Kosten von Lebensversicherungen Meldung

Mit der Unterschrift unter den Antrag für eine Lebensversicherung beginnt eine langfristige finanzielle Bindung.

Was ein Kunde seiner Lebensversicherung dafür zahlt, dass sie sein Geld anlegt und ihm Risikoschutz gibt, weiß er nicht. Etwas mehr Klarheit wird es wohl bald geben.

Kosten sind bei Lebensversicherern ein gut gehütetes Geheimnis. Vermittler sprechen lieber über das, was herauskommen kann, nicht darüber, was der Abschluss eines Vertrags ihnen persönlich bringt. Sie verweisen lieber auf mögliche Auszahlungen als auf das einbehaltene Geld für Risiko- und Verwaltungskosten.

Kunden wissen so gut wie nie, welche Kosten Lebensversicherer von ihren Einzahlungen wofür abzweigen. Und selbst Versicherungsvermittler tappen oft im Dunkeln (siehe „Auch Vermittler verstehen Verträge nicht“).

Das muss sich ändern. Das Bundes­verfassungsgericht entschied am 26. Juli 2005, dass Versicherte Anspruch auf mehr Klarheit in ihren Verträgen haben. Außerdem steht eine Reform des Versicherungsvertragsgesetzes (VVG) auf der Agenda, die die Kundenrechte stärken soll. Das neue Gesetz wird voraussichtlich 2008 in Kraft treten.

Vorschlag der Branche

Kosten von Lebensversicherungen Meldung

Die Grafik zeigt, wie unterschiedlich die Verwaltungskosten (in Bezug auf die Beiträge) und die Abschlusskosten (in Bezug auf die Neubeitragssumme) bereits bei den fünf größten Lebensversicherern ausfallen. Wesentlich kostengünstiger arbeiten die Direktversicherer. Kunden, die sich für solche Zahlen ihres Versicherers interessieren, müssen sie mühsam im Geschäftsbericht suchen.

Auch die Versicherungswirtschaft hat nun offenbar erkannt, dass sie etwas ändern muss. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) stellte im November ein Vier-Punkte-Programm vor, mit dem die Sparte „modernisiert und am Kunden orientiert“ werden soll.

Wer früh kündigt, soll künftig nicht mehr mit leeren Händen gehen müssen. Bisher verlieren Versicherte oft das meiste Geld, wenn sie eine Lebensversicherung mit Sparvertrag, also eine Kapitallebens- oder Rentenversicherung, nach kurzer Zeit wieder auflösen.

Nun wollen die Versicherer in den ersten fünf Jahren der Vertragslaufzeit neue Mindestrückkaufswerte einführen. Vorlage ist der seit 2005 geltende Mindeststandard bei Riester-Verträgen. Der scheidende Kunde würde so gestellt werden, als seien ihm die Abschlusskosten auf fünf Jahre verteilt berechnet worden. Bei bis Ende 2004 geschlossenen Riester-Verträgen war eine Verteilung dieser Kosten übrigens noch auf mindestens zehn Jahre vorgeschrieben.

Noch werden Abschluss- und Vertriebskosten bei allen anderen Kapital bildendenden Lebensversicherungen aber fast immer vollständig von den ersten Beiträgen abgezogen. Das Beitragskonto liegt so längere Zeit im Minus.

Ein Kunde will beispielsweise über 30 Jahre hinweg 1 000 Euro jährlich für eine private Rentenversicherung ansparen. Die kalkulierte Beitragssumme von 30 000 Euro ist der Maßstab für die Abschlusskosten, von denen der Vermittler direkt nach der Unterschrift den größten Teil erhält. Bei 4 Prozent wären das 1 200 Euro.

Der Versicherer nimmt das Geld ­dafür vom Kundenkonto. Kündigt der Kunde nach zwei Jahren, nachdem er 2 000 Euro eingezahlt hat, hätte er schon 1 200 Euro Abschlusskosten zu zahlen. Außerdem ­wären ihm laufende Verwaltungs- und ­Versicherungskosten abgezogen worden. De facto bekäme er kaum etwas zurück.

Bei Verteilung der Abschlusskosten auf fünf Jahre sähe das günstiger aus. Diese Kosten würden fiktiv in fünf Teile à 240 Euro zerlegt. Der Vermittler müsste im Beispiel 720 Euro Honorar erstatten. Der Kunde würde von den 1 200 Euro dann nur 480 Euro zahlen – eine Verbesserung.

Überschüsse und Reserven

Besseren Durchblick wollen die Versicherer bei der Überschussbeteiligung schaffen. Sie kommt zur garantierten Verzinsung eines Vertrags hinzu. Erst mit ihr kann eine Geldanlage mit Versicherungen attraktiv werden. In den letzten Jahren gab es branchenweit wenig, bei manchen Unternehmen gar keine Überschussbeteiligung.

Mit einer einheitlichen Bezugsgröße wollen die Versicherer nun verbindlich regeln, worauf sich die von ihnen genannten Prozentsätze zur Wertentwicklung – der Rendite – beziehen. „Das an einem ­bestimmten Stichtag nach Abzug der ­Abschlusskosten vorhandene Deckungskapital etwa könnte der Maßstab werden“, sagt Günter Bost, Lebensversicherungsexperte beim GDV. Orientieren könne man sich an den Vorschriften zur Berechnung der Garantieleistung.

„Wenn klar ist, worauf sich eine Zahl ­bezieht, untergräbt das Tricksereien“, meint Wolfgang Scholl vom Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv).

Was die Gesellschaft Huk-Coburg bei ihren Kapitallebensversicherungen freiwillig macht, will der GDV für die Branche aber nicht erzwingen: Lebensversicherer sollen auch künftig nicht sagen müssen, wie viel vom Einzelbeitrag gespart wird, wie viel Geld für Kosten, wie viel für Risikoschutz abgeht. Das sei problematisch, weil sich der Risikoanteil mit dem Alter des Kunden ständig ändere, so Bost. Zudem kalkuliere jedes Unternehmen anders. Höher vorab reservierte Kostenanteile sagten nichts über die spätere Leistung aus.

Festlegen will die Branche aber eine Beteiligung der Kunden an den so genannten stillen Reserven. Sie entstehen zum Beispiel, wenn eine abgeschriebene Immobilie real einen hohen Marktwert hat. Davon sollen Kunden künftig „sachgerecht“ profitieren. Was das heißt, ist noch offen.

Das Bundesverfassungsgericht hatte eine angemessene Beteiligung der Kunden an stillen Reserven gefordert.

Informationen zum Vertrag

Die Versicherer wollen ihre Kunden künftig auch besser informieren. Auch das ist nötig, denn bisher erhalten Versicherte die vorgeschriebenen Verbraucherinformationen oft erst nach Vertragsschluss. Schlimmer ist jedoch, dass die Standmitteilungen, über die sie jährlich Einblick in ihre Anlage bekommen sollen, häufig verschleiern, was ihr Vertrag für sie wirklich wert ist. Das zeigte eine Analyse in Finanztest 4/04. Etwa 1 600 Standmitteilungen von 61 Versicherern wurden dabei untersucht: siehe Kapital-Lebensversicherung.

Ein neues Versicherungsvertragsgesetz könnte auch hier mehr Durchblick schaffen. Die knappe Frist, die das Bundesverfassungsgericht dem Gesetzgeber mit Ende 2007 gestellt hat, könnte helfen.

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