Konzept-Supermarkt Meldung

Der neue Trend: Ein Supermarkt, nach Rezepten sortiert. test-Mitarbeiterin Sara Uhlemann hat sich in einer der ersten Filialen in Berlin inspirieren lassen.

„Es zählt ein guter Braten zu den guten Taten“ steht auf dem Aufkleber meiner braunen Papiertüte. Alle Tütenaufkleber sind hier mit Sprüchen rund ums Essen versehen. Meiner passt zwar nicht zu dem vegetarischen Inhalt meiner Tüte, Appetit macht er trotzdem.

Hühnersuppe mit Pak Choi, Rinderfilet mit Ratatouille oder süßes Birnenrisotto: Etwa 20 Gerichte von Vorspeisen über Hauptspeisen bis Desserts stehen im Kochhaus in Berlin-Schöneberg zur Auswahl. Dennoch ist es kein Restaurant, sondern ein „Konzept-Supermarkt“ – weltweit in dieser Form einzigartig. Anders als gewohnt sind die Waren nicht nach Gruppen, sondern nach Kochrezept sortiert: ein Rezept, ein Tisch. Alles, was man für das Essen braucht, liegt in kleinen Körben auf dem Tisch und in Kühltruhen daneben. Schautafeln zeigen die Zutaten, geben den Schwierigkeitsgrad und den Preis pro Person an.

Die Rezepttische wecken die Lust am Kochen. Ich finde: ein Ansporn vor allem für Kochmuffel oder Anfänger wie mich.

Von Baumfrucht bis süße Mousse

Konzept-Supermarkt Meldung

Bequem: Alles, was für das Gericht gebraucht wird, steht auf dem Tisch, direkt zum Mitnehmen. Die Tafel zeigt Zutaten und Preis

Bequem: Alles, was für das Gericht gebraucht wird, steht auf dem Tisch, direkt zum Mitnehmen. Die Tafel zeigt Zutaten und Preis.

Die Zutaten gibt es genau portioniert zum Stückpreis. Eine Biomöhre kostet 15 Cent. Ich suche eine große Möhre aus dem Bastkorb aus. Bei der Zucchini habe ich keine Wahl: Nur eine liegt noch im Korb. Möhre, Zucchini und noch einiges mehr brauche ich für das indische Kichererbsencurry mit Rambutan und Basmatireis, das ich später kochen will. Rambutan ist eine tropische Baumfrucht aus der Familie der Seifenbaumgewächse. Das lerne ich mit Blick ins Rezept. Solch bebilderte Kochanleitungen liegen auf jedem Tisch zum Mitnehmen bereit. Die Rezepte dafür werden vom Kochhaus-Team entwickelt und mindestens dreimal probegekocht, von Profis und Laien. Das beruhigt – und so entscheide ich mich zum Dessert für eine dunkle Mousse aus Zartbitterschokolade.

Für jedes Gewürz ein Tütchen

Konzept-Supermarkt Meldung

Portioniert: Selbst Gewürze gibts passend abgepackt. Die Folge ist eine Menge Müll.

Eine einzelne Knoblauchzehe oder ein Ei – ideal sind die portionierten Zutaten vor allem für Singlehaushalte. So bleibt nach dem Kochen nichts übrig, wird schlecht oder verfällt. Doch die Miniportionen haben auch Nachteile: Das Päckchen Gewürzmischung enthält einen Bio-Brühwürfel, 1  Gramm Zimt, 12 Gramm Madras-Curry und 1 Gramm Koriandersaat. Alle Gewürze sind in kleine Tüten verpackt, selbst der bereits umhüllte Brühwürfel. Das ist praktisch, macht aber jede Menge Müll. Auch Honig und Butter für die Mousse gibt es einzeln als kleine 20-Gramm-Packungen.

Schoko cremig, Sahne steif

Konzept-Supermarkt Meldung

Nützlich: Der Rezeptflyer zeigt, wie es geht.

Nützlich: Der Rezeptflyer zeigt, wie es geht.

Zuhause wartet sie dann auf mich: die „kleine Herausforderung“, wie der Rezeptflyer die Schokomousse betitelt. Spätestens bei Schritt drei der Anleitung wird mir klar, was gemeint war. Denn der beginnt mit dem Wörtchen „während“: Während die Schokolade mit der im Wasserbad geschmolzenen Butter in einer hitzebeständigen Schüssel unter Umrühren eine Einheit bildet, so die Hoffnung, soll ich Sahne steifschlagen – parallel. Das ist ein wenig viel Multitasking für mich. So mache ich alle Schritte hintereinander, mit Erfolg.

Wie es das Rezept verspricht, ist das Kichererbsencurry dagegen einfach zuzubereiten. Ich halte mich exakt an die Anleitung und werde belohnt: Die Zucchini und die Möhre sind bissfest. Auch der Reis ist auf den Punkt gegart. Die exotischen Rambutan geben dem Gericht eine leicht süße Note. Das Curry ist trotz Chili nicht zu scharf, kurz: Es schmeckt. Die Portionen sind üppig. Und Einkauf und Kochen haben viel mehr Spaß gemacht als sonst.

Praktisch und teuer

Aber wie sieht es in meiner Geldbörse aus? Zum Vergleich kaufe ich alle Zutaten noch einmal im normalen Handel. Die Zutaten für das Hauptgericht kosten für zwei Personen dort nur rund 6,70 Euro – umgerechnet auf die benötigte Menge (siehe Tabelle) . Im Kochhaus habe ich schon 5,70 Euro für eine Portion bezahlt, macht 11,40 Euro für zwei. Dafür spare ich im Kochhaus Zeit und Nerven: Die Rambutan etwa finde ich weder im Supermarkt noch in einem Asia-Laden, sondern erst im Feinkosthandel. Außerdem muss ich im Supermarkt oft größere Mengen kaufen, als ich brauche. Nur wer die überzähligen Lebensmittel für andere Gerichte verwertet, hat einen Preisvorteil.

Nichts für kreative Köche

Konzept-Supermarkt Meldung

Geschafft: Das Kichererbsencurry ist fertig.

Im Konzept-Supermarkt einzukaufen, so mein Fazit, ist bequem, spart Zeit und motiviert zum Kochen. Dafür fällt mehr Müll an und die Preise sind höher.

Nicht geeignet: Für Individualisten, die kreativ Zutaten kombinieren und selbst Gerichte zusammenstellen möchten. Das Konzept ist für sie zu durchgeplant. Ein Besuch ersetzt auch nicht den Großeinkauf , da das Angebot doch begrenzter ist.

Geeignet: Für Neugierige und alle Kochanfänger mit Freude an gutem Essen.

Die Kochhäuser befinden sich in Berlin in der Akazienstraße 1 und der Schönhauser Allee 46. Weitere Filialen in anderen Städten sind geplant. www.kochhaus.de.

Dieser Artikel ist hilfreich. 357 Nutzer finden das hilfreich.