Bei der Geldanlage in Investmentfonds verdienen Banken und Kapitalanlagegesellschaften kräftig mit. Wie viel, das verraten sie meistens nicht.

Fast täglich schauen Millionen Anleger angesichts schwankender Aktienkurse besorgt in den Kursteil ihrer Tageszeitung. 6,2 Millionen Bundesbürger besitzen Aktien, knapp 8 Millionen haben Aktienfonds in ihrem Depot. Während sie sich Gedanken um die Wertentwicklung ihrer Ersparnisse machen, stehen mit den Kreditinstituten und den Investmentgesellschaften die Gewinner bereits fest.

Wie viele Milliarden an einmaligen oder regelmäßigen Gebühren den deutschen Fondsgesellschaften fast automatisch in die Taschen gespült werden, wollen die Verantwortlichen nur ungern offen legen. Viele Anleger scheinen angesichts erwarteter Wertsteigerungen im zweistelligen Prozentbereich an detaillierten Angaben zu den Kosten ihres Investments auch gar nicht interessiert.

Kosten nur Nebensache?

Doch Investmentfonds sind teurer als es den Anschein hat. Von einer transparenten Kostendarstellung sind fast alle Fondsgesellschaften noch weit entfernt. Anders als früher müssen seit April 1998 nicht einmal mehr die Fondsgebühren vom Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen genehmigt werden. Und die Diskussionen auf europäischer Ebene über eine Reform der Investmentdirektive aus dem Jahre 1985, die dem Anleger mehr Klarheit bringen könnte, laufen langsam. Experten gehen von einer Aktualisierung der Standards frühestens im Jahre 2002 aus. Danach steht noch die Umsetzung in nationales Recht bevor.

Die meisten Anleger zahlen heute klaglos Ausgabeaufschläge beim Kauf von Fondsanteilen, teilweise auch Rückgabegebühren beim Verkauf. Mit den jährlich fälligen Managementgebühren übernehmen die Anleger die Kosten für die professionelle Verwaltung ihrer Wertpapiere, die Depotverwahrung, Prüfung und Veröffentlichung sowie Kauf und Verkauf von Wertpapieren, ohne es zu merken oder darauf zu achten. Selbst für Marketing und Research fallen zusätzliche Gebühren an. Dazu kommen in Einzelfällen noch Gewinnbeteiligungen für erfolgreiche Fondsmanager. Der letzte Posten auf der Gebührenrechnung ist in der Regel noch die Depotgebühr, die für das eigene Wertpapierdepot zu entrichten ist.

Nach einer Richtlinie des Bundesaufsichtsamtes für den Wertpapierhandel sind die Berater bei Banken und Sparkassen verpflichtet, Anleger umfassend darüber aufzuklären, wer wie viel an seinen Wertpapiergeschäften verdient. So müssen Berater beispielsweise auf die Geschäftsverhältnisse zwischen Institut und Fondsgesellschaft hinweisen. Das jeweilige Kreditinstitut ist zumeist daran interessiert, die eigenen Fonds zu verkaufen, weil dann die Gebühren innerhalb des Konzerns oder der Bankengruppe bleiben. Die Richtlinie des Bundesaufsichtsamtes gilt allerdings nicht für die Fondsgesellschaften selbst und nicht für Fondsshops und Finanzdienstleister wie AWD, Bonnfinanz oder DVAG.

Zumindest die Kosten der Investmentgesellschaft könnten aufmerksame Anleger, wenn auch mit erheblichem Aufwand, in den jährlichen Rechenschaftsberichten der Fondsgesellschaft aufgrund der darin ausgewiesenen Aufwendungen selbst ermitteln. Diese Summe, geteilt durch das im Jahresdurchschnitt verwaltete Fondsvermögen, ergibt die Gesamtkostenquote (total expense ratio). Wenn diese Quote 2 Prozent übersteigt, sind Fonds als teuer einzustufen. Dass sich Vergleiche lohnen, zeigt folgende Beispielrechnung.

Bei der Anlage von 5.000 Euro in einem Fonds mit einer jährlichen Wertsteigerung von 7 Prozent wächst das Vermögen in 20 Jahren auf rund 19300 Euro ­ ohne die Berücksichtigung von Fondsgebühren. Bei einer Gesamtkostenquote von 1,5 Prozent im Jahr ist das Ergebnis mit knapp 14.600 Euro um rund ein Viertel magerer.

Während die offene Nennung der Gesamtkosten eines Fonds im angelsächsischen Raum längst gang und gäbe ist, halten Investmentgesellschaften in Deutschland diese Zahlen in ihren Pflichtveröffentlichungen versteckt.

Das britische Fondsresearch-Haus Fitzrovia (Internet: www.fitzrovia.com) hat für in Deutschland angebotene Aktienfonds mit dem Anlageschwerpunkt in deutschen Aktien eine durchschnittliche Gesamtkostenbelastung von 1,16 Prozent ermittelt, davon allein 0,83 Prozent Managementgebühr. Für Fonds mit internationalen Anlageschwerpunkten sind diese Kosten wesentlich höher, zum Beispiel bei US-Aktien 1,89 Prozent Gesamtkosten, davon 1,04 Prozent Managementgebühr. Am höchsten liegen die Gesamtkosten aufgrund höherer Ausgaben für Research bei Anlageschwerpunkten in Schwellenländern (Emerging Markets) mit 2,73 Prozent, davon 1,44 Prozent Managementgebühr.

Nur die schweizerische UBS publiziert seit Jahren unter dem Kürzel "All-in-fee" ihre Gesamtkosten. Dabei nennen die Schweizer neben der Gesamtkostenquote auch die Kosten für sämtliche Transaktionen, also Käufe und Verkäufe von Wertpapieren.

Provisionen schinden?

Bei den anderen Gesellschaften hingegen tauchen die Kosten für die Umschichtung der Fondsvermögen überhaupt nicht auf. Sie werden stattdessen bei den abgerechneten Kursen auf so genannter Nettobasis einfach eingerechnet. Je nachdem wie oft Fondsmanager im Jahr ihre Wertpapierbestände umschichten oder umwälzen, fallen diese Kosten höher oder niedriger aus. Nutznießer sind die mit der Abwicklung der Käufe und Verkäufe beauftragten Banken ­ fast immer die Konzernmütter der Investmentgesellschaften.

Theoretisch können Aktivitäten von Fondsmanagern gezielt dazu genutzt werden, die Provisionserträge der jeweiligen Depotbanken zu steigern. Prinzipiell, so betont Dietmar Vogelsang, Sachverständiger für Kapitalanlagen und private Finanzplanung aus Bad Homburg, seien auch Fondsverwaltungen nicht gegen unnötigen Portfolioumschlag gefeit: "Doch da wirds für den Anleger schwierig. Denn wenn sich ein Fonds deutlich schlechter entwickelt als der entsprechende Index, muss deshalb nicht zwingend Churning im Spiel sein, auch wenn dieser Verdacht nahe liegt." Mit dem Begriff Churning, wörtlich übersetzt "buttern", wird das kräftige Umschichten des Anlegerkapitals und das Abschöpfen der jeweils anfallenden Gebühren bezeichnet. Juristen und Sachverständige wie Vogelsang sehen auch bei konservativen Anlageformen inzwischen entsprechende Tendenzen. Sein Rat für Fondsanleger: "Wenn eine Entwicklung krass negativ verläuft, bietet sich neben der Erwägung juristischer Schritte zunächst die Hinzuziehung eines neutralen Experten zwecks Prüfung der Angelegenheit und gegebenenfalls Verkauf der Anteile an, um weiteren Verlusten zuvorzukommen." Immerhin sind Wertpapierdienstleister wie Banken und Sparkassen nach Paragraph 31 des Wertpapierhandelsgesetzes verpflichtet, ihre Leistungen "mit der erforderlichen Sachkenntnis, Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit im Interesse seiner Kunden zu erbringen".

Am besten sollten sich Anleger bereits bei der Fondsauswahl einen Überblick verschaffen: nicht nur über die Wertentwicklung des Fonds, sondern auch über die Gebühren, die die Investmentgesellschaft für ihre Leistungen kassieren will. Denn während die Wertpapierkurse an den Börsen schwanken, bleibt zumindest dieser Wert stabil.

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