Kontaktlos bezahlen Special

In naher Zukunft können Käufer über­all im Handel mit der Funk­technik NFC bezahlen. NFC steht für Near Field Communication, also „Nahfeld­kommunikation“. Die Giro- und Kreditkarten dafür haben viele schon im Portemonnaie. Finanztest beant­wortet die wichtigsten Fragen zum kontaktlosen Bezahlen mittels NFC und sagt, mit welchen Karten die neue Technik funk­tioniert.

Genossen­schafts­banken und Sparkassen stellen auf NFC um

Bis Ende 2016 wollen die Volks- und Raiff­eisen­banken mehr als 4 Millionen Girocards (ehemalige ec-Karten) ausgeben, mit denen Bank­kunden kontaktlos bezahlen können. Ab 2017 werden dann nach und nach alle gut 26 Millionen Girocards der genossenschaftlichen Bankengruppe auf den Funk­stan­dard NFC umge­stellt. Die Sparkassen ziehen mit. „Ende dieses Jahres könnten in Deutsch­land bis zu 16 Millionen Girocards für kontaktloses Bezahlen ausgestattet sein“, schätzt Matthias Hönisch vom Bundes­verband der Volks- und Raiff­eisen­banken (BVR). Kreditkarten von Visa, Mastercard und Amex sind schon länger für die Funk­technik NFC gerüstet.

Ist kontaktloses Bezahlen dasselbe wie mobiles Bezahlen?

Nein. Kontaktloses Bezahlen meint in erster Linie das Bezahl­verfahren mit der Girocard oder Kreditkarte ohne Einstecken in ein Gerät. Sie halten Ihre Plastikkarte nur vor das Lesegerät an der Laden­kasse und in Sekunden­schnelle ist die Rechnung beglichen. Der Begriff „mobiles Bezahlen“ verweist dagegen auf das Smartphone oder Tablet, mit dem Sie bezahlen. Damit können Sie auch das kontaktlose Bezahl­verfahren nutzen (siehe letzte Frage).

Wie funk­tioniert kontaktloses Bezahlen mit Karte?

Kontaktloses Bezahlen funk­tioniert mit Girocards und Kreditkarten, die mit einem sicht­baren Mikrochip und einer unsicht­baren Funk­antenne ausgestattet sind. Die Karte und das Lesegerät kommunizieren mittels NFC-Technik miteinander. Die Abkür­zung steht für die eng­lische Bezeichnung Near Field Communication, zu Deutsch Nahfeld­kommunikation. Es ist ein interna­tionaler Über­tragungs­stan­dard zum kontaktlosen Austausch von Daten über kurze Stre­cken per Funk. Wenn das Kassen­terminal den fälligen Betrag anzeigt, halten Sie Ihre Karte in einer Entfernung von höchs­tens vier Zenti­metern an das Lesegerät. Chip und Lesegerät tauschen die zum Bezahlen nötigen Daten aus: Karten­nummer, Gültig­keits­datum und Betrag. Ein kurzes Piepen oder ein optisches Signal bestätigt die Zahlung. Die wird – wie sonst auch – der Bank des Kunden gemeldet, das Geld wird seinem Konto belastet und dem Händler gutgeschrieben. Bei Beträgen bis 25 Euro geht das ohne Geheimzahl und Unter­schrift.

Woran erkenne ich, ob ich mit der Karte kontaktlos bezahlen kann?

Kontaktlos bezahlen Special

An Kassen mit diesem Zeichen können Kunden kontaktlos bezahlen – mit Karte oder Smartphone.

Meist trägt die Karte auf der Vorderseite das Symbol für kontaktlose Anwendungen – in der Regel vier aneinander­liegende Bögen, die Funk­wellen darstellen. Diese Funk­tion wird in der Regel akti­viert, wenn Sie Ihre Karte erst­mals in Kontakt mit einem Gerät einsetzen, entweder zum Bezahlen mit Unter­schrift oder Pin oder zum Geld­abheben am Auto­maten.

Für welche Beträge ist kontaktloses Bezahlen geeignet?

Sie können jede beliebige Summe bis zu Ihrem Karten­limit kontaktlos bezahlen. Beträge über 25 Euro müssen Sie mit der Karten-Pin bestätigen oder mit Ihrer Unter­schrift. Einige Kreditkarten­anbieter bauen zur Sicherheit eine Zufalls­abfrage ein: Spora­disch oder nach einem bestimmten Schema wird auch bei Summen unter 25 Euro eine Pin oder Unter­schrift gefordert.

Welche Vorteile soll kontaktloses Bezahlen bringen?

Kontaktlos zahlen soll deutlich schneller gehen als Barzahlung oder Kartenzahlung mit Einstecken. Das nutzt Händ­lern und Kunden. Der Handel muss zwar zunächst in neue Technik investieren, kann dann aber in derselben Zeit mehr Kunden bedienen. Viele Händler hoffen zudem, dass sie künftig weniger Kosten haben, als bisher für die Bargeld­bearbeitung anfallen. Für den Kunden soll Bezahlen bequemer werden – zumindest, wenn er sich an die neue Bezahlart gewöhnt hat. „Optimierungs­bedarf gibt es zum Beispiel noch bei der ergono­mischen Gestaltung der Terminals“, sagt Jan-Paul Leuteritz, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fraunhofer-Institut für Arbeits­wirt­schaft und Organisation in Stutt­gart. „Solange der Kunde suchen muss, an welche Stelle des Lesegerätes er die Karte halten muss, hat er keinen Vorteil zur herkömm­lichen Kartenzahlung.“

Ist kontaktloses Bezahlen so sicher wie Barzahlen?

„Kontaktloses Bezahlen ist nicht risikoreicher als herkömm­liche Zahlungen mit Karte“, sagt Marc Fliehe, Bereichs­leiter Information und Sicherheit beim IT-Verband Bitkom. Der Chip funkt über höchs­tens vier Zenti­meter und zwar keine persönlichen Daten wie Adresse oder Name des Karten­inhabers. Nur spezielle Lesegeräte können die Signale empfangen und entschlüsseln. Aus Versehen kann jemand also nicht bezahlen. Marc Fliehe sagt: „Die Gefahr, dass Ihnen Bargeld gestohlen wird oder Sie es verlieren, ist weit­aus größer.“

Selbst wenn Betrüger die Kreditkarten­daten unbe­merkt auslesen – wie es das Fernsehmagazin Stern-TV kürzlich vorführte – können sie damit nur bei Händ­lern im Internet einkaufen, die die vorgeschriebenen Sicher­heits­abfragen, etwa die Prüfziffer oder die zusätzliche Kenn­wort­abfrage (3-D-Secure-Verfahren) nicht einsetzen. Wer dennoch unsicher ist, kann seine Karte mit einer speziell beschichteten Hülle schützen. Sie verhindert, dass der Chip unbe­merkt ausgelesen werden kann. Die kirchliche Pax Bank zum Beispiel bietet ihren Kunden so eine Hülle für etwa 6 Euro an. Man kann sie auch bei Onlinehänd­lern für unter 10 Euro bekommen.

Bei welchen Händ­lern kann ich jetzt schon kontaktlos bezahlen?

„Der Handel stellt massiv seine Zahlungs­terminals auf kontaktlose Technologie um“, sagt Ulrich Binnebößel vom Handels­verband Deutsch­land (HDE). „60 Prozent der großen und 20 Prozent der kleinen Unternehmen werden bis Jahres­ende kontaktloses Bezahlen akzeptieren.“ Nach Bitkom-Schät­zungen waren in Deutsch­land Ende 2015 rund 80 000 Kassen­terminals NFC-fähig. Das sind gut 10 Prozent aller deutschen Kassen­terminals. Die meisten stehen bei Tank­stellen, Lebens­mittel­discountern wie Lidl und Aldi, großen Supermärkten wie Rewe und Drogerien wie Ross­mann oder den Händ­lern der Douglas-Gruppe (Thalia, Christ).

Stimmt es, dass kontaktloses Bezahlen auch mit dem Handy geht?

Immer mehr Banken bieten diesen Service an, meist in Verbindung mit einer Kreditkarte. Aber auch mit der Girocard soll es ab dem Jahr 2017 möglich sein. Dabei hinterlegen Sie Ihre Karten­daten auf Ihrem Smartphone und können dann per Handy bezahlen wie mit einer kontaktlosen Karte. Bis vor Kurzem gab es die Möglich­keit, einen NFC-Sticker zu nutzen, den Sie auf das Gerät kleben. Das Verfahren hieß mpass, wurde aber Ende September einge­stellt.

Wenn Ihr Smartphone eine NFC-fähige Sim-Karte hat, können Sie auch eine sogenannte Wallet-App nutzen, eine digitale Geldbörse. Das bieten die großen Mobil­funkanbieter Telekom, Telefónica und Vodafone an. Ob sich Ihr Smartphone dafür eignet, sagt Ihnen Ihr Anbieter. Nutzer eines iPhones sind vom kontaktlosen Bezahlen per Smartphone noch ausgeschlossen. Das iPhone 6 und die Apple Watch haben zwar eine NFC-Antenne, doch den Apple-eigenen Bezahl­dienst ApplePay gibt es noch nicht in Deutsch­land.

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