Ausgewählt, geprüft, bewertet

Finanztest hat Krankenhauszusatzversicherungen aller privaten Krankenversicherer untersucht, die jedem Kunden zugänglich sind. Wir haben nur Tarife berücksichtigt, die keine Selbstbeteiligung des Kunden vorsehen und deren Beiträge nicht mit dem Alter steigen, weil sie Alterungsrück­stellungen bilden. Sie mussten diese Mindest­leistungen bieten:

  • Chefarztbehandlung mit einer Übernahme der Arzthonorare mindestens bis zum Höchstsatz der Gebührenordnung für Ärzte (3,5-fach),
  • Wahlleistung Unterkunft (Einbettzimmer oder Zweibettzimmer, je nach geprüfter Tarifvariante),
  • freie Wahl unter allen für gesetzlich Versicherte zugelassenen Krankenhäusern.

Tarifkombinationen, die neben den Kosten für Krankenhausbehandlungen  auch solche für Leistungen niedergelassener Ärzte oder Zahnärzte ­erstatten, haben wir nicht berücksichtigt. Ausnahme: Im Vergleich enthalten sind Tarife, die bei ambulanten Operationen auch dann Kosten erstatten, wenn ein niedergelassener Arzt operiert.

Nicht getestet haben wir Tarife, die nur bei ­Un­fällen oder bestimmten Erkrankungen leisten, sowie „Optionstarife“ für junge Versicherte.

Die Tarife Axa KG1 und KG2+KHT40 sowie DBV-Winterthur 346 und 347 wurden im Rahmen der Fusion von Axa und DBV-Winterhtur geschlossen. Ebenfalls geschlossen wurden die Tarife KH100/3 und VW der Inter. Sie werden Neukunden nicht mehr angeboten.

Die Gesellschaften Continentale und Landeskrankenhilfe waren nicht zu einer Teilnahme bereit. Ihre Tarifdaten haben wir verdeckt erhoben.

Finanztest-Qualitätsurteil

Für jeden Tarif haben wir ein Finanztest-Qualitätsurteil gebildet – für Männer und Frauen getrennt. In das Urteil gingen das aktuelle Preis-Leistungs-Verhältnis mit einem Gewicht von 70 Prozent und die Entwicklung der Eintrittsbeiträge für Neukunden in den letzten acht Jahren mit 30 Prozent ein. Sowohl für die Bewertung des Preis-Leistungs-Verhältnisses als auch für die Beurteilung der Beitragsentwicklung in der Vergangenheit war der Marktdurchschnitt der Maßstab. Ein Qualitätsurteil „sehr gut“ bedeutet daher, dass das Angebot weit über dem aktuellen Marktdurchschnitt liegt, ein Qualitätsurteil „mangelhaft“, dass es weit darunter liegt.

Junge Tarife: Bei Angeboten, die erst nach dem 1. Juni 1999 eingeführt wurden, haben wir nur das aktuelle Preis-Leistungs-Verhältnis bewertet. Ebenso sind wir vorgegangen, wenn ein Tarif in den vergangenen zehn Jahren von einem anderen Unternehmen übernommen und weitergeführt wurde. In diesen Fällen galt das Datum der Wiedereinführung als Einführungsdatum.

Preis-Leistungs-Verhältnis (70 %)

Für das aktuelle Preis-Leistungs-Verhältnis haben wir Leistungen und Beiträge am Stichtag 1. Juni 2009 beurteilt.

Leistungen: Die Leistungen wurden nach einem Punktesystem bewertet. Dabei haben wir ausschließlich solche Leistungen berücksichtigt, die in den Versicherungsbedingungen festgeschrieben sind. Die Gewichtung der Leistungen orientiert sich an der statistischen Wahrscheinlichkeit für den Umfang ihrer Inanspruchnahme (kalkulatorisches Gewicht). Daher bekamen alle Tarife 90 Prozent der Punkte bereits dafür, dass sie die ­geforderten Mindestleistungen bieten.

10 Prozent der Punkte wurden für folgende zusätzliche Leistungen vergeben:

  • Übernahme von Arzthonoraren über den Höchstsatz (3,5-fach) der Gebührenordnung für Ärzte hinaus; Gewicht: 3,5 Prozent;
  • Übernahme der Mehrkosten für allgemeine Kran­kenhausleistungen, wenn der Versicherte ein teureres als das auf der ärztlichen Einweisung ge­nannte Krankenhaus aufsucht; Gewicht: 1,0 Prozent;
  • Kostenerstattung für  ambulante   Operationen durch Chefärzte im Krankenhaus; Gewicht: 3,0 Prozent;
  • Höhe des Ersatzkrankenhaustagegelds, wenn der Versicherte nur das Mehrbettzimmer ohne Chefarztbehandlung in Anspruch nimmt; Gewicht im Vergleich der Zweibettzimmertarife: 2,5 Prozent, im Vergleich der Einbettzimmertarife: 1,5 Prozent;
  • nur im Vergleich der Einbettzimmertarife: Höhe des Ersatzkrankenhaustagegelds, wenn der Versicherte nur das Zweibettzimmer mit Chefarztbehandlung nutzt; Gewicht: 1,0 Prozent.

Preis: Um das Preis-Leistungs-Verhältnis zu ­errechnen, haben wir die Eintrittsbeiträge für ­gesunde 43-Jährige am Stichtag 1. Juni 2009 ­zugrunde gelegt. Zu diesem Datum waren noch nicht alle Tarife auf die Sterbetafel PKV2008 umgestellt, manche noch nicht einmal auf die Sterbetafeln PKV2007 oder PKV2004. Die Bei­träge der noch nicht umgestellten Tarife haben wir um entsprechende Korrekturfaktoren erhöht.

Urteil: Der Vergleichsbeitrag geteilt durch die erreichten Leistungspunkte (Mindest- und Zusatzleistungen) ergab für jeden Tarif die Kennzahl für das Preis-Leistungs-Verhältnis. Diesen Kennzahlen haben wir Urteile von „sehr gut“ bis „man­gelhaft“ zugeordnet. Das mathematische Verfahren für die Zuordnung der Urteile entspricht dem der Vorgängeruntersuchung in Finanztest 5/07:

Das mathematische Verfahren für die Zuordnung der Urteile: Aus allen Kennzahlen haben wir den Mittelwert gebildet (arithmetisches Mittel). Dann wurde für jeden Wert die Abweichung vom Mittelwert bestimmt und durch die Standardabweichung geteilt. Die Standardabweichung drückt die durchschnittliche Abweichung aller Werte vom Mittelwert aus. Sowohl bei der Berechnung des Mittelwerts als auch bei der der Standardabweichung blieben der höchste und niedrigste Wert unberücksichtigt.

Dem Wert –2,33 wurde die beste Note 0,5 zugeordnet, dem Wert +2,33 die schlechteste Note 5,5. Die Skala von –2,33 bis +2,33 Standardabweichungen wurde folgendermaßen in die Notenskala von 0,5 bis 5,5 übertragen:

–2,33 bis –1,64 : Noten 0,5 bis 1,5 (Sehr gut);
über –1,64 bis –0,67: Noten 1,6 bis 2,5 (Gut);
über –0,67 bis +0,67: Noten 2,6 bis 3,5 (Befriedigend);
über 0,67 bis 1,64: Noten 3,6 bis 4,5 (Ausreichend);
über 1,64 bis 2,33: Noten 4,6 bis 5,5 (Mangelhaft).

Statistischen Ausreißern – Werten mit Abstand vom Mittelwert von mehr als 2,33 Standardabweichungen – haben wir den Minimalwert (Note 0,5) oder Maximalwert (Note 5,5) zugeordnet.

Beitragsentwicklung in der Vergangenheit  (30 %)

Um die Beitragsentwicklung eines Tarifs zu be­urteilen, haben wir die Eintrittsbeiträge (Neuge­schäftsbeiträge) für 43-jährige Frauen und Männer in den letzten acht Jahren herangezogen. ­Dabei haben wir den Beitrag am Stichtag 1. Juni 2009 mit dem am 1. Juni 2001 verglichen.

Auch für den Beitrag vom 1. Juni 2001 haben wir einen Korrekturfaktor berücksichtigt, wenn der Tarif am Stichtag noch nicht auf die damals ­aktuelle Sterbetafel PKV2001 umgestellt war.

Urteil: Der Quotient aus dem Beitrag 2009 und dem Beitrag 2001 ergab für jeden Tarif die ­Kennzahl für die Beitragsentwicklung. Die Noten haben wir wieder wie in der Vorgängeruntersuchung in Finanztest 5/07 ermittelt:

Die Noten haben wir wie beim Preis-Leistungs-Verhältnis ermittelt.

Monatsbeitrag

Die Beiträge gelten für gesunde 43-jährige Neukunden und sind auf volle Euro-Beträge gerundet.

Markteinführung

Bei gleicher Bewertung der Beitragsentwicklung sollten Kunden ältere Tarife bevorzugen, weil die Beiträge über einen längeren Zeitraum stabil ­waren oder gesenkt wurden.

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