Konfliktmanagement Test

In Rollenspielen können ­Streithähne ihr eigenes Verhalten ­beobachten und üben, wie sie­ ­einen Konflikt lösen.

Einen Berufsalltag ohne Konflikte gibt es nicht. Doch Berufstätige können in Seminaren privater Anbieter lernen, sie besser zu bewältigen.

Abteilungsleiter Wilhelm Kurz* sitzt in dieser Runde, weil es in seiner Abteilung immer wieder Krach über das Rauchen bei Besprechungen und im Pausenraum gibt. Zudem beschwert sich Herr Anders* ständig über die langsame Arbeitsweise von Frau Behrend*. Das häufige Zuspätkommen von Herrn Zenk* sorgt ebenfalls für Unmut bei den Mitarbeitern.

Solche oder ähnliche Konflikte gibt es in jeder Firma. Wilhelm Kurz will sich nun in einem Seminar zum Konfliktmanagement das nötige Rüstzeug holen, damit er künftig Konflikte erkennen, rechtzeitig reagieren und sie lösen kann.

Finanztest hat mithilfe von Testper­sonen Seminare zum Konfliktmanagement bei sieben Anbietern geprüft. Die Angebote richteten sich hauptsächlich an Führungskräfte, Projekt- und Teamleiter. Die zwei- bis viertägigen Kurse kosteten zwischen 1 100 und 2 200 Euro.

Sehr viel günstiger als Privatfirmen bieten Industrie- und Handelskammern (IHK) und Volkshochschulen (VHS) Trainings zur Konfliktbewältigung an.

Allerdings kommen hier oft nicht genug Teilnehmer zusammen. Auch im Laufe ­unserer Untersuchung wurden mehrere Trainings kurzfristig abgesagt. Aus diesem Grund konnten wir deren Angebote nicht testen.

Die Qualität des einzigen von uns besuchten Kurses an der Berliner Volkshochschule Tempelhof-Schöneberg war akzeptabel. Er kostete nur 50 Euro.

Vier Kurse waren gut

Das Ergebnis der Untersuchung ist positiv: Vier Anbieter erreichten das Finanztest-Qualitätsurteil „gut“.

Ihre Kurzzeitkurse vermittelten das nötige Basiswissen. Die Teilnehmer lernten zum Beispiel, welche Ursachen und Arten von Konflikten es gibt und wie man auf Konflikte richtig reagiert. Das Verhältnis von Theorie und Praxis war ausgewogen.

Bei den Testsiegern Deutsche Telekom Training und Creativ Communication Consult (CCC) wurden Theorie und praktische Übungen sehr gut verbunden, zum Beispiel durch Rollenspiele oder die Analyse von Filmszenen.

Beim Telekom Training diente eine Einkaufszene aus dem Loriot-Film „Papa ante portas“ als Beispiel dafür, dass miteinander reden nicht gleichzeitig Kommunikation bedeutet.

Bei CCC hat ein Teilnehmer die Rolle eines Mitarbeiters übernommen, der seinem Chef „beichten“ musste, dass er einen geforderten Bericht nicht zum Termin fertig hat. Andere Teilnehmer und der Trainer übernahmen die Rolle des Chefs mit jeweils anderem Charakter, von ruhig bis aggressiv. So konnte jeder das eigene Konfliktverhalten und bestimmte Verhaltensmuster beobachten.

Ein Wermutstropfen im sonst so guten Seminar war die penetrante Eigenwerbung der CCC-Dozenten für einen Folgekurs. Ohne diesen Zusatzkurs bekommen Teilnehmer für das gerade absolvierte Seminar nicht einmal ein Teilnahmezertifikat.

Die Teilnehmer einbeziehen

Ein guter Kurs orientiert sich an den Bedürfnissen der Teilnehmer. Die Firma IIR schickte zum Beispiel den Teilnehmern im Vorfeld der Veranstaltung einen Fragebogen zu. Darin konnte jeder seine Ansprüche formulieren und der Trainer hatte die Möglichkeit, die persönlichen Anliegen im Rahmen des Kurses zu behandeln.

Allerdings kam bei IIR die Selbsterfahrung der Teilnehmer zu kurz. Die Rollenspiele waren teilweise zu lang und zäh.

Auch bei Unilog Integrata Training waren unsere Tester mit dem Seminarkonzept nicht ganz zufrieden. Der Kurs war mit Theorie überfrachtet, da auch das Thema Motivation in der dreitägigen Veranstaltung untergebracht werden sollte. Das ging zulasten der praktischen Übungen.

Außerdem bekamen Teilnehmer auf konkrete Probleme keine Hilfe: So hoffte eine Teilnehmerin, die etwa 100 Mitarbeiter ihrer Firma entlassen muss, vergebens auf Anregungen des Experten, wie sie diese schwierige Aufgabe am besten meistert.

Bis an die psychischen Grenzen

Ein ganz anderes Konzept als die anderen getesteten Anbieter verfolgt Die Akademie. Wir haben deshalb für ihren Kurs kein Qualitätsurteil vergeben.

Die Besonderheit deutete sich bereits in der Ankündigung der Veranstaltung an. Als Voraussetzung wurde „Bereitschaft zu intensiver Selbsterfahrung“ gefordert.

Im Vordergrund standen praktische Übungen, die nicht nur Mut erforderten, sondern auch an die psychischen Grenzen gingen. So musste jeder gleich zu Beginn öffentlich gelbe und rote Punkte an sympathische und unsympathische Teilnehmer vergeben – ohne diese im Ansatz auch nur kennen gelernt zu haben.

Eine anderes Rollenspiel hieß „Der ­heiße Stuhl“. Wieder galt es, öffentlich ein positives oder negatives Urteil über einen anderen Teilnehmer zu fällen.

Solche Übungen sind eindringlich, lehrreich und von hohem Nutzen. Wenn ­erfahrene Trainer außerdem theoretisches Rüstzeug für den Umgang mit Konflikten nahe am realen Arbeitsalltag vermitteln, ist ein Kurs gut.

* Namen von der Redaktion geändert.

Dieser Artikel ist hilfreich. 828 Nutzer finden das hilfreich.