Ob beim Optiker oder im Internet: Das Geschäft mit Tageslinsen boomt. Doch ihr Komfort hat Grenzen. Manchmal wird auch nicht exakt genug produziert.

Einmallinsen, Wegwerflinsen, Tageslinsen – alles bedeutet das Gleiche: weiche Kontaktlinsen, die nur für einen Tag getragen und anschließend weggeworfen werden. Die Werbung verspricht viel Komfort: ein angenehmes Tragegefühl, da die weichen, dünnen Linsen auf dem Auge vermeintlich kaum als Fremdkörper wahrnehmbar sind. Außerdem entfällt die ansonsten bei Kontaktlinsen notwendige tägliche Reinigung und Desinfektion. Damit empfehlen sie sich sowohl für Pflegemuffel als auch für diejenigen, die auf die Pflegemittel allergisch reagieren. Sie werden sowohl für den täglichen Gebrauch angepriesen als auch als Alternative zur Brille bei besonderen Anlässen: fürs abendliche Ausgehen, für den Urlaub oder für den Sport.

Doch so unkompliziert, wie die Werbung verspricht, sind die Tageslinsen nicht. Es gibt diese Hydrogellinsen meist nur in einer Standardgröße, die einfach nicht optimal zu jedem Auge passt. Auch wenn die Linsen passen, nicht jeder verträgt sie. Das zeigte sich in unserer Untersuchung an zehn marktgängigen Tageslinsen. Dicke und Randgestaltung mancher Produkte machten empfindlichen Trägern Probleme. Einige Linsen eignen sich höchstens kurzfristig als Ersatzlinsen, stellte der den Test durchführende Augenarzt fest.

Für den Freizeitsport sind alle gut nutzbar. Für Leistungssportler reicht die Sauerstoffdurchlässigkeit der Linsen hingegen oft nicht aus. Gerade bei sportlichen Höchstleistungen leidet das Auge unter der Linse nämlich schnell an Sauerstoffmangel, was Reizungen oder gar Entzündungen zur Folge haben kann.

Auch diese Einmallinsen sind keine unkomplizierten Lifestyle-Artikel, sondern medizinische Produkte, die direkt mit dem Auge, unserem wichtigsten Sinnesorgan, in Kontakt kommen. So sollte es eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein, dass sie penibel entsprechend der für Kontaktlinsen geltenden Normen gefertigt werden und eine Linse genau der anderen entspricht. Wie unser Test zeigt, kann man sich darauf aber keineswegs hundertprozentig verlassen: So entsprachen nach unseren Messungen Durchmesser und Wassergehalt der Linsen zum Teil nicht genau der Deklaration. Das kann Verträglichkeit und Sitz der Linse beeinträchtigen. Auch der ausgelobte, sehr sinnvolle UV-Schutz war nicht immer ausreichend, sodass sich der Träger in falscher Sicherheit wiegt. Offensichtlich wird also manchmal nicht mit der notwendigen Sorgfalt produziert.

Darüber hinaus waren auch die in der Norm vorgeschriebenen Kennzeichnungselemente in einigen Fällen sehr dürftig oder fehlten sogar völlig. Ebenso vermissten wir beim Kauf häufig die Gebrauchsanweisungen, die den Linsenträger mit den notwendigen Informationen versorgen sollten.

Kritik gab es auch für die Handhabung der Blisterpackungen, in denen die Linsen einzeln verpackt, schwimmend in steriler Kochsalzlösung, geliefert werden. Sie ließen sich zum Teil sehr umständlich öffnen, zum Teil lagen die Linsen auch auf dem Trockenen und waren damit unbrauchbar. Ungeübte werden es zudem anfangs nicht ganz leicht haben, die weichen, wabbeligen Linsen korrekt ins Auge zu bekommen.

Eignungscheck

Jedes Auge ist so individuell wie ein Fingerabdruck. Das sollte jeder vor dem Kauf von Kontaktlinsen bedenken und sich beim Fachmann, dem Augenarzt oder dem Kontaktlinsenspezialisten, beraten und untersuchen lassen. Für einen Gesundheitscheck der Augen ist natürlich der Arzt die erste Anlaufstelle.

Der Fachmann wird zuerst feststellen, ob die Augen sich überhaupt für Linsen eignen, zum Beispiel auch, ob genügend Tränenflüssigkeit vorhanden ist, auf der die Linse den ganzen Tag schwimmen kann. Erst dann wird nach der passenden Linse geschaut.

Es wäre fahrlässig, sich Einmallinsen ohne vorherige Beratung, Untersuchung und Anpassung zu kaufen. Schlecht sitzende Linsen können – besonders wenn sie zu eng sitzen – zu Bindehautreizungen, Hornhautverletzungen, -entzündungen oder -infektionen führen, schlimmstenfalls sogar zu Hornhautgeschwüren. Zu große Linsen verursachen ein störendes Fremdkörpergefühl.

Linsen aus dem Supermarkt

Tageslinsen bekommt man aber nicht nur beim Fachmann, sondern problemlos, ohne die notwendige persönliche Untersuchung und Beratung auch über den Versandhandel, im Internet oder sogar im Drogerie- oder Supermarkt. Eine gesetzliche Regelung für den Vertrieb von Kontaktlinsen gibt es bislang nicht. Anders in den USA. Dort ist in einigen Bundesländern seit Anfang dieses Jahres ein Gesetz in Kraft, mit dem der Verkauf von Kontaktlinsen über Internet und Versand durch Vorschriften zum Schutz der Verbraucher eingeschränkt wird. Danach ist jeder Kontaktlinsenträger verpflichtet, seine Linsen einmal im Jahr von einem Kontaktlinsenspezialisten kontrollieren zu lassen. Er erhält ein Rezept, das ein Jahr lang gilt. Die Linsen werden erst ausgeliefert, wenn der Fachmann gegenüber dem Lieferanten die Untersuchung und Unbedenklichkeit bestätigt hat. Zur Sicherheit des Verbrauchers wäre eine solche Regelung auch hierzulande äußerst sinnvoll.

Doch beraten Fachleute wirklich immer ausführlich genug, erwähnen sie auch die Risiken bei falschem Gebrauch und passen sie die Linsen sorgfältig an? In einer Stichprobe in Berlin suchten zwei Testerinnen – natürlich anonym – 35 Kontaktlinsenverkäufer auf, bei Optikerketten und im Einzelhandel, um sich informieren zu lassen. Das Ergebnis stimmt nachdenklich: Zum Teil wurden auch hier die Tageslinsen ohne jede Anpassung verkauft. Die Beratung erwies sich in einigen Bereichen als lückenhaft und oberflächlich. Der Fachhandel muss also noch einiges tun, damit man durchweg vertrauensvoll von Spezialisten reden kann.

Oft vermissten wir den Hinweis, dass auch eine optimal passende Linse auf Dauer nur verträglich sein kann, wenn sie sorgfältig und umsichtig benutzt wird. Nachlässigkeiten im täglichen Umgang sind der Linse nicht anzulasten:

  • Wer seine Einmallinsen leichtfertigerweise länger als einen Tag trägt (je nach Empfehlung des Fachmanns zwischen 8 und 14 Stunden), riskiert Reizungen der Augenoberfläche. Gerade im Gewebe weicher Linsen setzen sich schnell Ablagerungen fest, zum Beispiel aus Bestandteilen der Tränenflüssigkeit. Diese Ablagerungen verringern die Durchlässigkeit der Linsen, die Hornhaut wird schlechter mit Sauerstoff versorgt. Folge: Die Verträglichkeit nimmt ab.
  • Berührt man Linsen mit ungewaschenen Fingern, können Keime übertragen werden, die dem Auge nicht bekommen.
  • Zum Schlafen müssen die Linsen auf jeden Fall entfernt werden. Während dieser Zeit hat das Auge per se schon Sauerstoffmangel. Durch die Linsen verschärft sich die Situation.

Auch in anderen Lebenslagen sind Kontaktlinsen nicht immer unproblematisch:

  • In der Werbung werden Tageslinsen häufig als ideal fürs Schwimmen angepriesen. Doch Augenärzte raten von jedem Wasserkontakt ab. Nicht nur in Badeseen, auch im Leitungswasser können sich Krankheitserreger tummeln, die im Einzelfall zu schweren Augeninfektionen führen können.
  • Manche Medikamente können die Verträglichkeit herabsetzen, zum Beispiel Antihistaminika oder Betablocker.
  • Beim Aufenthalt in Räumen mit sehr trockener Luft, in klimatisierten Büros oder im Flugzeug, auch bei der Bildschirmarbeit reicht die Tränenflüssigkeit oft nicht mehr aus, um ein angenehmes Tragegefühl zu sichern.
  • Beim Arbeiten mit gasförmigen Chemikalien sind weiche Kontaktlinsen generell ungeeignet. Die Substanzen könnten sich im Material einlagern und zu Augenreizungen führen.

Ungeklärte Herkunft

Auch wenn die Tageslinsen unter verschiedenen Marken angeboten werden, ähneln sie sich zum Teil doch recht deutlich. Das ist auch bei einem Blick in unsere Tabelle und auf die augenärztlichen Kommentare zu erkennen. Nach den deklarierten technischen Merkmalen wie zum Beispiel Linsenmaterial, Krümmungsradius, Durchmesser und Wassergehalt ähneln sich folgende Linsen sehr: Biomedics und Ecco sowie Lenscare/See One und Daysoft, SofLens und Yes, aber auch Focus Dailies, Oculsoft Premium und Apollo-Optik/iWear. Nicht immer ist eindeutig auszumachen, welcher Hersteller im Einzelnen dahinter steht. Auch wenn die Firmen gern ein großes Geheimnis aus der Herkunft ihrer Kontaktlinsen machen: Für Preisvergleiche eröffnet sich hier ein weites Feld.

Schnäppchen gefällig?

Wer seine Linsen im Versandhandel übers Internet bestellen will, wird meist nicht so viel sparen können wie erhofft. Bei einer Blitzrecherche im Netz fanden wir zwar deutliche Preisnachlässe, vor allem bei den Onlineportalen der Drogeriemärkte Rossmann und Schlecker für die Focus Dailies. Aber nur beim Kauf von 90 Stück konnte man hier bis zu 5 Euro sparen. Bei dieser Menge bietet auch der Optiker oft einen günstigen Preis an. Bei Lieferungen übers Internet ist auch zu bedenken, dass in einigen Fällen noch Versandkosten hinzukommen. Oft muss man auch mit Lieferfristen von bis zu 14 Tagen rechnen. Reklamationen sind schwieriger als beim Optiker um die Ecke.

Für den Dauergebrauch sind Tageslinsen, die pro Stück zwischen 70 Cent und knapp 1 Euro kosten, recht teure Sehhilfen. Man spart allerdings die Pflegemittel. Doch wegen des Preises und der begrenzten Passgenauigkeit werden sie für viele nicht mehr als Linsen zweiter Wahl bleiben. Fürs ständige Tragen bieten sich andere Lösungen an, die auch individueller anzupassen sind.

Dieser Artikel ist hilfreich. 3678 Nutzer finden das hilfreich.