Krankenhaus-Zusatzversicherung Test

Gesetzlich Versicherte mit Zusatzpolice sind im Krankenhaus den Privatpatienten fast gleichgestellt.

„Kasse oder privat?“, werden Patienten meist schon beim ersten Anruf im Krankenhaus gefragt. Der Unterschied ist deutlich: Gesetzlich Krankenversicherte sind standardmäßig im Mehrbettzimmer untergebracht und werden normalerweise von den jeweils diensthabenden Ärzten behandelt. Ein Chefarzt wird bei ihrer Behandlung nur im Ausnahmefall hinzugezogen, wenn dies aus medizinischer Sicht erforderlich ist.

Krankenhaus-Zusatzversicherung Test

Privatpatienten haben dagegen Anspruch auf die Unterbringung im Ein- oder Zweibettzimmer und auf die Behandlung durch Chefärzte. Diese können jede einzelne Leistung in Rechnung stellen. Daher lohnt es sich für sie finanziell, mit Privatpatienten einen höheren medizinischen Aufwand zu betreiben.

Ob ein Mehr an Diagnostik und Behandlung für die Patienten immer nur Vorteile hat oder auch Risiken birgt, sei dahingestellt. Für den Einzelnen kann aber gerade bei einer ernsthaften Erkrankung viel davon abhängen, wie schnell er einen Termin für eine Untersuchung oder Operation im Krankenhaus bekommt oder wie viel Zeit sich Ärzte für ihn nehmen.

Die Chancen auf eine bessere Versorgung erhöhen sich auch für Kassenpatienten, die sich mit einer privaten Krankenhauszusatzversicherung in die „erste Klasse“ einkaufen. Wer es sich leisten kann und aktuell noch gesund ist, kann sich auf diese Weise das bessere Zimmer und das Recht auf Chefarztbehandlung sichern.

Finanztest hat solche Zusatzversicherungen untersucht (siehe Tabellen). Die Testsieger zeichnen sich vor allem durch ein überdurchschnittlich gutes Preis-Leistungs-Verhältnis aus. In die Bewertung ging außerdem ein, wie sich die Beiträge in den letzten acht Jahren entwickelt haben.

Nur drei Angebote sind „sehr gut“

Für die besten Einbettzimmertarife in unserem Test zahlen 43-jährige Neukunden zwischen 35 und 40 Euro Beitrag im Monat, die Beiträge für die besten Zweibettzimmertarife liegen zwischen 32 und 38 Euro.

Die komfortablere Unterbringung ist ohnehin nicht das Wichtigste an einer solchen Versicherung. Viele Patienten wissen zwar die Ruhe eines Einzelzimmers zu schätzen. Das ergab eine Onlineumfrage auf www.test.de im September.

Das bessere Zimmer können sie aber auch ohne Versicherung gegen Aufpreis bekommen. Die Preise betragen je nach Klinik und Abteilung etwa zwischen 50 und 100 Euro pro Tag. Im Deutschen Herzzentrum Berlin beispielsweise liegen Patienten standardmäßig im Vierbettzimmer. Für die Unterbringung im Zweibettzimmer zahlen sie 55 Euro pro Tag, das Einbettzimmer kostet je nach Kategorie 90 oder 100 Euro pro Tag.

Lässt sich hingegen ein Patient vom Chefarzt eine künstliche Herzklappe einsetzen, kostet das um ein Vielfaches mehr. Laut Thomas Michael Höhn, Verwaltungsdirektor des Berliner Herzzentrums, belaufen sich bei einem solchen Eingriff die Arzthonorare für Operation und Narkose auf etwa 7 000 bis 8 500 Euro.

Zusätzlich stellen auch der Radiologe, der den Patienten vor und nach der Operation untersucht, und andere Ärzte ihre Dienste in Rechnung. Entscheidet sich ein Patient für die Chefarztbehandlung, bedeutet dies nämlich, dass alle Untersuchungen und Behandlungen privat abgerechnet werden.

Die gesetzliche Krankenkasse beteiligt sich an diesen Kosten nicht. Sie zahlt an das Krankenhaus je nach Diagnose eine Fallpauschale, mit der alle allgemeinen Krankenhausleistungen abgegolten sind.

Chefärzte: Jeder Handschlag kostet

Chefärzte hingegen rechnen jeden Behandlungsschritt nach der privaten Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) ab. Diese sieht für jede medizinische Leistung eine Gebühr vor. Je nach Schwierigkeit der Behandlung kann der Arzt ein Mehrfaches dieser Gebühr verlangen.

Üblicherweise berechnen Ärzte den 2,3-fachen Gebührensatz. Laut Statistik des Verbandes der privaten Krankenversicherung wurden im Jahr 2006 rund zwei Drittel aller Krankenhausbehandlungen zu diesem Satz abgerechnet. Der Chefarzt kann die Gebühr bei einem aufwendigeren Eingriff bis zum 3,5-fachen Satz erhöhen, muss dies aber in seiner Rechnung begründen. Das kommt immerhin in rund 30 Prozent der Fälle vor. Deshalb sind nur Angebote in unserem Test, die Arzthonorare mindestens bis zum 3,5-fachen GOÄ-Satz erstatten.

Für besonders schwierige Behandlungen kann der Arzt mit dem Patienten auch eine spezielle Honorarvereinbarung schließen. Dann kann er mehr als den 3,5-fachen Gebührensatz verlangen. Das kommt statistisch zwar nur etwa in einer von 150 Rechnungen von Krankenhausärzten vor. Da jedoch niemand wissen kann, ob bei ihm einmal eine so teure Behandlung bei einem Spezialisten erforderlich wird, erstatten einige Versicherer auch solche Honorare.

Immer mehr ambulante Operationen

Wesentlich häufiger dürften Patienten mit einer anderen Situation konfrontiert sein: Eine Operation soll ambulant im Krankenhaus gemacht werden. Mehr als 1,6 Millionen ambulante Operationen fanden im Jahr 2007 in Krankenhäusern statt. Ihre Anzahl hat sich seit 2002 fast verdreifacht. Denn für eine Reihe von Eingriffen hat der Gesetzgeber festgelegt, dass sie wenn möglich ambulant erfolgen sollen. Dazu gehören zum Beispiel Operationen der Augenlinse bei grauem Star, Krampfaderentfernung oder Meniskusoperationen.

Einige Versicherer haben bereits darauf reagiert und übernehmen die Kosten für die Chefarztbehandlung auch dann, wenn der Patient sich ambulant im Krankenhaus operieren lässt. Ein Muss ist dieses Extra in der Versicherung nicht. Denn in der Regel handelt es sich hier um kleinere Eingriffe. Ein Chefarzt ist dafür nicht unbedingt nötig. Und selbst wenn ein Patient den Chefarzt aus eigener Tasche bezahlt, übersteigen die Kosten selten den Rahmen von einigen hundert Euro.

Je älter jemand bei Vertragsschluss ist, desto höher sind die Beiträge: Ein gesunder 53-jähriger Neukunde müsste selbst in günstigen Tarifen schon 52 bis 63 Euro im Monat zahlen, 63-Jährige 69 bis 84 Euro.

Doch selbst wer sich dies leisten kann, bekommt oft Probleme. Vor Vertragsschluss verlangen Versicherer nämlich Auskünfte über die Krankheitsgeschichte der Kunden – und die wird mit den Jahren nicht kürzer. Bei Vorerkrankungen verlangen Versicherer Risikozuschläge, schließen Leistungen für bestimmte Krankheiten aus oder lehnen den Kunden ganz ab.

Kassenangebote nicht die erste Wahl

Auch gesetzliche Kassen werben für private Zusatzversicherungen. Denn sie kooperieren mit privaten Versicherungsunternehmen, die solche Tarife anbieten. Die Kasse ist dabei lediglich Vermittler – die Leistungen der Tarife unterscheiden sich nicht von denen, die Kunden direkt abschließen können. Lediglich die Tarifbezeichnungen sind anders.

Über die Kasse gibt es in der Regel einen Beitragsrabatt, der je nach Angebot zwischen 1 und 10 Prozent liegen kann. Trotzdem sollten gesetzlich Versicherte nicht einfach das Angebot ihrer eigenen Kasse unterschreiben. Denn eine Kasse vertreibt nur Zusatzversicherungen von einigen wenigen privaten Versicherungsgesellschaften. Der Kunde kann nicht wissen, ob gerade das ihm offerierte Angebot das beste und günstigste ist.

Besser ist es deshalb, erst mithilfe unseres Tests den gewünschten Tarif auszuwählen und danach bei der eigenen Kasse anzufragen, ob es diesen dort mit Rabatt gibt. Wechselt jemand die Krankenkasse, kann er den Vertrag zu normalen Konditionen ohne den Rabatt weiterführen.

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