Kosmetika Test

„Ohne Konservierungs­stoffe“,„ohne Parabene“ – damit werben viele Cremes. Vor Keimen müssen sie trotzdem schützen. Schaffen sie das?

Bis eine Creme sich dem Ende neigt, vergehen meist Monate. Unzäh­lige Male greifen Finger in den Tiegel, schrauben Dose oder Tube auf und zu, lassen sie im feucht­warmen Bad vor sich hinschlummern. Ob frisch geöffnet oder fast leer: Keime dürfen sich zu keiner Zeit in der Creme ansammeln. Größere Mengen könnten sie verderben oder zu Hautschäden führen.

Viele Hersteller loben „Ohne“ aus

Das Verkeimungs­risiko ist umso höher, je mehr Wasser ein Produkt enthält. Gerade bei Cremes steht Wasser in der Inhalts­stoff­liste oft an erster Stelle. Um eine Verkeimung zu verhindern, setzt die Kosmetikbranche Konservierungs­stoffe ein. Sie sollen das Produkt und den Verbraucher schützen. Einige Stoffe stehen jedoch in der Kritik: Sie sollen unter anderem Allergien auslösen. Nun mehren sich Tuben, Tiegel und Flaschen, die bewerben, „ohne Konservierungs­stoffe“ oder „ohne Parabene“ auszukommen. Parabene zählen auch zu den Konservierungsstoffen.

Können diese Kosmetika Bakterien, Hefen- und Schimmelpilzen standhalten? Wir haben 24 Gesichts- und Augen­cremes, Körperlotionen und Sonnen­schutz­mittel untersucht. 10 enthalten laut Angaben der Anbieter keine Konservierungs­stoffe, 14 keine Parabene – darunter klassische Produkte von Nivea und Florena, güns­tige der Drogerien dm und Ross­mann, teurere von La Roche-Posay und Vichy sowie Naturkosmetik von Dr. Hauschka und Weleda.

Zunächst prüften wir, ob alle Kosmetika nach dem ersten Öffnen mikrobiologisch in Ordnung waren. Verunreinigungen im frischen Produkt könnten ein Anzeichen dafür sein, dass bei der Herstellung nicht sauber gearbeitet wurde. Alle Cremes und Lotionen waren einwand­frei.

So funk­tioniert der Belastungs­test

Anschließend setzten wir jedem Produkt fünf Keim­stämme zu – alles potenzielle Krank­heits­erreger wie Escherichia coli oder Staphylococcus aureus. Sie können etwa Magen-Darm-Erkrankungen auslösen oder bei geschädigter Haut zu Wund­infektionen führen. In den folgenden 28 Tagen prüften wir in bestimmten Zeit­abständen, ob und wie stark die zugesetzten Mikroorga­nismen in den Cremes und Lotionen abge­tötet wurden – oder sich vermehrten.

Fast alle widerstehen den Keimen

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Ohne Parabene. Diese Creme von Nivea und diese Lotionen werben damit, frei von Parabenen zu sein. Außer Balea enthalten alle andere Konservierungs­stoffe.

Ohne Parabene. Diese Creme von Nivea und diese Lotionen werben damit, frei von Parabenen zu sein. Außer Balea enthalten alle andere Konservierungs­stoffe.

Das Ergebnis ist positiv: Bis auf ein Produkt hielten alle der Belastung mit den Keimen stand und konnten sie auf ein akzeptables Maß senken. Gleich 21 der 24 Produkte können wir in der mikrobiologischen Qualität die Note sehr gut geben, darunter allen mit der Auslobung „ohne Parabene“. Konkret heißt das: Sie sind alltags­tauglich. Nutzer können sich damit sicher fühlen. Das gilt auch für die zwei Produkte mit der Note gut: das Augengel von Dr. Hauschka und die Pflegelotion von Bübchen. Sie zeigten kleine Schwächen im Keimbelastungs­test. Sicher sind sie dennoch.

Hefepilz bei Annemarie Börlind

Die einzige, die deutlich schwächelte, ist die Gesichts­creme von Annemarie Börlind – ein Naturkosmetik­produkt. Der Grund: Sie schafft es nicht, den Hefepilz Candida albicans in genügendem Maß zu reduzieren. Die mikrobiologische Qualität der Creme ist daher nur ausreichend.

Viele Menschen leben mit Candida albicans. Der Pilz siedelt sich oft auf Schleimhäuten an. Bedenk­lich ist er bei gesunden Menschen nicht – es sei denn, er breitet sich über­mäßig stark aus. Dann kann er unangenehme Infektionen auslösen, die etwa als Scheiden- oder Darmpilz auftreten.

Auch alternative Hilfs­mittel wirken

Kosmetika Test

Naturkosmetika. Sind immer ohne klassische Konservierungs­stoffe. Vor Keimen schützt auch die Tubenform.

Naturkosmetika. Sind immer ohne klassische Konservierungs­stoffe. Vor Keimen schützt auch die Tubenform.

Auffällig: Die Annemarie-Börlind-Creme enthält keinen klassischen Konservierungsstoff. Acht andere Kosmetika zeigen aber, dass sie mikrobiologisch sehr gut sind – und das, obwohl sie eigenen Angaben zufolge auch ganz ohne solche Konservierungs­stoffe mit Keimen fertig werden: darunter die Gesichts­cremes von Kneipp, Logona und Weleda sowie die Augen­creme von Lavera.

Wie schaffen sie das? Grund ist wohl eine ausgetüftelte Rezeptur: Alle acht bedienen sich alternativer Hilfs­stoffe. Lavera listet zum Beispiel bei der Augen­creme Alkohol als zweiten Inhalts­stoff auf. Ab einer Konzentration von zirka 15 Prozent wirkt er konservierend. Bei der Kneipp-Gesichts­creme könnte ein Duft­stoff geholfen haben, die Anissäure. Unter­suchungs­ämtern zufolge nutzen Hersteller sie heute recht oft als verkappten Konservierungs­stoff.

„Ohne Parabene“ ist nicht unkritisch

„Ohne Parabene“ heißt nicht gleich ohne Konservierungs­stoffe, wie 13 der 24 Kosmetika zeigen. Anstelle von Parabenen enthalten sie sechs andere Konservierungs­stoffe. Die meisten gelten als unkritisch, darunter das oft verwendete Phenoxyethanol.

Doch auch problematische Stoffe kommen so öfter zum Einsatz als früher, zum Beispiel Methylisothiazolinon (MI), das in der Inhalts­stoff­liste der Nivea Pure & Natural-Gesichts­creme steht. Einer Studie zufolge ist das Allergie­potenzial von MI fünf­mal höher als das von Parabenen. Das Bundes­institut für Risiko­be­wertung hält einen generellen Ersatz von Parabenen daher nicht für sinn­voll. Experten befür­worten heute, Kosmetik­produkten Mischungen aus möglichst wirkungs­vollen und nied­rig dosierten Konservierungs­stoffen inklusive der Parabene zuzu­setzen.

Parabene lösen keinen Brust­krebs aus

Woher kommt dann die Ablehnung der Parabene? 2004 stellte eine britische Studie die These auf, sie könnten Brust­krebs auslösen. Als stichhaltig erwies sich das nicht. Andere Studien sagten ihnen eine leichte östrogene Wirkung nach, was bei Jungs im Erwachsenen­alter zu Unfrucht­barkeit führen könne. Das wird weiter über­prüft. Parabene werden seit 80 Jahren als Konservierungs­stoffe einge­setzt, auch in Arznei- und Lebens­mitteln. Angst muss daher niemand haben. Allerdings scheinen nicht alle zugelassenen Parabene gleich unbe­denk­lich zu sein. Als sicher gelten vor allem Methyl- und Ethyl­paraben (siehe Konservierungsstoffe im Überblick).

Worauf Anwender achten sollten

Jeder kann selbst etwas dafür tun, dass seine Kosmetika sauber bleiben.

Tipp: Achten Sie beim Einkauf darauf, dass neue Produkte gut verschlossen und versiegelt sind. Vor allem Cremes sollten eine Schutz­folie haben. Schrauben Sie Tuben und Tiegel zuhause immer gut zu, sodass kein Wasser eindringen kann. Waschen Sie vor der Benut­zung einer Creme Ihre Hände oder verwenden Sie einen Spatel. Nach dem Öffnen ist sie meist ein Jahr halt­bar.

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