Krank im Ausland Wann Kassenpatienten behandelt werden

Krank im Ausland - Wann Kassenpatienten behandelt werden
Krank im Urlaub. Die gesetzliche Kasse zahlt nur teil­weise, eine private Auslands­kranken­versicherung ist wichtig. © Getty Images / Westend61 / Albrecht Weißer

Die gesetzliche Krankenkasse kommt für Gesund­heits­kosten in EU-Ländern und einigen Nicht-EU-Ländern auf – unter bestimmten Voraus­setzungen.

Einge­schränkter Schutz inner­halb der EU

Kassen­mitglieder haben bei vorüber­gehenden Aufenthalten im EU-Ausland einen gewissen, allerdings lückenhaften Schutz. Ihre Krankenkasse kommt bei einer akuten Erkrankung oder einem Unfall für die Behand­lung auf – sofern die Leistung auch im Gast­land erstattungs­fähig ist. Das gilt in der Regel für Arzt­besuche wegen Magen- oder Kreis­lauf­problemen oder eine Versorgung nach einem Unfall.

Wenn die Gesund­heits­karte zweck­los ist

Akzeptieren eine Ärztin oder Arzt oder eine Klinik die Gesund­heits­karte nicht, müssen Patienten vor Ort selbst bezahlen. Sie können die Rechnung aber später bei ihrer Krankenkasse einreichen. Die Kasse erstattet das Geld bis zur Höhe der Kosten einer Inlands­behand­lung. Es kann also je nach Reise­land eine empfindliche Lücke bleiben.

Klinik­aufenthalt vorab genehmigen lassen

Einem geplanten Kranken­haus­auf­enthalt im Ausland muss die Krankenkasse zu Hause vorher zustimmen. Dann können die Kosten über­nommen werden. Das gilt auch für eine Zahnbehandlung im Ausland, wenn Patienten ihren Fest­zuschuss geltend machen wollen. Sie ist zulässig, aber auch sie muss vorher beantragt werden.

Sozial­versicherungs­abkommen wirkt auch außer­halb der EU

Auch in einigen Nicht-EU-Ländern sind Kassenpatienten versichert. Dazu zählen Israel, Tunesien und die Türkei. Mit ihnen hat Deutsch­land ein Sozial­versicherungs­abkommen. Urlauber müssen jedoch vor der Reise bei ihrer Kasse einen interna­tionalen Auslands­kranken­schein beantragen, um dort auf Kassen­kosten Gesund­heits­leistungen in Anspruch nehmen zu können. In Groß­britannien gilt nach wie vor die Gesund­heits­karte, ebenso in Ländern des europäischen Wirt­schafts­raums wie der Schweiz oder Norwegen.

Kein Notfall, keine Kosten­über­nahme

In einem Fall verweigerte eine Krankenkasse jüngst die Kosten­über­nahme in Höhe von rund 4 300 Euro für eine stationäre Behand­lung in einer türkischen Privatklinik, die der Patient per Kreditkarte bezahlt hatte. Es stellte sich heraus, dass es sich nicht um eine Notfall­behand­lung handelte. Der Patient war vielmehr zwei Monate zuvor für eine OP-Beratung in der Klinik gewesen. Seine Krankenkasse muss die Kosten nicht über­nehmen, urteilte das Landes­sozialge­richt Berlin-Brandenburg (Az. L 28 KR 349/18).

Zuzahlung in EU nicht voll erstattungs­fähig

Dass gesetzlich Kranken­versicherte bei Krankheit im Urlaub in einem anderen EU-Land nicht alle Kosten erstattet bekommen, wie sie es in Deutsch­land gewohnt sind, hatte der Europäische Gerichts­hof schon vor mehr als zehn Jahren entschieden (Az. C 211/08). Verlangt das ausländische Kranken­haus Zuzah­lungen, die Einheimische in dem Land aus eigener Tasche zahlen müssen, muss auch der Auslands­urlauber sie selbst zahlen.

Tipp: Für welt­weite Reisen sollten sich Urlauber unbe­dingt um den Abschluss einer Auslandskrankenversicherung kümmern. Schon ab etwa zehn Euro im Jahr können sie sich umfassend versichern. Auch für Reisen inner­halb der EU ist der Schutz sinn­voll, schon wegen eines möglicher­weise notwendigen medizi­nischen Rück­trans­ports. Er wird von gesetzlichen Kassen nie bezahlt, nicht einmal von einem direkten Nach­barland nach Deutsch­land zurück.

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