Krank im Urlaub Attest möglichst ab dem ersten Tag

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Krank im Urlaub - Attest möglichst ab dem ersten Tag
Urlaubspech. Die Krankmeldung sollte vor Arbeits­beginn erfolgen.

Wenn Arbeitnehmer während ihres Urlaubs erkranken, gehen die Urlaubs­tage nicht verloren. Voraus­setzung ist allerdings, dass der erkrankte Arbeitnehmer sofort den Arbeit­geber informiert und ein ärzt­liches Attest beibringt. test.de erklärt die Rechts­lage.

Krankentage werden nicht auf den Urlaub ange­rechnet

Wer beruflich wochen­lang auf Hoch­touren läuft, neigt dazu, im Urlaub krank­zuwerden. Anstatt sich endlich zu erholen, liegt man mit Hals­schmerzen und Husten im Bett. Ein Trost­pflaster: Bei fest­angestellten Arbeitnehmern sollen die Krankentage nicht auf den Urlaub ange­rechnet werden. So regelt es das Bundes­urlaubs­gesetz.

Jeder Krankentag muss vom Arzt bestätigt sein

Der Arbeitnehmer muss jeden Krankentag mit einem ärzt­lichen Attest belegen, auch wenn seine Krankheit nicht akut behand­lungs­bedürftig ist. Jurist Andrej Wroblewski von der IG Metall sagt: „Das gilt auch, wenn sonst im Betrieb erst nach drei Kranken­tagen ein ärzt­liches Attest verlangt wird.“

Erst Chef informieren, dann zum Doktor gehen

Im Urlaub erkrankte Arbeitnehmer sollten sich im ersten Schritt per Fax oder Mail in der Firma krankmelden – spätestens bis zum eigentlichen Arbeits­beginn. Anschließend sollten sie zum Arzt gehen und die ärzt­liche Krank­schreibung nach­reichen. Eine gesetzliche Frist gibt es dafür nicht. Sie sollte aber so schnell wie möglich vorliegen. Wer im Ausland krank wird, sollte das Attest vorab per Mail oder Fax schi­cken. Wichtig ist außerdem, dem Arbeit­geber die Urlaubs­adresse und Telefon­nummer mitzuteilen.

Arzt muss vorüber­gehende Arbeits­unfähigkeit bescheinigen

Ausländische Krank­schreibungen erfüllen manchmal nicht unsere gesetzlichen Anforderungen. „Das Attest muss bescheinigen, dass die Krankheit den Arbeitnehmer daran hindert, seiner Arbeits­pflicht nach­zukommen“, sagt Wroblewski. Büro­angestellte beispiels­weise können mit einem Gips­bein womöglich arbeits­fähig sein, eine Kranken­schwester dagegen nicht.

Urlaub neu beantragen

Keinesfalls dürfen Angestellte ihren Urlaub eigenmächtig verlängern. Er muss beim Arbeit­geber neu beantragt werden.

Übrigens: Eine Krank­schreibung bedeutet nicht, dass man an das Bett gefesselt ist. Erlaubt ist alles, was die Genesung fördert.

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Profilbild Stiftung_Warentest am 29.07.2014 um 11:26 Uhr
Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung

@StiWaGast: Eine von einem ausländischen Arzt ausgestellte Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung hat grundsätzlich den gleichen Beweiswert wie eine von einem deutschen Arzt ausgestellte Bescheinigung.
Möchte der Arbeitgeber seinem Angestellten die Lohnfortzahlung verweigern, weil er einen Missbrauch vermutet, trägt er dafür die Beweis- und Darlegungslast.
Der Arbeitnehmer ist also nicht verpflichtet, jede ausländische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung auf seine Kosten übersetzen zu lassen. (MK)

StiWaGast am 26.07.2014 um 14:03 Uhr
Ein Attest in der Landessprache

„Das Attest muss bescheinigen, dass die Krankheit den Arbeitnehmer daran hindert, seiner Arbeitspflicht nachzukommen“ – das sind leider nur die inhaltlichen Voraussetzungen. Wie sieht es aber mit den formellen Anforderungen aus? Eine offizielle Arbeitsbefreiung auf Türkisch, Russisch oder sonst einer nicht-EU Sprache – wie gehe ich damit um, damit sie hier akzeptiert wird? Eine beglaubigte Übersetzung "per Fax oder Mail spätestens bis zum eigentlichen Arbeitsbeginn an die Firma zu schicken", wird schwer zu organisieren sein. Selbst nach der Rückkehr dürfte der zeitliche und finanzielle Aufwand dafür recht hoch sein. Welche Regelungen gibt es dazu genau?