Konto eröffnen per Video­chat Special

Warum für ein neues Konto bei einer Bank in der Ferne noch zur Identifizierung in der Post anstehen und anschließend Briefe austauschen? Schließ­lich gibt es die Konto­eröff­nung per Video­chat, auch Video-Ident­verfahren genannt – bequem von zuhause. Das soll binnen wenigen Minuten erledigt sein. Unser Test zeigt: Es funk­tioniert, aber nicht ganz reibungs­los. [Im Juni 2016 haben wir einige Informationen über geplante neue Regeln für das Video-Ident-Verfahren ergänzt.]

Ein Tages­geld­konto für die Kaffee­kasse

Unsere Idee: Das Geld aus der Kaffee­kasse im Büro soll nicht unnütz herum­liegen, sondern wenigs­tens Minizinsen abwerfen. Wir wollen ein Tages­geld­konto eröffnen – am liebsten schnell im Büro mit dem Computer. Schließ­lich gibt es ja das neue Nach­weis­verfahren per Video. Die Bundes­anstalt für Finanz­dienst­leistung (Bafin) ist derzeit dabei, die Anforderungen an das Video-Ident-Verfahren präziser zu beschreiben. Im Sommer 2016 veröffent­liche sie neue Regeln, darunter etwa die Pflicht einer sogenannte Referenz­über­weisung sowie die Pflicht zur zusätzlichen Informations­beschaffung über den die Kunden – aus dem Internet und sozialen Netz­werken. Diese Regeln hat sie inzwischen bis zum 31. Dezember 2016 wieder ausgesetzt. test.de wird berichten, wenn die schärferen Regeln greifen.

Die Wahl fällt auf die ING-Diba

Immer mehr Banken bieten es an, darunter ING-Diba, DKB, Comdirect Bank, Targo­bank und außerdem einige Sparkassen. Unsere Wahl fällt auf die größte Direkt­bank: ING-Diba. Sie setzt für die Online­prüfung auf die Technik des Berliner Unter­nehmens WebID Solutions. Für den Test benutzen wir ein aktuelles Notebook von Apple mit einge­bauter Webcam. Unser Tester öffnet die Internetseite der ING-Diba mit Apples Stan­dard­browser zum Internetsurfen, Safari. Er klickt auf „Sparen“ und dann auf „Extra-Konto“ und schon geht es los.

Tipp: Die besten Angebote für Tages- und Fest­geld finden Sie in den Produktfindern auf test.de.

Die Konto-Eröff­nung im Video

Als erstes ein Referenz­konto für Über­weisungen

Im ersten Schritt muss der Tester Adress- und Geburts­daten eingeben, im zweiten ein Referenz­konto, von dem das Geld für das Tages­geld­konto abge­bucht werden soll. Er wählt sein eigenes Giro­konto. Dann darf er einen Abbuchungs­termin vorgeben. Den legt er ein paar Tage in die Zukunft. Sonst wird das Geld abge­bucht, bevor die Zugangs­daten für das neue Tages­geld­konto da sind. Das wäre ärgerlich für den Tester, weil er so lange auf das Geld nicht zugreifen könnte.

Dann den Personal­ausweis bereithalten

Es ist so weit: Unser Tester soll sich identifizieren und wählt dafür den Video­chat. Er soll seinen Personal­ausweis oder Reisepass bereithalten. Für den Video­chat muss er das Portal der Bank allerdings verlassen und wird auf die Internetseite von WebID umge­leitet. Dort muss er erneut seine Daten eingeben.

Übrigens: Für Video­chats benötigen Sie eine stabile Internet­verbindung. Einen Test von Internetzugängen finden Sie auf test.de.

Vorsicht bei Skype

Nun wird unser Tester vor die Wahl gestellt: Er könnte das Gespräch über Skype – das Video­programm von Microsoft – führen. Dafür muss er nur auf ein großes blaues Feld klicken. Falls Skype nicht installiert sein sollte, könnte er es direkt herunter­laden. Die zweite Möglich­keit ist nicht auf den ersten Blick erkenn­bar: Erst als der Tester mit der Maus etwas herunter­scrollt, kann er direkt im Browser ein Video öffnen und dafür den eigenen Dienst von WebID Solutions nutzen. Das Unternehmen betont, dass die Gespräche damit „Ende-zu-Ende“ verschlüsselt werden. Das bedeutet, dass niemand sich dazwischen­schalten und die Daten abgreifen kann. Unser vorsichtiger Tester entscheidet sich für die zweite Variante. Denn es ist unklar, was mit seinen Daten passiert, wenn sie via Skype über den amerikanischen Server von Microsoft laufen. WebID-Chef Frank Jorga sagt über Skype: „Die gleiche Sicherheit wie bei unserem haus­eigenen Produkt können wir nicht garan­tieren.“

Video klappt nicht mit jedem Browser

Obwohl unser Tester Apples Stan­dard­browser Safari benutzt, erlebt er eine böse Über­raschung: Der Bild­schirm bleibt einfach schwarz. Wir erfahren später von WebID-Chef Jorga, warum: Bisher unterstützt die Technik weder Safari von Apple noch den Internet Explorer von Microsoft. Der Tester versucht es noch einmal, diesmal mit dem verbreiteten Browser Firefox. Etwas genervt gibt er alle Daten ein drittes Mal ein – es klappt. In einem Fenster auf dem Bild­schirm erscheint ein junger Mann in weißem Hemd und Krawatte, grüßt höflich und verspricht: Das ganze Verfahren werde nicht länger als fünf Minuten dauern.

Tipp: Sie finden auf test.de auch einen Test von Internet-Browsern.

„Den Ausweis, bitte!“

Der Mitarbeiter des Video­dienstes erfragt Namen und Geburts­datum und bittet den Tester, seinen Personal­ausweis in die Kamera des Computers zu halten. Doch leider kann der Mann nichts erkennen. „Näher an die Kamera, bitte!“ Der Tester zeigt Vorder- und Rück­seite. Beides wird auto­matisch fotografiert und gescannt. Der Mitarbeiter will das Bild auf dem Ausweis mit dem Gesicht seines Gegen­übers vergleichen. Unser Tester trägt heute ausnahms­weise Brille. Aber auf seinem Personal­ausweisfoto fehlt das Gestell. „Bitte nicht lächeln und die Brille abnehmen“, fordert der junge Mann deshalb freundlich, aber bestimmt und nickt anschließend: „Alles in Ordnung.“

Vertipper sind inklusive

Zur Sicherheit muss der Tester die Personal­ausweis­nummer vorlesen, damit der Mitarbeiter sie eingeben und mit dem Scan abgleichen kann. Er vertippt sich, also noch einmal. Zum Schluss will er noch eine Sicher­heits­nummer (Tan) verschi­cken, die der Tester bestätigen muss. Sie kommt per SMS oder als E-Mail – bitte per SMS. Doch nichts passiert. Der Mann hat sich erneut vertippt. Die Tan ging an einen Unbe­kannten. Im zweiten Versuch klappt es. Am Ende dauert das Verfahren zehn statt fünf Minuten. Insgesamt war es eine gute halbe Stunde, um ein Tages­geld­konto zu eröffnen. Einen Tag später kommt die Bestätigung der Bank per E-Mail, drei Tage später der Brief mit den Zugangs­daten zum Konto. Nach vier Tagen ist die Tan-Liste für Über­weisungen da. Jetzt ist das Konto nutz­bar.

Dieser Artikel ist hilfreich. 45 Nutzer finden das hilfreich.