Kombi-Solaranlagen Test

Sie produzieren warmes Wasser und unterstützen auch noch die Heizung. Mit solchen Kombi-Solaranlagen lässt sich mehr als ein Viertel des bisherigen Brennstoffbedarfs einsparen.

Sie funktionieren sogar im Winter: An klaren Tagen kann die Sonne gute Solarkollektoren so stark erhitzen, dass die „eingesammelte“ Solarenergie dann ausreicht, um den Großteil des Warmwassers zu bereiten. Obendrein schaffen es leistungsfähige Kombi-Solaranlagen vor allem in der Übergangszeit, auch noch die Heizung zu unterstützen. An dunklen Dezembertagen ist ihr Nutzen jedoch gleich null, sodass der Heizkessel einspringen muss.

Mit Wagner 29 Prozent gespart

Wichtigster Prüfpunkt im Test war daher die Frage, wie viel Liter Öl oder Kubikmeter Gas die Kombi-Solaranlagen im Jahr durch Sonnenenergie ersetzen können. Das haben wir am Beispiel eines Modellhauses untersucht (siehe Ausgewählt, geprüft, bewertet), das von einer vierköpfigen Familie bewohnt wird. Das Haus wird von einem Öl- oder Gasheizkessel beheizt, der nach Einbau der Solaranlage nur die Nachheizung übernimmt. Ergebnis: Ein Viertel des gesamten Brennstoffbedarfs ließ sich einsparen. Den Spitzenwert mit 29 Prozent Ersparnis erzielte das Solarpaket von Wagner.

Eine Kombi-Solaranlage besteht aus Kollektoren, Speicher und Regelung. Wir haben uns bei der Wahl der Anlagenpakete an Empfehlungen der Anbieter orientiert. Als Sonnenfänger verwenden sie meist Flachkollektoren mit Flächen zwischen 10 und 14 Quadratmetern. Dreimal kommen auch effizientere Vakuumröhren zum Einsatz. Hier reichen 7 bis 11 Quadratmeter.

Mit einer größeren Fläche der Kollektoren ließe sich der Ertrag zwar weiter steigern, den solaren Nutzungsgrad würde das aber verschlechtern. Das ist das Verhältnis der für Heizung und Warmwasser tatsächlich genutzten Sonnenenergie zur Energie, die insgesamt auf die Kollektoren einstrahlt. Je größer die Kollektoren dimensioniert sind, desto öfter steht im Sommer die komplette Anlage still, weil die Sonne viel mehr Wärme liefert, als die Bewohner nutzen können. Die besten Urteile für die Energieeffizienz erzielen im Test daher nur solche Anlagen, bei denen alle Komponenten – Kollektoren, Speicher und Regelungen – optimal aufeinander und auf die Bedürfnisse der Benutzer abgestimmt sind.

Heizkessel in den Schlaf schicken

Großen Einfluss auf Effizienz und Komfort hat der Speicher. Er muss die vom Sonnenkollektor kommende Wärmeenergie schnell aufnehmen und mit möglichst wenig Verlusten speichern. Die stählernen Riesen im Test bieten Platz für etwa 600 bis 1 000 Liter Wasser, das die Sonne auf bis zu 95 Grad Celsius erhitzen kann. Diese enorme Kapazität reicht locker aus, um den Heizkessel lange in „Sommerschlaf“ schicken zu können. Im Winter sorgt er bei mangelndem Sonnenschein für ein ausreichend warmes „Bereitschaftsvo­lumen“. So wird der obere Teil des Speichers genannt, der bei Bedarf nachge­heizt wird. Bei allen Anlagen im Test ist die mindestens nutzbare Warmwassermenge recht groß. Ein üppigeres Volumen würde den Komfort nur unwesentlich erhöhen, dafür jedoch mehr Nachheizung erforderlich machen, die im Endeffekt die Energieeinsparung verringern würde.

Tipp: Achten Sie auf einen optimal dimensionierten Speicher mit geringen Wärmeverlusten, vor allem dann, wenn er im unbeheizten, kalten Keller stehen soll.

Es gibt verschiedene Arten, wie der Speicher den Heizkessel unterstützen kann – mit und ohne Puffer (siehe Technik). Als pfiffig erwies sich die von Solvis gewählte Lösung, ein Gasbrennwertgerät direkt in den Speicher zu integrieren. Betriebsverhalten und Funkti­onalität schnitten „sehr gut“ ab.

Auch den übrigen Anlagen konnten die Tester ein hohes technisches Niveau attestieren, das einen dauerhaften störungsfreien Betrieb erwarten lässt. Der Nutzer muss sich normalerweise um nichts kümmern – alles läuft automatisch. Wenn es aber doch eine Störung geben sollte, merkt der Kunde womöglich nichts davon, weil die Nachheizung für Wärme sorgt. Optische und akustische Warnsignale fehlen meist. Nur Paradigma erzeugt dann einen Signalton.

Rechnung hängt vom Energiepreis ab

Da die Anlagen solide gebaut sind, ist eine Lebensdauer von 25 Jahren realistisch. In dieser Zeit können sie im Modellhaus Brennstoffe für bis zu 8 500 Euro einsparen (bei mittleren Öl- und Gaspreisen, Basis: 2008). Da sieht die Wirtschaftlichkeit also noch ernüchternd aus: Die Anlagen kosten durchschnittlich rund 10 000 Euro, Montage und Wartung kommen noch hinzu. Andererseits geben die Hersteller auf die in der Tabelle genannten Listenpreise kräftige Rabatte und der Staat zahlt eine Förderung.

Tipp: Nutzen Sie die Zuschüsse (Infos unter www.bafa.de). Vergleichen Sie mehrere Angebote vor dem Kauf. Handeln Sie mit den Ins­tallateuren Rabatte aus. Nutzen Sie solar erwärmtes Wasser auch für Waschmaschine und Geschirrspüler, um zusätzlich teuren Strom einzusparen.

Pluspunkt jeder Solaranlage ist ihr deutlicher Beitrag zum Umweltschutz. Obendrein bieten die Kombi-Solaranlagen viel Komfort bei der Warmwasserbereitung und Versorgungssicherheit. Kunden, denen die Sicherheit wichtig ist, ergänzen ihre Solaranlage oft mit einer Holzfeuerung. Sie wollen möglichst unabhängig sein, falls die Kosten für Öl und Gas wieder steigen, Energiequellen langsam versiegen, Lieferboykotte drohen oder Kartelle die Preise weiter nach oben treiben. Da könnte Solartechnik sich schnell als sehr lukrativ erweisen.

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