Koloss von Prora wird saniert Baustelle mit Meeresblick

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Im Koloss von Prora auf Rügen stehen Eigentums- und Ferien­wohnungen zum Verkauf. Den denkmal­geschützten Gebäuderiegel planten die Nationalsozialisten als Massen­ferien­heim, stellten ihn aber nicht fertig. Nun werden Teile saniert. Gelockt werden Steu­ersparer. Die Preise sind gesalzen.

Immobilienfirmen locken mit Steuer­vorteilen

Kosten, die erforderlich sind, um ein Denkmal zu erhalten oder sinn­voll zu nutzen, dürfen Kapital­anleger über zwölf Jahre komplett steuerlich absetzen. Bei Selbst­nutzern sind es 90 Prozent über zehn Jahre. Je höher der eigene Steu­ersatz, desto höher ist die Ersparnis. Damit locken Immobiliengesell­schaften Steu­ersparwil­lige.

Finanz­amt hat ein eigen­ständiges Prüfrecht

Alle Baumaß­nahmen müssen vorab mit der Denkmal­schutz­behörde abge­stimmt sein. Käufer sollten genau nach­fragen. Die Anbieter in Prora rechnen damit, dass etwa 65 bis 75 Prozent der Anschaffungs­kosten steuerlich begüns­tigt sein werden. Erst nach Abschluss der Arbeiten steht aber fest, wie viel die Denkmalschützer genau anerkennen. Weitere Unsicherheit: Das Finanz­amt hat ein eigen­ständiges Prüfrecht. Es ist noch ungeklärt, ob es die bescheinigten Kosten akzeptieren muss.

Stolze Quadrat­meter­preise

Baudenkmäler sind oft teuer. Das gilt auch für den Koloss. In Anzeigen in einem großen Immobilienportal sollte Anfang Oktober ein Quadrat­meter zwischen 2 800 Euro und 6 900 Euro kosten. Das ist nicht günstig.

Hohe laufende Kosten drücken die Rendite

Baudenkmäler und Ferien­wohnungen haben gewöhnlich hohe laufende Kosten. Das drückt die Rendite, vor allem wenn es keine Steuer­vorteile mehr gibt. Der Koloss hat zudem ein sehr spezielles Flair. Es ist nicht sicher, ob er auf den Geschmack vieler Urlauber, Mieter und späterer Käufer trifft.

Vermieter gewähren Preis­nach­lass wegen Bauarbeiten

Vermittler von Ferien­wohnungen gewähren Mietern derzeit wegen der Bauarbeiten im Koloss einen Preis­nach­lass. Mit Beein­trächtigungen ist vor­erst weiter zu rechnen.

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Antefix am 23.10.2015 um 18:26 Uhr
Für Prora zu spät

Das spezielle Denkmalschutzmodell für Prora wäre m.E. vor 25 oder 20 Jahren noch interessant gewesen, als noch genügend "bauepoche-überlebende", heute wohlhabende Rentner vorhanden waren. Die hätten sich dort in einer anzunehmenden Großgemeinde von mehr oder weniger "reichsgleichfühlend" Überlebenden den Ausklang ihres in den Dreißigern begonnenen Lebensstils bestimmt gut vorstellen können. Allerdings, die Seefront war bei meinem Besuch mit Übernachtung schon vor 15 Jahren zu hoch zugewachsen, und die örtlichen Grünen und sonstigen -Schützer würden sich für einen Flachschnitt im Dünensand (nur noch für reiche Rentner) gewiss wenig erwärmen lassen. Die ursprünglich von der KdF-Org. geplanten Versorgungs- und Serviceeinrichtungen des ca. sechsmal längeren Komplexes, als auf dem Bild sichtbar ist, waren und werden ebenfalls utopisch bleiben -- man hält sich dann doch lieber auf der Promenade im nahen Binz auf. . .