Komposthäcksler Test

Richtig: Zweige stutzen. Falsch: Ohne Brille häckseln.

Der Saisonarbeiter für den Garten bleibt ein Problemkind mit Mängeln in Sicherheit, Verarbeitung und Haltbarkeit. Es gibt aber auch gute Häcksler  – einen schon für 99 Euro.

Wenn der Häcksler wieder häckselt, ist es vorbei mit der Ruhe in der Vorstadt. Der Herbst naht und mit ihm wird die Zeit reif für den lärmenden Saisonarbeiter, der aus zurückgeschnittenen Überbleibseln von Bäumen und Sträuchern Kleinholz macht. Kraftvoll schreddert er Äste, Heckenschnitt, Stauden, Wurzeln und andere sperrige Gartenabfälle zu kleinen Teilchen.

Immerhin wird nicht mehr die Luft verpestet wie in früheren Zeiten, als die Feuer rundum brannten. Anstelle von Asche und Rauchgasen hat der Gartenfreund heute als Endprodukte der Häckselei Mulch, Dünger oder Strukturmaterial für den Kompost als Überbleibsel seiner Biomasse. Bis zum Frühjahr hat der Häcksler dann Pause und kommt in den Keller.

Die Überlegenheit der Schneidwalzen

Komposthäcksler Test

Innenansicht: eine Schneidwalze.

Für die Aufräumarbeiten im Garten haben wir 22 elektrische Komposthäcksler geprüft – je etwa zur Hälfte Walzen- und Messermodelle. Auch eines der selten eingesetzten Wendel-, Schnecken- oder Spindelmodelle wurde mitgetestet. Häcksler mit Benzinmotoren sind als knatternde Luftverschmutzer beim Hobbygärtner völlig aus der Mode.

Wie schon in früheren Tests, zeigten sich die Modelle mit Walzen denen mit Messerschnitt meist überlegen. Sie sind leiser, aber nicht weniger effektiv (Näheres zu den verschiedenen Systemen siehe „Pro und Kontra“). Und anders als bisher können die Walzenhäcksler diesmal auch beim Preis mithalten.

Der „gute“ Asgatec EH 2501 kostet sogar nur 99 Euro. Ansonsten reicht die Preisspanne bei den Walzenhäckslern hinauf bis 470 Euro. Für die geprüften Messerhäcksler sind zwischen 89 und 890 Euro auszugeben. Das Profimodell Cramer Kompost-Meister Silent 2400 erfordert sogar stolze 1 190 Euro. Wir haben es ins Testfeld aufgenommen, um zu sehen, was ein solcher Spezialist bringt.

Ergebnis: Das teure Profigerät von Cramer ist das einzige mit rotierenden Messern arbeitende Modell, das es beim Häckseln mit den beiden besten aus der Walzenfamilie aufnehmen kann: mit Brill 2300 ESK und Bosch AXT 2500 HP. Stark ist der Cramer auch, wenn es darum geht, dickere Äste bis etwa vier Zentimeter Durchmesser kleinzumachen. Übertroffen wird er in dieser Disziplin nur noch von dem ebenfalls mit Messer arbeitenden Herkules 2500 compact, der sogar noch mit 4,5 Zentimeter starken Ästen fertig wird. Auch sonst gehört er zu den Besten beim Häckseln.

Die preiswerte Alternative

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Innenansicht: ein Messerschneidwerk

Aber auch Herkules ist mit einem Preis von 890 Euro nicht gerade ein Schnäppchen – ganz zu schweigen davon, dass er aufgrund von Sicherheitsmängeln letztlich nur auf die Endnote „ausreichend“ kommt. Wenn es also unbedingt ein Messermodell sein soll, weil beispielsweise feineres Häckselgut für die Bodenabdeckung (Mulchen) gebraucht wird, sind da eher schon Einhell EGH 2440 für bescheidene 120 Euro und natürlich das beste unter den Messermodellen, Bosch AXT Rapid 200 (240 Euro), eine Alternative.

Bei der Auswahl eines geeigneten Häckslers lohnt ein tieferer Blick in die Tabelle, denn viele Produkte haben ganz spezifische Stärken und Schwächen. So kommt beispielsweise der Walzenhäcksler Bosch AXT 2500 HP am besten von allen Geräten mit Baumschnitt und Ästen zurecht. Auch beim Heckenschnitt liegt er zusammen mit dem Walzenhäcksler Brill 2300 ESK ganz vorn. Der Brill für 470 Euro ist insgesamt betrachtet das beste Modell bei den reinen Häckseleigenschaften. Anders als die meisten übrigen Modelle hat er auch mit Wurzeln, Stauden und Ranken keine Schwierigkeiten.

Die Mängel in der Sicherheit

Komposthäcksler Test

Nummer Sicher: mit Brille und Handschuhen.

Probleme gab es dafür umso mehr, als wir die Sicherheit begutachteten. Immerhin drei Geräte mussten wir in diesem wichtigen Prüfpunkt „mangelhaft“ nennen: AL-KO Avantec 2500, Hurricane EGS und Einhell ELH 2501. Fünf weitere schnitten mit „ausreichend“ ebenfalls nicht mängelfrei ab. Wir konstatierten Fehler in der elek­trischen Sicherheit, die im Extremfall zu Stromschlägen führen können, aber auch Verletzungsgefahren durch Fertigungsmängel, bei denen der Benutzer beispielsweise mit dem Finger in das Lüfterrad des Motors oder, schlimmer noch, in die nach Öffnung des Gehäuses einige Sekunden nachlaufenden Messer des Schneidwerks kommen kann.

In einigen Fällen besteht zwischen den Sicherheits- und den Verarbeitungsmängeln ein enger Zusammenhang: Da sich einige Modelle nur schwer zusammenschrauben lassen, ist die Gefahr groß, dass die Sicherheit auf der Strecke bleibt. Wir haben die in den Prüfungen entdeckten gefährlichen Sicherheitslücken abwertend auf die Qualitätsurteile durchschlagen lassen. Wo im Einzelnen Gefahren lauern, ist im Testkommentar unter dem jeweiligen Produktfoto nachzulesen.

Ansonsten sind aber die Zeiten vorbei, als der unachtsame Gartenfreund ohne große Umstände ins laufende Häckselwerk geraten konnte. Das verhindern heute entweder hohe Einfülltrichter (siehe Produktfotos: Link auf Produktnamen in Tabelle „Komposthäcksler“), in die nur ein Riese seinen Arm abtauchen lassen könnte oder – bei normal hohen Trichtern – verengte Einfüllöffnungen in Schlitz- oder Kleeblattform, die für den gebotenen Abstand von Händen und Fingern zu den Schneid- und Quetschwerkzeugen sorgen.

Die Sicherheitsstandards

Standard ist inzwischen auch, dass die Geräte das Häckseln abrupt automatisch abbremsen, wenn man sie aufklappt, um beispielsweise eine Verstopfung zu beheben. Messer-Nachlaufzeiten, wie wir sie bei Al-KO Avantec 2500 und Hurricane EGS entdeckten, sind nicht hinnehmbar.

Häcksler sind keine Flüstertüten, das versteht sich von selbst. Die Walzenmodelle bereiten dem Gartenfreund beim Lärm allerdings weniger Sorgen als die Messerhäcksler. Am leisesten arbeitet jedoch der Wendelhäcksler von Bosch: Note „sehr gut“ für Geräusch. Wer die eigenen und Nachbars Nerven schonen will, hat hier kein schlechtes Argument für den Kauf.

Allerdings hat Bosch, wie acht weitere Produkte, ein anderes Umweltproblem: Schwermetalle im Gehäuse. Wir fanden erhöhte Konzentrationen von Blei und Kadmium. Eine direkte gesundheitliche Gefährdung der Benutzer besteht nicht, aber die Schwermetalle schaffen Probleme bei der Abfallentsorgung und Wiederverwertung. Seit Juli dürfen neue Geräte mit solch hohen Schadstoffgehalten nicht mehr verkauft werden. Die Anbieter kennen die neuen Grenzwert-Richtlinien schon seit langem. Sie hatten genug Zeit, sich darauf einzu­stellen.

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