Koffer und Reisetaschen im Test: Siebenmal gut, dreimal mangelhaft

Tipps rund ums Thema Koffer

Worauf kommt es beim Packen an? Wie kann ich Rollen oder Teleskopgriff austauschen – und wer bietet Ersatz­teile dafür? Was tun, wenn der Koffer beim Trans­port beschädigt wird? Hier beant­worten wir die wichtigsten Fragen rund ums Thema Koffer.

Was muss mit? Zwei Globetrotte­rinnen packen aus

Wie packt man Koffer oder Ruck­sack, damit alles Wichtige dabei ist, das Gepäck aber nicht zu schwer wird? Eine Lang­stre­cken­wanderin und eine Reiseleiterin sagen, worauf man verzichten kann – und worauf nicht.

Vor dem Packen klären, wofür man eigentlich packt

Grund­sätzlich über­legen, welche Aktivitäten geplant sind. Für einen Strand­urlaub braucht man anderes Gepäck als für eine Back­packing-Tour. „Was steht im Vordergrund?“ fragt Lang­stre­cken­wanderin Christine Thürmer. Ein Back­packer zum Beispiel ist von Hostel zu Hostel unterwegs und fliegt güns­tiger nur mit Hand­gepäck: „Je weniger Gepäck er dabeihat, desto einfacher ist das.“

Bequeme Schuhe einpacken, wenn man viel unterwegs sein will. Das ist die Erfahrung von Helga Becker, Vorstands­mitglied im Verband der Studien­reiseleiter. Becker hat auf Reisen zwei bis drei Paar Schuhe dabei: Turn­schuhe und normale Straßenschuhe, im Sommer außerdem Sandalen.

Ans Wetter und die Gegebenheiten vor Ort denken. Becker packt am Tag vorher. Sie empfiehlt, neben dem Reiseziel auch an die Hotelkategorie zu denken. Und zu klären, ob es einen Gepäck­trans­port gibt – und wie weit man sein Gepäck gegebenenfalls selbst tragen muss. Das zulässige Gewicht beim Fliegen voll auszuschöpfen, ist also nicht immer eine gute Idee.

Was man nicht vergessen sollte – und was ins Hand­gepäck gehört

Ein Regen­schutz und etwas für den Notfall. Ein Schirm sei ihr zu unpraktisch, sagt Becker, statt­dessen nehme sie ein Regencape. Außerdem empfiehlt sie, ein Erste-Hilfe-Set für kleinere Verletzungen, eine kleine Schere und Nähutensilien und etwas für die Nagel­pflege mitzunehmen.

Ausweis, Kreditkarte, Fremdwährung, Medikamente, Ticket, Handy und Ladegerät. Und je nach Reiseziel auch ein Adapter: Becker zufolge gehört ins Hand­gepäck „alles, was nicht problemlos ersetz­bar ist“. Aus dem Flugzeug nimmt sie übrigens immer die Spuck­beutel mit. Sie selbst brauche die gar nicht, habe sie aber schon oft verteilt.

Wer möglichst leicht reisen will, sollte beim Packen aufpassen

Nur einpacken, was man unbe­dingt braucht. Thürmer wandert tausende Kilo­meter am Stück, monate­lang. Dabei wiegt ihr Ruck­sack – abge­sehen von Wasser und Proviant – nicht mehr als fünf Kilo. Bevor sie etwas über­haupt mitnimmt, prüft sie: „Gibt es ohne diesen Gegen­stand ein wirk­liches Problem?“ Sie geht systematisch vor: Wiegen, Weglassen, Abschneiden und Austauschen. Das Weglassen sei der wichtigste Schritt.

Dinge mitnehmen, die mehr als einen Zweck erfüllen. Ein Beispiel: „Ein Hand­tuch braucht kein Mensch“, sagt Thürmer. Das sei schwer und trockne lang­sam. Statt­dessen nutze sie ein Kopf­tuch aus Baumwolle als Schweiß­tuch, Wasch­lappen und Hand­tuch.

Eine Garderobe für alle Fälle. Reiseleiterin Becker rät zum „Zwiebel-Look, um auf unterschiedliche Witterung reagieren zu können“. Auf Reisen trägt sie haupt­sächlich Kleidung in drei Farben: „Wenn alles mit allem kombinier­bar ist, finde ich immer etwas Passendes zum Anziehen.“

Voraus­planen, um weniger zu schleppen

Für längere Reisen Wasch­tage einplanen. Becker war schon sechs Wochen am Stück unterwegs, auf drei Touren nach­einander. Wenn sie wusste, dass sie an einem Ort mehr Zeit haben würde, plante sie manchmal schon vorher: Morgens die Wäsche in die Reinigung zu geben und sie am nächsten Tag abzu­holen.

Gewicht sparen bei Kosmetika. Die nimmt sie möglichst nur in Reisegrößen mit. Sind die kleinen Behälter leer, könne man das unterwegs nach­kaufen: „Ich muss nur wissen, ob ich die Zeit dafür habe.“

Es kommt nicht nur aufs „Was“, sondern auch aufs „Wie“ an

Ordnung halten im Koffer. Becker faltet ihre Kleidung und legt sie in den Koffer auf zwei Stapel, dazwischen Kosmetika oder Schuhe. Vor allem rät sie: „Immer alles an den gleichen Platz!“ Sowohl im Koffer selbst als auch in der Kulturtasche.

Unter­teilen und zusammenhalten. Becker empfiehlt Pack­säck­chen für Kleinteile wie Unter­wäsche oder Strümpfe. Für Blusen nutzt sie spezielle Pack­beutel, die ein Knittern verhindern sollen.

Vorsicht bei Flüssig­keiten. Die sollten gut verschlossen sein, im Zweifel zusätzlich in einer Plastiktüte. Beckers Tipp bei Platz­mangel: Größere Kosmetik­produkte in die Schuhe stecken.

Ein Ruck­sack mit System

Leichter Inhalt, leichter Ruck­sack. Wer das Gepäck auf fünf Kilo beschränkt, braucht keinen schweren Outdoor-Ruck­sack mit Trage­system, sagt Thürmer. Ihr Ruck­sack wiegt selbst nur knapp 500 Gramm.

Schwere Sachen möglichst nah am Körpermittel­punkt. Am schwersten ist ihr Proviant, der kommt ganz nach unten. Darüber, direkt am Rücken, ist der Schlafsack im Trockensack, links und rechts davon Zelt und Isomatte, um den Ruck­sack zu stabilisieren. Ganz oben liegt der Kleidersack, damit sie zum Beispiel schnell an ihre Regenkleidung kommt.

Nichts außen an den Ruck­sack schnallen. Thürmer sagt, das verliere man früher oder später. Und auf Flugreisen oder während Bus­trans­fers wickelt sie ihren Ruck­sack in Frisch­haltefolie. So, dass nur der Haltegriff heraus­guckt, aber keine Schnalle am Gepäck­band hängen bleiben kann.

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Koffer reparieren: Wer Ersatz­teile liefert und wie Sie Rollen selbst austauschen

Wegen einer streikenden Rolle oder eines gebrochenen Griffs muss kein Koffer auf den Müll. Grund­sätzlich lassen sich bei fast allen Koffern in unserem Test besonders bean­spruchte Teile erneuern – auch in Eigen­regie, wenn­gleich manche einfacher zu reparieren sind als andere. Wir haben alle Anbieter gefragt, wie lange sie Ersatz­teile wie Rollen und Teleskopgriffe für die von uns geprüften Modelle vorhalten und was sie kosten.

Video: So funk­tioniert der Rollentausch

Unser Video zeigt, wie ein Rollentausch oder eine Reparatur des Teleskopgriffs aussehen kann.

Ersatz­rollen ab rund 3 Euro

Die meisten Anbieter verpflichten sich, während der zweijäh­rigen gesetzlichen Gewähr­leistung oder im Garan­tief­all kostenlos Ersatz­teile zu liefern oder den Koffer zu reparieren – Verschleiß meist ausgenommen. Auch, wenn die Garantie nicht greift oder Teile später kaputt gehen, können Nutzer sie oft einfach und günstig selbst tauschen. Beispiel: Ersatz­rollen für den Samsonite X‘Blade 4.0 verspricht der Anbieter mindestens fünf Jahre nach Kauf vorzuhalten. Alle vier Räder kosten 30,80 Euro. Der Wechsel ist ohne Spezial­werk­zeug möglich (siehe Bild).

Haben die Anbieter einen Reparatur­service, können die Koffer dorthin geschickt werden. Auch das kann sehr viel weniger kosten als ein Neukauf.

Koffer und Reisetaschen im Test - Siebenmal gut, dreimal mangelhaft

Außensicht. Nutzer können die Rollen des Samsonite X‘Blade 4.0 recht einfach selbst wechseln.

Koffer und Reisetaschen im Test - Siebenmal gut, dreimal mangelhaft

Innensicht. Für den Rollentausch wird das Futter innen geöffnet und das Rad mit einem Schraubendreher gelöst.

Koffer und Reisetaschen im Test - Siebenmal gut, dreimal mangelhaft

Griff­bereit. Auch der Teleskopgriff des Samsonite X‘Blade ist bei offenem Futter leicht in Eigen­regie zu wechseln.

Ersatz­teile: Preise und Verfügbarkeit

Wir befragten alle Anbieter nach Garan­tieleistungen, welche Ersatz­teile sie für die getesteten Modelle verfügbar halten und ob sie einen Reparatur­service anbieten. Die folgende Tabelle zeigt alle Modelle, an denen Nutzer Rollen und Teleskopgriffe selbst tauschen können und für die uns die Anbieter die Preise nannten. Eine detaillierte Tabelle mit den Ergeb­nissen unser Befragung zum Thema Ersatzteile und Reparaturservice von Koffern können Sie hier herunter­laden. Dort sind zum Beispiel auch die Preise für einzelne Reparaturen, die Dauer der Verfügbarkeit von Ersatz­teilen und Kontakt­möglich­keiten aufgeführt.

Rollen

Teleskopgriff

Verfügbarkeit laut Anbieter

Preis (Euro)

Verfügbarkeit laut Anbieter

Preis (Euro)

Rollen

Teleskopgriff

Verfügbarkeit laut Anbieter

Preis (Euro)

Verfügbarkeit laut Anbieter

Preis (Euro)

American Tourister Airconic, 77 cm

Mindestens 3 Jahre nach Kauf

3,10 pro Rolle

Nein

Entfällt

American Tourister Holiday Heat, 79 cm

Mindestens 3 Jahre nach Kauf

4,30 pro Rolle

Nein

Entfällt

Jack Wolfs­kin TRT Freight Train 80

Voraus­sicht­lich mindestens bis Winter 2021/22

5,00 pro Rolle

Nein

Entfällt

Rimowa Essential Trunk Plus

Mindestens 10 Jahre nach Kauf

25,00 pro Rolle

Mindestens 10 Jahre nach Kauf

104,00

Sagenta

Haupt­stadt­koffer Mitte, 77 cm

Mindestens 10 Jahre nach Produktions­ende

9,90 für zwei Rollen (links und rechts)

Mindestens 10 Jahre nach Produktions­ende

 15,00

Samsonite X’Blade 4.0, 78 cm

Mindestens 5 Jahre nach Kauf

8,25 Rad Deckelfach, 7,15 Rad Bodenfach (links und rechts)

Mindestens 5 Jahre nach Kauf

 29,30

Stratic Unbeatable 4.0, 83 cm

Mindestens 5 Jahre nach Kauf

19,00 für Set von vier Rollen

Mindestens 5 Jahre nach Kauf

 16,90

Thule Subterra Wheeled Duffel

Ab 2022

37,50 pro Rolle

Ab 2022

 80,00

Vaude Rotuma 90

Ca. 5 Jahre nach letzter Verkaufs­saison

15,00 für Set von zwei Rollen

Ca. 5 Jahre nach letzter Verkaufs­saison

 10,00

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Was tun, wenn der Koffer nach der Flugreise beschädigt ist?

  • Schäden sofort melden. Fluggesell­schaften haften für Beschädigung, Verlust oder Diebstahl von Reisege­päck mit maximal etwa 1 200 Euro. Bargeld, Dokumente und Schmuck werden bei einem Verlust aber nicht ersetzt. Prüfen Sie Ihr Gepäck am besten direkt nach der Ausgabe und melden Sie Schäden oder Diebstahl sofort am Flughafen bei der entsprechenden Vertretung der Air­line. Füllen Sie ein Schadens­protokoll aus, Sie erhalten eine Bestätigung.
  • Schäden schriftlich melden. Bemerken Sie Schäden oder einen Diebstahl erst später zu Hause oder im Hotel, müssen Sie dies inner­halb von sieben Tagen nach Ihrem Flug schriftlich bei der Air­line melden. Sie müssen dann aber den Nach­weis erbringen, dass der Schaden in der Obhut der betreffenden Fluggesell­schaft einge­treten ist. Benennen Sie hierfür Zeugen, die den ordnungs­gemäßen Zustand des Koffers vor Abflug oder den Inhalt bestätigen können.
  • Belege einreichen. Beziffern Sie den Schaden bei der Fluggesell­schaft und gegebenenfalls auch bei der Reisegesell­schaft schriftlich. Für die Schadens­regulierung benötigen Sie Belege, Quittungen und das Flugti­cket mit dem Gepäck­abschnitt. Machen Sie sich Kopien.
    Tipp: In welchen Fällen der Abschluss einer Versicherung sinn­voll sein kann, klärt unser Reisegepäckversicherungs-Vergleich.
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Test Koffer und Reisetaschen im Test 24.04.2021
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