Kommanditbeteiligung Meldung

Neue Firma - alte Adresse: Das Bankhaus Partin der Göttinger Gruppe musste vor kurzem geschlossen werden. Jetzt residiert in der Villa in Berlin-Dahlem die neue Vermögen Trust Capital KG.

Die Werbung für "stille Beteiligungen" an Unternehmen hat die Göttinger Gruppe aufgrund massiver Kritik aufgegeben. Das neue Angebot einer Tochterfirma ist für Anleger nicht weniger riskant.

Im Herbst 2000 trat die Göttinger Gruppe (GG) nach jahrelanger Kritik den Rückzug an. Sie stoppte den Vertrieb riskanter Beteiligungssparpläne, die sie Anlegern als solide Altersvorsorge verkauft hatte. Künftig werde die GG Investmentfonds und Kommanditbeteiligungen verkaufen, bei denen "nahezu der gesamte Teil der Anlegergelder" in Unternehmen investiert werden solle, die nicht der GG angehören, erklärte Vorstandsprecher Jürgen Rinnewitz damals.

Diesmal sollen sich Anleger über eine Treuhandgesellschaft als Kommanditisten an der von den Göttingern dazu gegründeten Vermögen Trust Capital KG in Berlin beteiligen. Diese investiert das Anlegergeld in drei Fonds. Die GG will dafür bis zum 31. Dezember 2003 rund 1,3 Milliarden Euro einsammeln.

Fonds 1 (Immobilien) investiert in offene Immobilienfonds, Immobilien-Aktiengesellschaften und Immobilien. Bei Fonds 2 (Wertpapiere) soll das Anlegergeld in Investmentfonds und Aktien fließen. Und Fonds 3 (Equity) will das Anlegergeld in Unternehmensbeteiligungsfonds und Unternehmensbeteiligungen stecken.

Die Anleger müssen sich für mindestens zehn Jahre an die Gesellschaft binden. Doch in welche Wertpapiere, Immobilien oder Unternehmen die Fonds im Einzelnen investieren, wissen sie zu Beginn ihrer Beteiligung nicht.

Anleger können Soforteinzahlungen oder Ratenzahlungen leisten. Sie entscheiden selbst, wie viel Prozent ihres Geldes entsprechend ihrer Risikobereitschaft in welchen Fonds fließen. Bei Fonds 3 besteht ein erhöhtes Verlustrisiko, da hier jungen Unternehmen Wagniskapital ohne wirtschaftliche Absicherung zur Verfügung gestellt wird.

Hohe Vertriebskosten

Bei den anderen beiden Fonds scheint eine Kommanditbeteiligung angesichts hoher Vertriebsgebühren von knapp 17 Prozent wenig lukrativ. Denn wer sich statt an der Vermögen Trust Capital KG direkt an offenen Immobilienfonds oder Aktienfonds beteiligen würde, müsste dafür nur etwa 5 bis 6 Prozent Ausgabeaufschlag bezahlen ­ bei Direktbanken häufig weniger.

Wenig sinnvoll erscheint auch das Angebot an Kleinsparer, die sich mit monatlichen Raten beteiligen sollen. Sie müssen zusätzlich zu den knapp 17 Prozent Verwaltungskosten auch noch einen Ratenausgabeaufschlag in Höhe von 5 Prozent der vereinbarten Vertragssumme zahlen.

Da sich die Anleger als Kommanditisten und nicht direkt an einem Fonds beteiligen, werden sie ­ wie schon früher bei den atypisch stillen Beteiligungen des Konzerns ­ als Mitunternehmer am Gewinn und Verlust der Gesellschaft beteiligt. Läuft die Anlage schief, riskieren sie sogar, ihr investiertes Geld bis auf den letzten Pfennig zu verlieren. Die Gesellschaft könnte in diesem Fall sogar bereits ausgezahlte Gewinne von ihnen zurückverlangen.

Wirtschaftliche Verflechtungen

Zwar investieren die Göttinger diesmal das Anlegergeld außerhalb des Konzerns. Die Vermögen Trust Capital KG ist allerdings wirtschaftlich und personell mit anderen Unternehmen der GG verflochten. Bodo Steffen, Geschäftsführer der Vermögen Trust Capital KG, ist beispielsweise mit einer Einlage von rund 280.000 Euro an der Securenta AG beteiligt.

"Verflechtungen können sich negativ auf die Gesellschaft und damit auf Ihre Beteiligung auswirken", heißt es im Prospekt. Wie sich solche Verflechtungen der Firmen untereinander auswirken können, erfuhren zuletzt Tausende Anleger von Beteiligungssparplänen. Ihre jährlich vereinbarten Entnahmen wurden zunächst halbiert oder gestrichen, um das Geld zum Ausbau des Unternehmens und zur Rettung des Bankhauses Partin der GG zu verwenden. Das Bankhaus wurde trotzdem geschlossen ­ das Vertrauen in die Führung des Konzerns empfindlich gestört.

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