Interview: Konflikte am Arbeitsplatz nehmen zu

Konfliktmanagement Test

Diplom-Sozialpädagogin Yvonne Janczak

Die Diplom-Sozialpädagogin Yvonne Janczak weiß aus ihrer Tätigkeit in der Mit­arbeiter- und Sozialberatung für Berliner Bundesbehörden beim Robert-Koch-Institut, dass Konflikte am Arbeitsplatz das Betriebsklima nachhaltig schädigen können.

Finanztest: Wo treten Konflikte im ­Arbeitsalltag am häufigsten auf?

Janczak: Konflikte treten in allen ­Bereichen und auf allen Ebenen des ­Arbeitslebens auf. Dabei treten selten Sachkonflikte auf. Sehr viel häufiger sind Wertekonflikte, wenn die Streitenden zum Beispiel unterschiedliche Prinzipien verfolgen oder kulturelle Werte unvereinbar erscheinen. Zwischen Hierarchie-Ebenen werden Konflikte in der Regel aber schneller sichtbar, sodass eine Bewältigung noch vor der „Verkrustung“ möglich ist. Ich beobachte eine Zunahme des Konfliktgeschehens seit einigen Jahren.

Finanztest: Welche Auswirkungen haben Konflikte im Arbeitsalltag?

Janczak: Unbewältigte Konflikte können das Betriebsklima nachhaltig beschädigen und zu sinkender Produktivität führen. Manchmal treiben sie die Mitarbeiter in die innere Immigration. Ignorierte ­Konflikte können eskalieren und im schlimmsten Fall zu Mobbing führen.

Finanztest: Ist ein Kurs zum Konflikt­management der richtige Weg zur Selbst-hilfe?

Janczak: Als Prävention und als Mittel zur Entwicklung der Führungskompetenzen eignen sich solche Maßnahmen hervorragend. Wenn es aber bereits zu Konflikten gekommen ist, wenn jemand mitten in einem Konflikt steckt, ist eine Moderation oder Mediation durch einen Außenstehenden das bessere Mittel.

Finanztest: Sind Konflikte schlecht?

Janczak: Nicht immer! Sie können dafür sorgen, dass Veränderungspotenziale nicht rosten, sie erlauben eine Evolution und verhindern die Stagnation. Ferner können sie Aufschluss darüber geben, ob die Mitarbeiter Führungskompetenzen haben und wie flexibel sie sind.

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