Interview: Krank durch Schmerzmittel

Kopfschmerz und Migräne Test

Professor Hartmut Göbel, Leiter der Schmerzklinik Kiel, ist Mitglied der Expertenrunde „Arzneimittel­bewertungen“ der Stiftung Warentest

Wie häufig sehen Sie Patienten mit Schmerzmittelübergebrauch?

Betroffen sind etwa 50 Prozent der bei uns behandelten Patienten. Sie leiden an sehr häufigen Attacken. Diese Pa­tienten setzen häufig und in großen Mengen Kombinationspräparate ein – täglich 20 und mehr Tabletten.

Welche Kopfschmerzregeln gelten?

1. Die Ursachen sollten geklärt, 2. ein ärztliches Therapiekonzept vorhanden sein. 3. Nur Medikamente mit einem Wirkstoff verwenden. 4. Bei Migräne und Kopfschmerz (Spannungstyp) maximal an zehn Tagen im Monat Schmerzmittel einnehmen. 5. Lässt sich Leidensdruck nicht reduzieren: Schmerzmittel absetzen und den Arzt fragen.

Sofort Schmerzmittel einnehmen?

Bei leichtem, dumpf drückendem Kopfschmerz (Spannungstyp) zunächst Entspannung einleiten, Stress abbauen.

Das Migränemittel Naratriptan ist rezeptfrei. Was ist zu beachten?

Das Naratriptan, 2,5 mg als Tablette, ist ein sehr mildes Triptan. Viele Patienten werden hier keine ausreichende Wirkung verspüren. Dies könnte zur Enttäuschung führen, da rezeptpflichtige Triptane helfen können. Der Um­gang mit Migränemitteln erfordert Wissen über die Erkrankung und die Möglichkeiten der Vorsorge (siehe „Migräne vorbeugen“).

Schmerzmittel – auch für Kinder?

Gerade bei Kindern muss man in erster Linie auf Vorbeugen setzen, um Kopfschmerzen zu vermeiden. Muss man aber Arzneimittel einsetzen, ist Para­cetamol als Brauselösung oder Ibuprofen zu bevorzugen. Bei häufigen Kopf­schmerzen den Arzt befragen!

Dieser Artikel ist hilfreich. 2980 Nutzer finden das hilfreich.