Kostenlose E-Mail-Dienste Test

Elektronische Post, die E-Mail, macht Brief und Postkarte Konkurrenz. Doch oft ist die "Schneckenpost" sicherer und manchmal sogar schneller. Von 24 Freemailanbietern waren nur 4 gut.

Seit einer Woche funktioniert das elektronische Postfach nicht mehr. Stets kommt die Fehlermeldung "Nutzername oder Zugangsdaten falsch eingegeben." Und nun rebelliert eine Freundin aus alten Tagen. Sie würde mit schmutzigen E-Mails belästigt. Unschulds beteuerungen schmettert sie glatt ab: Schließlich ist die E-Mail-Adresse des Absenders ja eindeutig. Unmöglich? Leider nicht.

Wir prüften 24 kostenlose E-Mail-Anbieter. Trauriges Ergebnis: Nur Web.de Freemail und GMX sind sicher. Bei acht Anbietern fanden wir so gravierende Sicherheitslücken, dass vor deren Nutzung nur gewarnt werden kann: test-Qualitätsurteil "mangelhaft". Nicht nur professionelle Hacker, sondern jeder interessierte Laie kann mangelhaft gesicherte Postfächer in Minutenschnelle knacken.

Offen wie ein Scheunentor

Kostenlose E-Mail-Dienste Test

Für den erfolgreichen Angriff reicht die E-Mail-Adresse des Opfers. Sie ist fast immer auch der Name, unter dem sich der Nutzer beim kostenlosen E-Mail-Dienst, auch Freemail-Dienst genannt, anmeldet. Dann fehlt nur das Passwort, mit einer Passwortliste ist es leicht zu knacken. Nur nexgo PIA blockiert das Ausprobieren von Passwörtern nach sechs erfolglosen Versuchen. Fatale Sicherheitslücke: Bei den anderen Anbietern kann der Einbrecher in Ruhe probieren, welches Passwort wohl passen mag. Und kommt er damit nicht weiter, hat er sein Pulver noch lange nicht verschossen. Schließlich gibt es den Button "Passwort vergessen". Hier wird der vergessliche Nutzer (wie auch der Angreifer) zu einer Sicherheitsabfrage geführt. Viele Anbieter erlauben den Nutzern nur die Auswahl aus sechs Fragen mit entsprechend überschaubarer Anzahl möglicher Antworten. Andere wollen das Geburtsdatum wissen ­ und weisen getreulich auf Fehleingaben hin: "Der Monat stimmt nicht." Jeder Schuppen ist besser gesichert. Und ist der Angreifer erst einmal in einen E-Mail- Account eingedrungen, kann er fremde Post lesen, unter fremdem Namen E-Mails verschicken und ein neues Passwort vergeben. Das sperrt den rechtmäßigen Benutzer aus.

Tipp

: Wählen Sie für den Login-Namen (Login: Anmeldung), die E-Mail-Adresse, das Passwort und die Sicherheitsabfrage verschiedene Kombinationen von Buchstaben und Zahlen. Speichern Sie das Passwort nicht auf Ihrem Personalcomputer ab.

Muss denn auch ein kostenloses Angebot sicher sein? Ja, es muss. Das ist die Grundvoraussetzung für einen Postdienst, egal ob es sich um Brief- oder elektronische Post handelt. Der Nutzer bezahlt zwar kein Porto, aber er akzeptiert Werbung als Gegenleistung für den E-Mail-Service. Die eingeblendete Werbung verleitet ja nicht nur zum Shopping oder zum Besuch weiterer mit Werbung vollgestopfter Internetseiten. Sie kostet den Surfer auch Ladezeit ­ und nicht zu knapp. Diese Onlinezeit, und die Akzeptanz von Werbung bringt der Surfer in den Vertrag über die Nutzung des Dienstes ein. Und dieser Vertrag sollte rechtlich korrekt sein, was oft genug ein frommer Wunsch bleibt. Web.de Freemail, Freenet.de und Berlin.de bekamen in diesem Prüfpunkt eine gute Note. Die anderen 21 Anbieter beschneiden die Rechte der Kunden zum Teil drastisch.

Die technische Sicherheit des E-Mail-Dienstes und die Rechtssicherheit der Kunden sind die Pflicht, andere nicht minder wichtige Faktoren faktisch die Kür: Ist der Freemailer immer sofort erreichbar, versendet er die E-Mails sofort (Verfügbarkeit), ist die zum Teil gebotene Funktionsfülle gut zu handhaben, gibt es schnell und kompetent Antwort auf Fragen (Service)? Doch auch hierbei patzten viele, waren unkomfortabel und wenig leistungsfähig. Ision und Myokay konnten wir tagelang nicht erreichen, bei excite und RedSeven brauchte manche E-Mail einen ganzen Tag, bis sie am Ziel ankam. Das reicht auch einer Postkarte. Pflicht und Kür zusammen betrachtet, schälten sich im Test vier "gute" Anbieter heraus: Vor allen anderen Web.de Freemail, gefolgt von ePost, GMX und RedSeven. Oftmals bieten die Dienste ein Plus an Leistung gegen Bares an. Bei Freemail zum Beispiel mehr Speicherplatz und Werbefreiheit, bei GMX mehr Sicherheit.

Tipp:

Wenn genug Leistung und Sicherheit kostenlos zu haben sind, sollten Sie dafür keine Mark zahlen.

Allein gelassen

Wenn es Probleme gibt, stehen die Kunden vieler Freemail-Dienste allein da. Bei Findall und Myokay fehlt zum Beispiel die Hilfefunktion, die angesichts der Funktionsfülle und englischsprachigen Fachausdrücke unverzichtbar ist. Außerdem schwieg bei Exite und Findall auch noch das per E-Mail angeschriebene Hilfeteam. Unvergleichlich bleibt Hotmail, der kostenlose E-Mail-Dienst von Microsoft. Der hat zwar eine beispielgebende Hilfefunktion (umfangreich, mit Index zur Schlagwortsuche), doch die E-Mail-Adresse des Hilfeteams ist nahezu unauffindbar. Frustrierend: Antworten gab es anfangs nur vom Computer. Ausführlich zwar, aber beschämend ungenau. Jede Antwort nannte eine weitere E-Mail-Adresse mit dem Versprechen, eine persönliche Antwort zu bekommen. Doch bereits die zweite E-Mail-Adresse führte wieder zum ersten automatischen Beantworter zurück. Nur mit viel Mühe konnten wir diese "Antwortverhinderungs-Schleife" aufknoten und bekamen dann einen der besten Antwortbriefe der gesamten Untersuchung. Privat hätten die Prüfer sicher schon vorher kapituliert.

Dieser Artikel ist hilfreich. 1413 Nutzer finden das hilfreich.