Kosmetika Meldung

Die EU-Kommis­sion hat strengere Regeln für den Einsatz von Konservierungs­stoffen in Kosmetika beschlossen. Sie will vor allem Klein­kinder unter drei Jahren besser schützen. Deshalb sind in Cremes für den Babypopo künftig zwei bestimmte Parabene tabu.

Neue Vorschriften gelten ab Früh­jahr 2015

Die beiden Konservierungs­stoffe heißen Propylparaben und Butyl­paraben – beides Ester, die zu den klassischen Konservierungs­stoffen zählen. Sie dürfen ab April 2015 nicht mehr in Kinder­kosmetika enthalten sein, die im Windel­bereich zum Einsatz kommen. Betroffen sind davon Produkte wie Wund­schutz­cremes, die üblicher­weise auf entzündete Babypopos aufgetragen werden. Grund­lage ist eine Bewertung der Konservierungsstoffe durch den Wissenschaftlichen Ausschuss für Verbrauchersicherheit (SCCS) der EU-Kommission. Anlass dafür war die Entscheidung der dänischen Regierung im Jahr 2011, beide Parabene in Kinder­kosmetika zu verbieten.

Entzündete Haut besonders gefährdet

Der SCCS stützt sein Verbot von Propylparaben und Butyl­paraben unter anderem auf die Ergeb­nisse eines Worst-Case-Szenarios. Demnach könnten bei einer bestehenden Hautrei­zung, wie etwa einem wunden Popo, die Parabene stärker in die Haut des Babys eindringen. Das werde auch dadurch befördert, dass die Windel so dicht verschlossen sei. Babys unter sechs Monaten hätten im Verhältnis zu ihrem Körpergewicht eine mehr als doppelt so große Haut­oberfläche wie Kinder und Erwachsene und ihr Stoff­wechsel sei noch nicht ausgereift. Hinzu kommt, dass gerade in den ersten Lebens­monaten die so genannte Windeldermatitis, eine akute Haut­entzündung, häufiger auftritt – etwa wenn sich das Essverhalten ändert. Das Verbot gilt aber nicht nur für Produkte für Babys bis sechs Monate, sondern für alle „Windel-Kosmetika“ für Kinder bis unter drei Jahren.

Schutz der Kleinsten geht vor

Die Entscheidung der EU ist als vorbeugender Verbraucher­schutz für die Kleinsten der Kleinen zu sehen. Befürchtet wird unter anderem, dass Parabene in den Stoff­wechsel eingreifen und sich negativ auf die Fort­pflan­zungs­fähig­keit auswirken könnten. Da es dazu keine verläss­lichen Studien für Erwachsene gibt, ist laut SCCS für Neugeborene und Klein­kinder ein zusätzlicher Sicher­heits­faktor nötig Stellungnahme des SCCS zum Verbot von Parabenen in Kinderkosmetika für Kinder unter 3 Jahren. Besonders häufig ist zu lesen, dass Parabene in das Hormon­system eingreifen würden. Nach derzeitigem wissenschaftlichen Stand ist das nicht ausreichend bewiesen: Tier­versuche zeigten für Propyl- und Butyl­paraben kein einheitliches Bild, außerdem lassen sich deren Ergeb­nisse nicht einfach auf den Menschen über­tragen. Eine andere, oft zitierte Annahme – Parabene würden wie das weibliche Hormon Östrogen wirken und hätten deshalb negative Folgen – ist ebenso wenig belegt. Tatsache ist, dass ihre östrogene Wirkung deutlich nied­riger ist als die des natürlichen Sexualhormons.

Geringere Konzentrationen für Shampoos & Co.

Für Kosmetika, die wieder aus- und abge­waschen werden, hat die EU ebenfalls neue Vorschriften erlassen. Diese gelten sowohl für Kosmetika für Kinder als auch für Erwachsene. Demzufolge dürfen Shampoos oder Duschgele künftig nur noch geringere Mengen an Propylparaben und Butyl­paraben enthalten als bisher: Die derzeit erlaubte Konzentration von 0,4 Prozent bei einzelner Verwendung und 0,8 Prozent bei Verwendung mit anderen Parabenen wird jeweils auf 0,14 Prozent gesenkt.

Allergien besser vorbeugen

Daneben gibt es eine dritte Neuregelung. Sie betrifft die Konservierungs­stoffe Methyl­chloroisothiazolinon (MCI) und Methylisothiazolinon (MI). Ab April 2015 verbietet die EU-Kommis­sion völlig die Mischung beider Stoffe in Kosmetika, die auf der Haut verbleiben – wie Körper­cremes. So sollen Hautal­lergien reduziert werden. In abspül­baren Produkten wie Shampoos darf die Mischung nur noch in einer Höchst­konzentration von 0,0015 Prozent und im Verhältnis 3:1 (MCI:MI) enthalten sein. MI ist für sein erhöhtes Allergierisiko bekannt. Anfang 2014 hatte die EU-Kommis­sion bereits die Parabene Isopropylparaben, Isobutyl­paraben, Phenyl­paraben, Benzyl­paraben und Pentyl­paraben verboten – wegen fehlender Daten für eine Neube­wertung.

Konservierung muss sein

Grund­sätzlich sind Konservierungs­stoffe erlaubt und wichtig – auch in Kinder­kosmetika. Sie garan­tieren, dass täglich benutzte Cremes in Tiegeln und Tuben vor Keimen geschützt werden und über Monate halt­bar sind. Ohne Konservierungs­stoffe müssten viele Kosmetika im Kühl­schrank aufbewahrt werden. Der Wissenschaftliche Ausschuss für Verbrauchersicherheit (SCCS) der EU-Kommis­sion entscheidet dabei, welche Stoffe in welchen Mengen als sicher gelten. Parabene kommen bereits seit den 1930er Jahren zum Einsatz. Laut SCCS sind vor allem Methyl- und Ethyl­paraben sicher. Sie werden von der Kosmetik­industrie häufig angewandt. Daneben setzen Kosmetik­hersteller zunehmend auch alternative keimhemmende Substanzen wie etwa Alkohol, Glykole oder organische Säuren wie Anissäure ein Der große Keimtest.

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