Kokosöl Meldung

Viele halten das unver­arbeitete Öl aus der Kokosnuss für gesund. In einer kürzlich veröffent­lichten Studie rät die American Heart Association jedoch vom angeblichen Superfood Kokosöl ab. Dabei dreht sich die Diskussion vor allem um die enthaltenen Fett­säuren. test.de fasst den Stand der wissenschaftlichen Debatte zusammen.

Manchmal flüssig, manchmal fest

Ob im Bio-, Super- oder Drogeriemarkt: Natives Kokosöl gibt es mitt­lerweile von verschiedenen Anbietern. Es wird aus dem Frucht­fleisch der Kokosnuss gepresst oder aus frisch hergestellter Kokosmilch gewonnen und nicht weiter behandelt. Je nach Raum­temperatur kann Kokosöl flüssig bis cremig oder gar fest sein, denn es schmilzt erst ab etwa 23 Grad Celsius. Streng genommen ist es daher ein Speise­fett. Unter der Bezeichnung Kokos­fett sind aber schon lange Produkte bekannt, die aus getrock­netem Frucht­fleisch gewonnen und raffiniert, also stark bearbeitet werden. Sie liegen als feste Platten oder Würfel im Handel, sind geschmacks­neutral und beliebt zum Braten, Frittieren und für Kuchen. Ob Fett oder Öl: Beides ist sehr hitze­beständig. Auch Kokosöl eignet sich gut zum Kochen, Braten, Frittieren und Backen, weniger für Salat. Es verleiht Gerichten einen exotischen, süßlich-milden Geschmack. Manche streichen es sogar wie Butter auf Brot.

Ungüns­tige Wirkung auf den Cholesterinspiegel

Seit Jahren liegt natives Kokosöl im Trend – erst für die Pflege von Haut und Haaren, dann als Lebens­mittel. Besondere Bedeutung hat es vor allem bei vielen Anhängern der veganen Ernährung und der Paleo-Ernährung. Es soll unter anderem Herz-Kreis­lauf-Erkrankungen vorbeugen und beim Abnehmen unterstützen. Ob dem tatsäch­lich so ist, darüber gibt es schon länger eine Diskussion. Neu entfacht hat sie jetzt die American Heart Association (AHA). Die amerikanische Organisation, die sich dem Kampf gegen Herz­erkrankungen widmet, hat im Juni dieses Jahres eine Studie zu Speisefetten und Herzkreislauf-Erkrankungen veröffent­licht und darin unter anderem von Kokosöl abge­raten. Grund: Kokosöl erhöhe aufgrund seines hohen Anteils an gesättigten Fett­säuren das unerwünschte LDL-Cholesterin im Blut. Hohe LDL-Werte gelten als Risiko­faktor für Herz-Kreis­lauf-Erkrankungen. Die AHA empfiehlt daher, gesättigte Fett­säuren wie in Kokosöl oder Palm­fett durch gesündere, ungesättigte Fett­säuren wie in Raps- oder Olivenöl zu ersetzen.

Vor allem gesättigte Fett­säuren

Fakt ist: Kokosöl besteht zu rund 90 Prozent aus gesättigten Fett­säuren, ungesättigte Fett­säuren machen nur einen kleinen Anteil aus. Zum Vergleich: Bei Rapsöl, test 11/2009, ist es genau umge­kehrt. Es enthält über 90 Prozent einfach und mehr­fach ungesättigte Fett­säuren, aber nur rund 8 Prozent gesättigte Fett­säuren. Wie die AHA empfiehlt auch die Deutsche Gesell­schaft für Ernährung (DGE), gesättigte Fett­säuren durch mehr­fach ungesättigte Fett­säuren auszutauschen, um das Risiko für Fett­stoff­wechsel­störungen und somit auch für Herz-Kreis­lauf-Krankheiten zu senken. Insgesamt sollten gesättigte Fett­säuren maximal ein Drittel der aus Fett stammenden Energie ausmachen.

Mittel­kettige Fett­säuren sind nicht abschließend erforscht

Mögliche positive Gesund­heits­effekte des nativen Kokos­öls führen die Befür­worter unter anderem auf Fett­säuren mitt­lerer Kettenlänge zurück. Der Körper kann sie schneller aufnehmen und leichter verdauen als lang­kettige Fett­säuren. Er speichert sie nicht, sondern baut sie bevor­zugt zur Energiegewinnung ab. „Einige Studien zeigten zwar, dass sich durch den Einsatz von mittel­kettigen Fett­säuren Körpergewicht und Fett­masse verringern lassen, lang­fristige Unter­suchungen fehlen allerdings“, sagt Antje Gahl von der DGE. Bisher ist wissenschaftlich also nicht bewiesen, dass diese Fett­säuren auf lange Sicht das Körpergewicht positiv beein­flussen. Aus diesem Grund sind Werbeaussagen zu ihrer gesundheitlichen Wirkung (Health Claims), etwa Versprechen zur Gewichts­abnahme, laut EU-Recht verboten. Zugelassene Health Claims für Kokosöl gibt es nämlich nicht.

Nur ein Marketing-Hype?

Auch für andere Effekte, etwa eine nennens­werte Wirk­samkeit von Kokosöl gegen Viren und Bakterien, gibt es keine hinreichenden wissenschaftlichen Belege. „Es ist typisch für den Gesund­heits­markt, wie aus einem wenig erforschten Lebens­mittel mit dünner Daten­lage ein Marketing-Hype gemacht wird,“ sagt Sabine Schmidt, promovierte Ökotrophologin und Redak­teurin bei der wissenschaftlichen Fach­zeit­schrift Ernährungs Umschau. Sie hat sich im vergangenen Jahr mit Kokosöl beschäftigt und kam in ihrem Artikel zu dem Schluss, dass es bisher kaum wissenschaftlich halt­bare Nach­weise für die angeblichen Gesund­heits­effekte von Kokosöl gibt.

Fazit: Raps- und Olivenöl sind gesünder

Es spricht nichts dagegen, gelegentlich Kokosöl in geringen Mengen zu verzehren. Kulinarisch kann es die Küche durch seinen Geschmack bereichern. Es gibt aber keine gesundheitlichen Vorteile, die abschließend wissenschaftlich nachgewiesen sind. Das Fett­säurespektrum von Kokosöl ist nicht ideal. Raps- und Olivenöl liefern deutlich mehr wert­volle einfach und mehr­fach ungesättigte Fett­säuren: Test Olivenöl ,test 2/2017, Test Rapsöl, test 11/2009. Auch Walnuss- und Leinöl, test 9/2015, sind empfehlens­wert. Im aktuellen Test Margarine , test 8/2017, schnitten Produkte mit Kokos­fett weniger gut ab.

Tipp: Warum manche Öle gesünder sind als andere, erfahren Sie in unserer Meldung Speiseöle im Vergleich. Antworten auf Fragen zum Thema Speiseöl gibt unser FAQ Speiseöl.

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