Kopfhörer Test

Bewegungs­freiheit verschaffen Funkkopfhörer, sie nerven aber mit Störgeräuschen. Mit neuer Digitaltechnik geht es besser, doch Spitzenklang gibt es nur mit Kabel.

Die Operndiva singt furios. Die Bretter, die die Welt bedeuten, knarren unter ihren Füßen: Was bei Lautsprechern oft ungehört bleibt, zeichnet ein guter Kopfhörer sauber nach. Wer solche Details auch mit Lautsprechern hören will, muss tief in die Tasche greifen und ein Musikzimmer einrichten – mit Dämmstoffen und fast mitten im Raum platzierten Lautsprechern. Selbst mit einem teuren Kopfhörer ist man da finanziell klar im Vorteil. Auch die Nachbarn atmen auf. Sie hören nun nicht mehr zwangsweise mit. Das ist nicht neu, wohl aber das gute Abschneiden einiger Funkkopfhörer. Dank digitaler Übertragung klingen zwei Modelle wirklich „gut“: beyerdynamic RSX 700 und Vivanco CHH 8000.

Digitale Kopfhörer mausern sich

Kopfhörer: Besser mit Kabel

Mit Funkkopfhörern war bisher kein Staat zu machen. Doch nun haben Kopfhörer mit digitaler Übertragung ihren Auftritt. Sie klingen wirklich HiFi (High Fidelity, hohe Klangtreue). Die beiden geprüften Modelle sprengen nicht den Preisrahmen und absolvieren den Hörtest „gut“ – fast ohne Störgeräusche. Speziell der beyerdynamic RSX 700 punktet beim „Ton“ mit der Note 2,0 und hängt auch viele Kabelmodelle ab.

Funkkopfhörer sind gierig nach Strom

Kopfhörer Test

Adapter für 3,5- und 6,3-Millimeter-Klinken sorgen für den Anschluss an alle gängigen Geräte.

Ganz stimmig ist die Leistung der digitalen Funkkopfhörer jedoch nicht. Ihre Reichweite ist geringer als bei Analogen. Und der Vivanco ist schlecht verarbeitet. Er nervt beispielsweise mit Kontaktproblemen der Akkus. Beim beyerdynamik ist der Akku früher leer als üblich und der Sender gierig: Er zieht rund 3,8 Watt – mehr als jeder andere im Test. Allerdings entspricht ohnehin kein geprüftes Funkmodell dem Stand der Technik: Ob sie gerade senden, den Akku des Kopfhörers laden oder im Standby schlummern – der Verbrauch ändert sich kaum. So erklärt sich der hohe Jahresstromverbrauch. Die schlechteren Modelle ziehen sogar Strom wie manche Mini-HiFi-Anlage – rund 30 Kilowattstunden im Jahr.

Störgeräusche bei analogem Funk

Kopfhörer Test

Das Labor wird mit Diffusoren abgehängt, die eine definierte Raumakustik erzeugen.

Bei den neun geprüften Funkkopfhörern mit klassischer analoger Übertragung und den beiden Modellen mit Infrarotübertragung bilden Störungen einen unwillkommenen Geräuschteppich – selbst beim Fernsehton. Erst recht ist der Genuss hochwertiger Musik-CDs gestört. Besonders deutlich war das beim Philips SHC8565 zu hören. Das Grundrauschen wird elektronisch eliminiert. Die Schaltung verringert die Lautstärke in Musik- und Sprechpausen, regelt dann aber zu langsam auf. Das entstellt vor allem klassische Musik und Sprache – Hörspiele etwa. Selbst eine perfekte Automatik sollte abschaltbar sein – doch Fehlanzeige beim Philips. Die hier tätige Anti-Rausch-Automatik wirkt immer.

HiFi-Kopfhörer zum Musikgenießen

Kopfhörer Test

Geschlossene Kopfhörer bieten eine gute Schallisolation, offene „atmen“ besser.

Ohne solche Störgeräusche und auch ohne Probleme beim Stromverbrauch empfehlen sich die kabelgebundenen HiFi-Kopfhörer für einen vollen Musikgenuss. Und das kostet nicht einmal viel Geld, wie der HiFi-Kopfhörer beyerdynamik DTX 800 zeigt: Bei einem Preis von 71 Euro klingt er wie die beiden deutlich teureren Modelle von Philips und Sennheiser „sehr gut“. Allerdings trägt er sich nur bei kleinen Ohren druckfrei. Eine „Anprobe“ ist daher wichtig. Unsere Probanden urteilten erst nach einer 20-minütigen Hörsession.

Allen Kopfhörern fehlte übrigens das nur bei Lautsprechern mögliche „Mithören“ über die Bauchdecke. Aber vielleicht gibt es als Pendant zur Bassbox, dem Subwoofer, eines Tages auch eine Bassscheibe zum Auflegen auf den Bauch. So wäre der Musikgenuss fast vollkommen.

Dieser Artikel ist hilfreich. 2734 Nutzer finden das hilfreich.