Kosten durch Smartphones im Ausland Special

Fahrplanauskunft, Nachrichten und Restaurant­suche gehören zu den Attraktionen von Smart­phones. Solche Apps erweitern den Funktions­umfang moderner Handys und vertreiben die Zeit. Dafür müssen sie sich allerdings ständig aktualisieren. Im Ausland wird das teuer. test.de deckt auf.

Überraschende Benutzungskosten

Smartphones sind dafür gemacht, stets und überall ihre Kommunikationsdienste anzubieten. Das erfuhr Justus von Widekind auf der ersten Italienreise mit seinem Motorola Milestone: 119 Euro Roaminggebühren sollte er nach der Rückkehr zahlen. Die Apps seines Smartphones hatten sich ständig aktualisiert und Daten aus dem Internet geladen. Zum Glück hatte die Europäische Kommission kurz vorher die Kosten für Internetnutzung im europäischen Ausland auf 59,50 Euro je Abrechnungs­monat begrenzt. Da Herr von Widekinds Reise in zwei Abrechnungs­monate fiel, musste er die Gebühr für zwei Monate zahlen. Doch ohne die Deckelung wäre die Rechnung vermutlich noch höher ausgefallen.

Ungefragter Datentransfer

Viele Smartphone Betriebssysteme und Apps tauschen Daten auch ungefragt mit dem Mobilfunknetz. Deshalb schaltete Smartphonebesitzer von Widekind die Datenverbindung vor seiner zweiten Italienreise aus. Doch dann verlief er sich in San Remo und suchte mit Google Maps nach dem Weg. Prompt aktualisierten sich die Apps und verursachten erneut Roamingkosten. Hintergrund: Google Maps Navigation funktioniert nur mit Internetverbindung. Das Kartenmaterial befindet sich nicht auf dem Handy, sondern auf Großrechnern des Anbieters. Auch bei anderen Navigationslösungen ordert das Handy oft über das Mobilfunknetz Daten, um die Position genauer und schneller zu bestimmen.

Hohe Kosten für wenig Verkehr

Die EU-Kommission hat festgelegt, dass ausländische Netzbetreiber dem Heimat-Netzbetreiber maximal 80 Cent pro Megabyte Datentransfer in Rechnung stellen dürfen. Trotzdem unterscheiden sich die Preise stark: Bei Telekom- und Vodafone-Kunden erscheint das im EU-Ausland empfangene Megabyte Daten mit 3,40 Euro auf der Rechnung. Bei O2 sogar mit fünf und bei E-Plus mit 11,80 Euro. Noch teurer sind manche Prepaid-Tarife. Klarmobil und Maxxim zum Beispiel kassieren fast 20 Euro je Megabyte von ihren Kunden im Ausland. Ein Megabyte ist schnell verbraucht: Zum Beispiel beim Download von 100 Emails ohne Anhang. Oder beim Versand einer E-Mail mit Foto. Oder für eine einfache Fahrplanauskunft auf bahn.de.

Schwarzes Loch: Altverträge

Noch teurer ist mobiles Internet im Ausland, wenn der Handyvertrag vor mehreren Jahren abgeschlossen wurde. Damals gab es kaum Internetanwendungen für Handys. Preise für Datenroaming waren sehr, sehr hoch. Inzwischen sind die Preise gesunken. Doch die gelten oft nur für Neukunden. Tipp: Fragen Sie Ihren Netzbetreiber nach den für Ihren Vertrag gültigen Datenpreisen im Ausland. Andernfalls kann das moderne Smartphone mit alter Simkarte zu unerwünschten Überraschungen führen.

Kostenbremse dank EU-Kommission

Seit Sommer 2010 gilt deshalb innerhalb der EU die Kostenbremse von 59,50 Euro: Bei 47,60 Euro gibt es eine Warn-SMS. Mehr als 59,50 Euro darf der Anbieter für Daten nur dann berechnen, wenn der Nutzer zuvor dem Überschreiten dieser Kostengrenze aktiv zugestimmt hat. Für die 59,90 Euro gibt es manchmal 3 Megabyte (Klarmobil und Maxxim) und manchmal 120 Megabyte (Aldi, Base, blau.de, Simyo). Preisunterschied: 4 000 Prozent! Verbraucherfreundlicher wäre es, wenn innerhalb der EU die gleichen Preise gelten wie zuhause. Achtung: Außerhalb der EU gibt es keine Kostengrenze. Und dort schlagen die Kosten für Datentransfer noch stärker zu Buche: Bis zu 34 Euro kostet das Megabyte.

Unübersichtliche Auslands-Optionen

Im Ausland bucht sich das Smartphone automatisch in das funkstärkste Netz ein – es sei denn, der Reisende wählt aktiv einen anderen Anbieter. Hier lohnt sich ein Tarifvergleich, denn die Telefonprovider lassen sich die Nutzung ihrer Infrastruktur vom Mobilfunkmast bis zum Mobil-Surf-Portal unterschiedlich bezahlen. Manche Anbieter verlangen dafür einen Mindestumsatz oder berechnen einen Tagesnutzungspreis. Manche rechnen in Schritten von 10 Kilobyte ab. Andere lassen sich jede angefangenen 100 Kilobyte bezahlen. Wer im Ausland mobil surfen möchte, kann auch einen Auslands-Datentarif mit Volumen- oder Zeit­begrenzung buchen. Diese Tarife funktionieren zum Beispiel nach dem Park­uhr­prinzip: Ab Buchung per SMS wird der Datenverkehr für einen Tag frei­geschaltet. Hierfür müssen Nutzer aber den entsprechenden Netz­betreiber im Handy auswählen. Die Kontingente lassen sich nur vor der Daten­nutzung buchen. Ungenutztes Volumen verfällt, zusätzlicher Verbrauch wird überproportional teurer.

Sperren oder nicht sperren

Viele Smartphones sind darauf ausgelegt, ständig Kontakt zum Internet zu halten – vor allem die mit dem Betriebssystem Android. Hintergrund: Bereits ab Werk sind verschiedene Apps installiert, die regen Kontakt zum Internet hegen. Einzelne Ausschalter für bestimmte Apps und den zugehörigen Datenverkehr gibt es leider nicht. Wer sichergehen möchte, im Ausland keine Roamingkosten zu verursachen, kann deshalb vor der Reise beim Netzbetreiber den Datenverkehr im Ausland sperren. Dann ist aber auch im Notfall kein mobiler Datenverkehr im Ausland möglich. Alternative: Bei vielen Smartphones lässt sich der Datenverkehr auch am Gerät sperren. Im Notfall können Nutzer diese Sperre selbst wieder aufheben. Sie sollten aber damit rechnen, dass sich beim Netzwerkzugang zuerst die auf eine Netzverbindung wartenden Apps aktualisieren. Erst danach treffen die gewünschten Daten ein.

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