Kombi-Solaranlagen Test

Diergardts Neubau in Straubing: Süddach mit Solarzellen und Solarkollektoren.

Die elf Solaranlagen im Test stellen für Warmwasser und Heizung genügend Sonnenwärme bereit. Zwei überzeugen sogar mit einem „sehr guten“ test-Qualitätsurteil.

Wenn die Sonne scheint, dann klingelts in meiner Haushaltskasse“, schwärmt Gisela Diergardt beim Rundgang über die Baustelle. Ihre Geldgeber halten das ganze Süddach des Straubinger Neubaus besetzt: Solarkollektoren auf 65 und Solarzellen auf 31 Quadratmetern holen für sie die Sonnenenergie vom Himmel. Die Photovoltaik senkt ihre Stromrechnung. Und die Flachkollektoren für Heizung und Warmwasser machen sie unabhängig von steigenden Öl- und Gaspreisen.

Volker und Gisela Diergardt wollen mit ihrem neuen Heim im Donautal ein Zeichen setzen. Wenn schon Solarenergie nutzen, dann richtig. Deshalb sollen die Solarkollektoren nicht nur das Wasser in Bad und Dusche erwärmen. Die Sonnenenergie heizt auch die Räume ihres 200 Quadratmeter großen, gut wärme­ge­dämmten Niedrigenergiehauses. Der 9 700 Liter umfassende Pufferspeicher soll vier Fünftel der für die Heizung benötigten Energiemenge durch die Sonne bereitstellen. „Nur für etwa sechs Wochen im Kernwinter soll der Holzkessel beim Heizen helfen“, verspricht Georg Dasch, der Architekt. Er hat schon mehrere dieser wegweisenden Energiesparhäuser geplant und gebaut.

Diergardts sind mit ihrem Solarhaus in guter Gesellschaft. Gegenwärtig sind fünf Millionen Quadratmeter Solarkollektoren in Deutschland installiert. Das entspricht etwa der Größe von 670 Fußballfeldern. Jedes Jahr gewinnen sie so viel Wärme, wie beim Verbrennen von etwa 20 Millionen Liter Heizöl oder Kubikmeter Gas entstehen würde.

Erster Test

Kombi-Solaranlagen Test

Alle Solarkollektoren wurden eingehend auf dem Außenprüfstand getestet.

Jede dritte bis vierte neu installierte Solaranlage erwärmt nicht nur das Trinkwasser. Sie unterstützt auch die Heizung. Diese Kombianlagen haben sich erst in den vergangenen Jahren am deutschen Markt etabliert. Die Stiftung Warentest untersucht diese Kombis erstmals in einem vollständigen Test wie zuvor schon die Brauchwasseranlagen.

Mit den ermittelten Werten von Kollektoren, Speicher, Regelung berechneten wir den Energieertrag für ein Einfamilienhaus mit Wärmedämmung (entsprechend der Energieeinsparverordnung) und einem täglichen Warmwasserbedarf von 200 Litern am Standort Würzburg. Dieses Musterhaus fällt allerdings bescheidener aus als das der Diergardts.

Wesentlicher Unterschied: Nur etwa 20 bis 30 Prozent des jährlichen Verbrauchs von Öl oder Gas sollen durch Sonnenenergie eingespart werden. Die Heizungsunterstützung beschränkt sich überwiegend auf die Übergangszeit Frühjahr und Herbst. Im Winter muss der in das Gesamtsystem eingebundene Öl- oder Gaskessel wie bisher das Heizen übernehmen. Die getesteten Kombis entsprechen diesem Modell.

Besser für die Umwelt wäre es natürlich, wenn ein noch größerer Teil des Wärmebedarfs durch die Sonne gedeckt würde. Das erfordert aber größer dimensionierte Anlagen. Dafür fehlt oftmals das Geld, die Dachfläche für die Kollektoren oder der Platz für den Speicher im Keller. Für den Test haben wir deshalb Anlagen gewählt, die weitgehend der Standardgröße für deutsche Ein- und Zweifamilienhäuser entsprechen: Kollektorfläche zwischen 7 und knapp 16 Quadratmeter, Speichergröße 447 bis 977 Liter.

Wer sich mit einer Anlage in dieser Größenordnung begnügen muss, startet meist auch nicht wie das Ehepaar Diergardt mit einem maßgeschneiderten Neubau ins Solarzeitalter. Weit häufiger muss die Kombianlage in das Heizsystem eines alten Gebäudes eingepasst werden. Am besten von einem Ins­tallateur, der sich mit Kollektoren ebenso gut auskennt wie mit Heizkesseln. Und der als Erstes empfiehlt, den betagten Heizkessel gegen einen Energie sparenden auszutauschen, und sich erst danach an den Einbau der Kombi-Anlage macht. Oft ist es sinnvoll, den Wärmebedarf des Altbaus durch einen höheren Wärmeschutz zu senken, bevor man die Sonne als Wärmelieferant gewinnt.

Die elf geprüften Solar-Kombis repräsentieren recht gut das breite technische Spektrum, das Interessierte oft ratlos macht. Auch dieser Test bestätigt: Für Spitzenplätze in der Leistungsfähigkeit, dem wichtigsten Prüfkriterium, ist es unerheblich, ob Flach- oder Vakuumröhrenkollektoren aufs Dach kommen. „Sehr gute“ und „gute“ Leistungsfähigkeit zeigt, dass das Zusammenspiel zwischen Kollektoren, Speicher und Regelung klappt.

Für die Leistungsfähigkeit wenig entscheidend ist auch, wie der Heizkessel in das Solarsystem eingebunden ist. Die vier Anlagen mit Pufferfunktion für den Heizkessel (Nau, Paradigma, Solatherm, Solvis) stehen mit den übrigen gleichauf. Ein Muss ist der Puffer allerdings, wenn ein nur begrenzt regelbarer Holz- oder Ölkessel die Zusatzheizung übernimmt.

Ärger kommt auf, wenn die Regelung der Solaranlage nicht zur vorhandenen Heizanlage passt. Typische Schwachstellen sind unterschiedliche Steckersysteme oder Temperaturfühler mit speziellen Messsignalen. Es kostet den Bauherrn unnötig Geld, wenn er deshalb Teile der bestehenden Heizung verändern oder gar ersetzen muss, nur damit sich alte und neue Technik kombinieren lassen.

Komplett und kompakt

Bei den drei Solaranlagen mit integriertem Gasbrenner (Rotex, Solatherm und Solvis) kann auf einen separaten Heizkessel ganz verzichtet werden. Sie sind eine interessante Alternative, wenn eine Modernisierung des alten Kessels ohnehin ansteht. Ersetzt solch eine Anlage auch den Kesselveteranen, ist der Spareffekt deutlich höher als die in der Tabelle angegebene Einsparung: Der bisherige hohe jährliche Energiebedarf wird zum einen durch die Solarenergie gesenkt, zum anderen durch den integrierten Sparbrenner.

Gut gerechnet

Bei einer jährlichen Einsparung des Energiebedarfs zwischen 11 und 28 Prozent sieht die wirtschaftliche Seite der Kombis derzeit nicht gerade rosig aus. Unsere vierköpfige Musterfamilie verbraucht rund 1 500 Liter Öl beziehungsweise Kubikmeter Erdgas im Jahr. Spart die Kombi­anlage etwa ein Viertel des Brennstoffs ein – und das ist sicherlich gut gerechnet –, sind das 375 Liter oder Kubikmeter. Für die Haushaltskasse bleibt eine Ersparnis von 150 bis 200 Euro pro Jahr.

Dem stehen Investitionskosten der getesteten Anlagen von 9 850 bis 25 160 Euro einschließlich Montage gegenüber. Der Staat hilft, die Kosten durch Zuschüsse und Kredite etwas erträglicher zu gestalten. In diesem Jahr zeigt er sich besonders spendabel. Trotz allem zahlt sich eine Kombi-Solaranlage für ein Ein- oder Zweifamilienhaus erst auf lange Sicht aus. Es sei denn, die Öl- und Gaspreise würden in den kommenden 20 Jahren kräftig steigen. Und das ist zu erwarten.

Das Ehepaar Diergardt hat sich für die Sonne als saubere, verlässliche Wärmequelle entschieden. Höheren Energiepreisen und möglichen Lieferengpässen kann es nun gelassen entgegensehen. Energetisch wird ihr Solarsystem sogar schneller in der Gewinnzone landen als wirtschaftlich.

Eine Anlage hat sich energetisch amortisiert, wenn sie die Energiemenge eingespart hat, die zu ihrer Herstellung, zu ihrem Transport und ihrer Installation erforderlich war. Im Test haben die Anlagen von Consolar, Solvis und UFE mit gut zwei Jahren die kürzesten energetischen Amortisationszeiten. Fast die doppelte Zeit brauchen Nau, Solatherm und Rotex. Dann rechnen sich alle für die Umwelt und machen einen Energiegewinn – bis sie nach einer geschätzten „Lebensdauer“ von mindestens 20 Jahren erneuert werden müssen.

Solide und stabil

Einmal richtig installiert und in Betrieb genommen, können die Anlagen jahrzehntelang ohne große Bedienung störungsfrei Sonnenenergie ernten. Das Erfreuliche: In diesem Test widerstanden alle Kollektoren den Witterungseinflüssen. Auch die extremen Hitze-Kälte-Schocks auf dem Prüfstand konnten keinem Kollektor etwas anhaben. Solide gebaut waren auch die Solarspeicher.

Im Mai werden Volker und Gisela Diergardt in ihr Solarheim einziehen. Die Sonne wird ihnen kräftig einheizen. Und sie werden sich für den Winter einen Energievorrat anlegen müssen – nicht mehr im Öltank, sondern erstmals im riesigen Pufferspeicher.

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