10.11.2006

Kraftreiniger: Für Kunststoff oft zu scharf

Kraftreiniger Test
In Küche und Bad sollen neue Powerreiniger Einzug halten – wenn es nach dem Willen der Anbieter geht.

Die Werbung für Kraftreiniger überschlägt sich mit Superlativen: 2xPower, Multipower oder gar Megapower steht auf den bunten Sprühflaschen. Angeblich entfernen sie hartnäckigen Schmutz, Eingebranntes oder Kalkreste spielend leicht. Aber der Praxistest zeigt: Die Powerreiniger putzen zwar etwas besser als herkömmliche Haushaltsreiniger. Doch mit ihrer konzentrierten Chemie greifen sie Materialien wie Marmor, Kunststoff und Emaille an. test.de sagt, welche Kraftreiniger gut putzen und gibt Tipps, wo Sie sie einsetzen können.

Geballte Chemie

Kraftreiniger - auch Powerreiniger genannt - sind besonders aggressive chemische Putzmittel. Für den Einsatz zuhause gibt es im Wesentlichen zwei Gruppen: Kraftreiniger gegen Kalk, Seifenreste und Rost sowie Kraftreiniger gegen Fettschmutz. Reiniger der ersten Gruppe sind stark sauer. Mit pH-Werten von bis zu 0,6 lassen sie nicht viel vom Kalk übrig. Fettreiniger wirken dagegen alkalisch und lösen mit ihren Tensiden Fett und Ruß. Auffällig: Mit zwei bis vier Euro je Flasche sind Kraftreiniger rund doppelt so teuer wie herkömmliche Allzweckreiniger.

Für Putzmuffel

Grobe Kalkränder, Seifenreste und Rostflecken entfernen alle Kalkreiniger „gut“ oder „sehr gut“. Einzige Ausnahme ist die Viss Powermilch. Sie versagt bei Kalk. Doch wer regelmäßig putzt, braucht eigentlich keine Powerreiniger. Für gewöhnlichen Schmutz reichen in der Regel Allzweck- oder Badreiniger. Auch in Gegenden mit weichem Wasser ist Kraftreiniger gegen Kalk meist überflüssig. Hier entstehen kaum Kalkränder, die einer chemischen Keule bedürfen. Nur wer groben, alten Schmutz entfernen muss, fährt mit Powerreinigern gut. Für den regelmäßigen Hausputz sind die meisten Kraftreiniger jedoch zu aggressiv.

Einweichen hilft

Auch die Fettreiniger erzielten im Test meist ordentliche Putzergebnisse. Angetrocknete Bratensoße entfernten die besten Mittel mit neun oder zehn Wischbewegungen von einer glatten Edelstahlplatte. Doch es geht auch ohne Powerreiniger. Zum Vergleich: Mit Spülmittel war die Platte nach dem 18. Wisch sauber, mit Glaskeramikreiniger nach dem 13. Bei dunkel eingebranntem Fett stoßen jedoch auch Kraftreiniger an ihre Grenzen. Hier hilft längeres Einweichen besser als konzentrierte Chemie.

Zwei Schwächlinge

Neben reinen Kalk- oder Fettreinigern gibt es auch Kombiprodukte. Diese behaupten, sowohl Kalk als auch Fett bekämpfen zu können. Im Test: Ajax Professional 2x Power und Meister Proper Express 3-fach Power. Kalk, Rost und Seifenschmutz entfernten sie ähnlich gut wie andere Powerreiniger. Doch bei Fett-Ruß-Schmutz versagten sie jämmerlich. Kein Wunder: Mit ihrem sauren pH-Wert können Meister Proper und Ajax kaum etwas gegen Fett ausrichten. Test-Qualitätsurteil für beide: „Ausreichend“.

Gefahr für Oberflächen

Powerreiniger enthalten so aggressive Chemikalien, dass sie auch Oberflächen angreifen können. So zerstören die säurehaltigen Kalkkiller zum Beispiel Naturstein, Emaille, Kupfer, Aluminium, Dekorfliesen und Marmor. Für Marmor ist das nicht verwunderlich: Es handelt sich um nichts anderes als Kalk in edler Form. Im Test ätzten manche „sehr gut“ wirkende Kalkreiniger so viel Marmor weg, dass die Platten anschließend einige Gramm leichter waren. Außerdem war die Marmoroberfläche hinterher rau und unansehnlich.

Fehlende Warnhinweise

Auch Fettreiniger eignen sich nicht für alle Oberflächen. Auf Holz, lackierten Oberflächen, Marmor und Aluminium haben sie nichts zu suchen. Doch auch auf Messing, Gummi und Linoleum hinterließen die getesteten Mittel mitunter Spuren. Warnhinweise dafür fehlten jedoch oft auf den Flaschen. Besonders tückisch: Einige Reiniger griffen auch Kunststoffe an, ohne davor zu warnen. Schlecker/AS Power Cleaner und Viss Power Milch mit Aktiv-Fettlöser sprengten sogar Kunststoffe, die unter Spannung standen. So können sie unter anderem die Verkleidung von Küchenmaschinen oder das Innenleben von Armaturen zerstören.

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