Kosmetikinstitute

Kosmetikinstitute: Im Dienste der Schönheit

25.07.2002

Zehntausende Kosmetikerinnen bieten hierzulande ihre Dienstleistungen an. Da ist es nicht immer einfach, die richtige zu finden. Wir schwärmten zur Gesichtsbehandlung aus, um Ihnen Tipps zu geben.

Inhalt

Claudia Schiffer, Joan Collins und Judy Foster lächeln von der großflächigen Fotowand des Promisalons. Sie alle haben sich hier schon pflegen, schminken und beraten lassen. Welch Zeugnis unantastbarer Qualität. Schließlich haben Stars weltweit freie Auswahl unter den Schönheitspflegern. Warum also nicht die Damen der Glamour-Welt zum Vorbild nehmen, wenn es um die eigene Pflege geht?

Gesagt, getan. Zehn Tage später sitze ich in dem besagten Salon. Mit einem kleinen Unterschied: Ich werde nicht vom Chef persönlich umhegt, sondern von seiner Kosmetikerin. Die Dame in Schwarz ist freundlich, aber distanziert. Nicht eine Anekdote über magersüchtige Models, liebestolle Schauspieler oder sonstige Exzesse aus der Welt der Stars und Sternchen. Schade eigentlich. Aber Diskretion bürgt für Seriosität. Also Schotten dicht und entspannen.

Wohlig wärmt der warme Wasserdampf mein Gesicht. Die „Lady in Black“ widmet sich geschäftig meinen Hautunreinheiten. Mit Metallstäbchen rückt sie den Mitessern zu Leibe, das Skalpell macht den Milien (Hautgrieß) den Garaus. Beinahe unbemerkt gleiten die Ins­trumente in ein Glasgefäß zurück, wo sie sich unbeirrt unter Puderpinsel, Kajalstifte und Pinzetten mischen. Ein Desinfektionsbad ist nicht in Sicht.

Dick trägt die Kosmetikerin eine kühlende Maske auf, mein Gemüt beruhigt sich wieder. Baumwipfelwehen, Wasserfallgeplätscher und Vogelgezwitscher dringen aus dem Kopfhörer in mein Ohr und lullen mich im Tiefsten meiner Seele ein. Die Kosmetikerin verlässt den Raum, ich falle in den Dämmerschlaf.

Rauch vermiest die Massage

Nach ihrer Zigarettenpause stehe ich wieder an erster Stelle. Ihre Hände massieren sanft mein Gesicht. Aber es dauert eine ganze Weile, bis sich die duftige Creme gegen den Nikotingeruch ihrer Finger durchgesetzt hat. „Normale Haut für das Alter, nur die Augenfältchen könnten weniger sein“, lässt sie mich zu allem Überfluss wissen.

Supermodel Claudia Schiffer erscheint vor meinem geistigen Auge. Derselbe Jahrgang, weniger Falten. Vielleicht hilft ja eine gute Creme? Die aufkommende Hoffnung erstickt die Starpflegerin aber im Keim. Sie empfiehlt nicht einmal die hauseigenen Produkte. Ob das wohl an meinem H&M-Mantel liegt? Oder habe ich eventuell doch zu oft betont, dass ich eigentlich nur parfumfreie Cremes aus der Apotheke benutze?

Blass und speckig, die Haare fettig am Kopf verklebt, verlasse ich die Kabine. Das Make-up hätte 17 Euro extra ge­kostet, darauf verzichte ich. Die Überraschung folgt an der Kasse: Kartenzahlung ist nicht möglich, denn eine alte Blechbüchse hortet die Tageserträge. „Der nächste Geldautomat ist nur 500 Meter entfernt“, säuselt meine Pflegerin. Also mache ich mich auf den Weg, um die saftige Rechnung begleichen zu können.

Trotzdem, ich fühle mich entspannt, gemocht und gepflegt. Wer massiert mir sonst schon eine halbe Stunde lang das Gesicht? Vielleicht sind 77 Euro dafür ja sogar angemessen? Aber meine test-Kollegin belehrt mich bald darauf eines Besseren: Ihre Behandlung hat mit 39 Euro gerade mal die Hälfte gekostet – und zwar inklusive Tages-Make-up. Zwar nicht im Promisalon, dafür aber in ihrem Lieblingsladen um die Ecke.

Gründlich wie eine Medizinerin

Zwar hängen dort keine Starfotos an der Wand, dafür aber ein Zeugnis, das die Inhaberin als „staatlich geprüfte Kosmetikerin“ ausweist. Keine Lady in Schwarz, sondern eine im weißen Kittel legt hier die Hand an. Die ehemalige medizinisch-technische Assistentin erfragt auch Allergien und Krankheiten der Kundin, die eine vorsichtigere Behandlung erforderlich machen würden.

Im blütenweißen Labor sorgt ein vibrierender Massagestuhl für Entspannung. Die Augen mit Pads gekühlt, die geplatzten Äderchen mit Kompressen geschützt, wird Wasserdampf auf meine Kollegin angesetzt. Schritt für Schritt erklärt die Fachfrau die Gesichtsbehandlung: Peeling drauf, Pickel weg und eine schöne Maske. Meine Kollegin ist rundum zufrieden. Ihr Urteil: „Das sollte man sich öfter mal leisten!“

Kaninchenaugen durch „Bio“-Öl

Ganz anders die Erfahrungen in einem zufällig ausgewählten Bio-Institut: Spirituell angehaucht von ätherischen Ölen über fernöstliche Musik bis hin zu Glückssteinchen steht das Ambiente im krassen Gegensatz zur ausführenden Person. Solariumgebräunt, weißblond gefärbt mit langen roten Fingernägeln begrüßt sie ihre Kundin auf Berlinerisch: „Keene Angst, meene Kleene, ick bin eene von den janz Sanften.“

Dann kommt sie ins Erzählen: Abends im Schnellkurs, tagsüber im Büro, das ist ihre Ausbildung. Was an der Bio-Kosmetik „bio“ ist, das weiß sie auch nicht so genau: „Natürlich ist auch etwas Chemie dabei, aber besser als Ihre Creme ist das allemal“, rügt sie ihre Kundin für das Benutzen der altbekannten Allzweckcreme im blauen Tiegel.

Endlich wird unsere Probandin aus der „biologischen“ Behandlung entlassen. Wenn auch die langen Nägel keine Spuren bei der Gesichtsmassage hinterlassen haben, sind ihr doch die Duftöle nicht bekommen. Mit kaninchenroten Augen entflieht sie dem meditativen Umfeld. Dass die Behandlung zu allem Überfluss teurer als vereinbart ist, verrät erst der Blick auf die Rechnung: Dort schlägt eine zusätzliche Ampulle mit ganzen zehn Euro zu Buche.

Erst einmal ein Pröbchen

Glück gehabt hat unsere test-Kollegin, die zum ersten Mal bei einer Kosmetikerin war: Durch Mund-zu-Mund-Propaganda hat sie einen guten Tipp bekommen. Das Interieur ganz in Rosé ist zwar noch dasselbe wie am Eröffnungstag vor 25 Jahren. Dafür bescheinigen gerahmte Zertifikate die Ausbildung bei einer Pariser Traditionsfirma.

Zurückhaltend, aber stets um die Kundin bemüht, verliert sie auch das Budget des Neulings nicht aus dem Blick. „Nivea ist genauso gut wie die teureren Produkte“, ist ihre Meinung. Wenn man aber ein neues Produkt ausprobieren wolle, dann solle man klein anfangen. Später könne man immer noch mehr investieren – sprachs und füllte einen Probetiegel ab.

Das Urteil der Testerin: sehr vertrauensbildend. Trotzdem, einen kleinen Schönheitsfehler hatte auch dieser Besuch: Die Gesichtsbehandlung war schon nach einer knappen Stunde abgeschlossen, eigentlich sollte sie etwa anderthalb Stunden dauern.

Eine gute Behandlung ist individuell

Unsere Stichproben zeigen: Es gibt nur wenige allgemeine Anhaltspunkte für das richtige Institut. Letztlich ist eine gute Kosmetikerin eine, die auf die speziellen Bedürfnisse ihrer Kunden eingeht.

Auch ich gebe nicht auf und mache einen zweiten Termin im Promisalon: Vielleicht färbt ja ein wenig Glamour auf mich ab. Immerhin steht meine persön­liche Kundenkarte jetzt gleich vor S wie Schiffer in der Promikartei.

  • Mehr zum Thema

    Make-up im Test Naturkosmetik wird Testsieger

    - Ein Teint ohne Makel, der völlig natürlich wirkt – das soll Make-up leisten. Die Produkte werden manchmal auch als „Grundierung“ oder „Foundation“ verkauft. Die Stiftung...

    Tuchmasken Feuchtes Tuch ist kein Faltenkiller

    - „Glättet die Haut“, „pols­tert auf“, „lifting“ – das etwa versprechen Tuchmasken. Sie bestehen aus einer Zellulose- oder Gelschicht, die mit Wasser und Wirk­stoffen wie...

    Kosmetik Geht es um die Schönheit, gehts in die Drogerie

    - Kosmetik­artikel wie Shampoo, Duschgel oder Zahnpasta füllen in Drogerien, Apotheken und Supermärkten lange Regale. Im vergangenen Jahr gaben Kunden für...