Kopf­hörer Test

Auch unterwegs wollen Musikfans ihre Lieblings­lieder in guter Tonqualität genießen. Im Test zeigt sich, welche Modelle für den mobilen Einsatz taugen und welche zum Weghören sind.

Hakuna Matata! So schallt es morgens oft aus Tinas Kopf­hörern, wenn sie auf dem Weg zur Arbeit ist. Frei über­setzt heißt das etwa „Alles gut“ oder „Keine Probleme“. Seit dem Disney-Film „Der König der Löwen“ kennt so ziemlich jedes Kind dieses Lied. Tina hört es gern in der Frühe. So kommt sie gut gelaunt im Büro an.

Die Sänger, Timon das Erdmänn­chen und Pumbaa das Warzen­schwein, klingen am besten auf dem Modell Senn­heiser HD 229. Unter den 20 Kopf­hörern im Test über­zeugt der HD 229 am meisten in puncto Tonqualität. Nur drei Produkte bekommen die Gesamt­note gut. Viele Modelle im Test sind Mittel­maß, eines fällt komplett durch: Der Thomson HED 3103 klingt dumpf und er enthält große Mengen des fort­pflan­zungs­gefähr­denden Phthalat-Weichmachers DEHP. Den fanden die Prüfer auch beim Hama Joy Slim, aber nur in Spuren.

Das Thomson-Gerät versagte auch im Fall­test – genauso wie Beats by Dr. Dre Solo HD, Sonys MDR-XB910 und der Philips Fidelio M1BT. Erstaunlich: Der bauähnliche Philips Fidelio M1 war deutlich robuster als sein Bluetooth-Pendant.

Abschirmung: Genuss und Gefahr

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Tina reicht die Klangqualität der In-Ohr-Kopf­hörer nicht, die mit ihrem Smartphone mitgeliefert wurden. Sie hat sich daher – wie viele Musikfans – Ohr-aufliegende Kopf­hörer für unterwegs gekauft. Grund genug für die Prüfer, ihre Aufmerk­samkeit speziell auf den mobilen Einsatz zu richten.

Besonders entscheidend ist für Tina natürlich der Klang, aber auch andere Kriterien spielen eine Rolle: Morgens nimmt sie oft die Straßenbahn. Ihre Sitz­nach­barn möchte sie mit ihrer Musik nicht stören. Deshalb achtet sie darauf, dass ihre Kopf­hörer eine möglichst geringe Tonabstrahlung (Emission) haben.

Umge­kehrt will Tina auch, dass ihre Kopf­hörer sie vom Lärm in der Bahn abschirmen. Die Prüfer haben die Geräusch­reduktion ermittelt und in vier Kategorien einge­stuft: kaum, gering, deutlich und stark. Besonders effektiv ist die Abschirmung der Philips-Fidelio-Geräte. Von den Kopf­hörern mit dem Qualitäts­urteil gut isoliert der Testsieger, das Modell Senn­heiser HD 229, am besten.

Doch Vorsicht: Eine starke Abschirmung kann auch ein Nachteil sein. Von der Straßenbahnhalte­stelle aus muss Tina noch etwas laufen, ehe sie das Büro erreicht. Je besser ihr Kopf­hörer abschirmt, desto größer ist die Gefahr, dass sie eine Fahr­radklingel oder einen Auto­motor über­hört.

Tipp: Im Straßenverkehr ist es sinn­voll, die Musik leise zu stellen oder die Kopf­hörer ganz abzu­nehmen. Zwar gibt es weder für Fußgänger noch für Fahr­rad- oder Auto­fahrer ein generelles Kopf­hörer­verbot. Bußgelder wegen Ablenkung durch laute Musik sind aber möglich. Bei einem Unfall kann das Tragen der Kopf­hörer als fahr­lässig ausgelegt werden.

Kopf­hörer und Handy müssen passen

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Wie in einem Kokon. Laute Kollegen über­tönen klappt, wenn Handy und Kopf­hörer gut zueinander passen.

In Tinas Büro wird viel diskutiert. Das nervt manchmal ganz schön. Um die Kollegen zu über­tönen, hört Tina gern laute Rock­musik über ihr Smartphone – „Eye of the Tiger“ etwa von der Band Survi­vor. Damit sie richtig aufdrehen kann, darf der Widerstand (Fachjargon: Impedanz) der Kopf­hörer nicht so hoch sein wie bei Modellen für den Heim­gebrauch. Ideal sind 24 bis 36 Ohm. Denn Smartphones und MP3-Player erzeugen nicht so viel Spannung wie eine Anlage, daher erreichen sie mit HiFi-Kopf­hörern oft nur eine recht geringe Laut­stärke. Zu nied­rig darf der Widerstand aber auch nicht sein, sonst kann bei einzelnen Abspielgeräten ein Rauschen auftreten. Das Problem für Kunden: Kopf­höreranbieter geben die Impedanz nicht immer an. Zudem kommt es auch auf die Ausgangs­spannung des Abspielgeräts an, die oft ebenfalls nicht zu erfahren ist.

Tipp: Deshalb gibt es nur einen Weg, um sicher zu gehen, dass Kopf­hörer und Abspielgerät miteinander harmonieren. Schließen Sie im Laden Ihr Smartphone an das gewünschte Kopf­hörermodell an, um Klangqualität und Laut­stärke zu testen.

Musik bequem fern­steuern

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Augen zu. Lieder wechseln, ohne die Lider zu öffnen – per Fern­steuerung gehts.

Jetzt im Frühling verbringt Tina ihre Mittags­pause oft im Park. Bei gutem Wetter legt sie sich dort auf die Wiese, schaltet den Kopf ab und entspannende Musik ein. Praktisch, dass sie beim Dösen nicht mit ihrem Smartphone rumhantieren muss, um die Laut­stärke von Eric Claptons „Layla“ zu verändern. An ihrem Kopf­hörer­kabel befinden sich drei Knöpfe, damit kann sie die Musik lauter oder leiser stellen, in der Playlist springen und auch Anrufe entgegen­nehmen. Acht Geräte im Test haben jedoch keine Fernbedienung, sechs verfügen nur über einen einzigen Knopf – das macht das Fern­steuern umständlicher. Lauter und leiser stellen entfällt damit komplett. Der Senn­heiser PX 200-II ist mit einem Rädchen am Kabel ausgestattet. Damit kann der Nutzer die Laut­stärke anpassen, andere Funk­tionen lassen sich so aber nicht fern­steuern.

Bei den kabellos nutz­baren Bluetooth-Geräten Philips Fidelio M1BT und Sony MDR-10RBT ist das Fern­steuern zunächst gewöhnungs­bedürftig: Der Besitzer findet die Knöpfe am Kopf­hörer­gehäuse. Vorteil: Die Bluetooth-Fern­steuerung funk­tioniert unabhängig vom Smartphone-Betriebs­system. Kopf­hörer mit Kabel hingegen bieten auf Android-Handys mitunter weniger Fern­steuerungs­optionen als auf iPhones.

Der Ton macht die Musik

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Beine ausstre­cken, Ohren spitzen. Beim konzentrierten Musikgenuss beweisen die Kopf­hörer, wie gut ihr Klang ist.

Wenn Tina abends auf der Couch liegt und Ludwig van Beethoven zu einem Auftritt in ihr Wohn­zimmer einlädt, ist das die Feuer­probe für die Kopf­hörer. Zuhause lenkt sie kaum ein Geräusch ab, hier kann sie sich ganz auf die Nuancen des Klangs konzentrieren. Als Klassikkennerin weiß sie genau, wie Beethovens Neunte klingen sollte. Da sorgt es nicht gerade für „Freude, schöner Götter­funken“, wenn die Sony-Modelle im Test die Bässe überbetonen oder das Panasonic-Gerät alles dumpf klingen lässt und einige Instru­mente verfälscht wieder­gibt.

Die zwei Senn­heiser-Modelle HD 229 und Momentum On-Ear werden Tinas Ansprüchen am besten gerecht. Auch der Kopf­hörer von Monster ist eine gute Option. Etwas Vorsicht ist da aber geboten: Schon an einigen Smartphones klingt er mons­trös laut. Tinas Anlage zuhause hat aber noch viel mehr Wums. Um die Ohren nicht zu schädigen, ist es daher gerade bei kräftigen HiFi-Anlagen wichtig, vor dem Abspielen die Laut­stärke runter­zuregeln.

Kopf­hörer Test

Gut sitzen beim Schwitzen. Für Sportler ist die Anpassung der Kopf­hörer wichtig, damit sie nicht verrutschen.

Neben dem Klang ist gerade bei längerem Musikhören auch der Trage­komfort ein entscheidender Faktor für Tina. Einige Modelle drücken jedoch ziemlich, etwa die beiden schwersten Geräte im Test: Technics RP-DH1200 und Sony MDR-XB910. Wie gut ein Kopf­hörer sitzt, hängt stark von der individuellen Kopf- und Ohrform ab.

Tipp: Probieren Sie im Geschäft aus, wie ein Kopf­hörer Ihnen passt – am besten mehrere Minuten lang, damit Sie merken, ob er drückt oder die Ohren erhitzt. Entscheiden Sie sich erst zum Kauf, wenn Sie einen gefunden haben, bei dessen Sitz, Klang und Hand­habung Sie denken: „Alles gut, keine Probleme.“ Hakuna Matata.

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