Zusatzversicherung. Sie selbst müssen dann noch die gesetzliche Zuzahlung von 10 Euro pro Tag sowie Extrakosten wie die Gebühren für Telefon- und Fernsehanschluss bezahlen – manche Zusatzversicherungen erstatten auch diese Auslagen.

Wenn Sie wieder zuhause sind, schicken alle Ärzte ihre Rechnungen. Schon bei überschaubaren Eingriffen wie dem Einsatz eines künstlichen Kniegelenks kann sich das auf mehrere Tausend Euro summieren. Damit Sie nicht so viel Geld vorstrecken müssen, reichen Sie die Rechnungen schnellstens ein und bezahlen erst, wenn das Geld von der Versicherung da ist.

Fragen Sie sicherheitshalber bei der Zusatzversicherung an, wie lange es voraussichtlich dauern wird. Denn für Zahlungsverzug und Mahnkosten müssen Sie selbst geradestehen.

Probleme kann es geben, wenn die Versicherung Rechnungen nicht in vollem Umfang erstattet. Der Patient ist Vertragspartner und damit Schuldner des Arztes. Er kann aber als medizinischer Laie in der Regel nicht beurteilen, ob die Ärzte alle Gebührenpositionen vorschriftsmäßig angewendet haben oder ob eine Steigerung des Gebührensatzes gerechtfertigt war. Viele Versicherer bieten deshalb ihren Kunden an, Rechnungen zu überprüfen, bevor der Patient etwas bezahlt.

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