Koffer Test

Fall­test. Nicht alle Koffer über­stehen einen Sturz aus einem Meter Höhe schadlos. Sechs Modelle waren deutlich ramponiert.

Gute Hand­gepäck­koffer gibt es ab 100 Euro. Man kann auch mehr als 650 Euro ausgeben – und bekommt eher mäßige Qualität. Von drei Trolleys raten die Tester wegen Schad­stoffen ab.

Schick sieht er ja aus, der Rimowa-Topas-Aluminiumkoffer. Wer sich damit schmü­cken will, muss gut bei Kasse sein. Rund 660 Euro für einen kleinen Kabinenkoffer sind kein Pappen­stiel. Für diesen Preis erwartet der Käufer nicht nur ein schönes Design, sondern auch eine solide Qualität. Daran aber hapert es beim Rimowa, wie unser Test zeigt.

Passagiere können kleine Koffer in die Flug­zeug­kabine mitnehmen. Wir haben 20 solcher auch Trolleys genannten Modelle getestet: sowohl Hart­schalen- als auch Weichge­päck. Qualitativ repräsentieren sie fast die ganze Band­breite: von gut über befriedigend, ausreichend bis mangelhaft. Drei mangelhafte Koffer sind mit erhöhten Schad­stoff­mengen belastet.

Der Rimowa Topas zeigte Schwächen im Halt­barkeits­test. Nach der Fall­prüfung aus einem Meter Höhe wies das Alumodell mehr als kleine Blech­schäden auf. Die Rollen­aufhängungen wurden tief ins Gehäuse gedrückt. Das sieht nicht nur unschön aus, sondern schränkt auch die Funk­tions­tüchtig­keit ein. Wir führten den Fall­test bei plus 23 und minus 10 Grad durch. Nach der Fall­prüfung bei Minusgraden waren die Rollen nicht mehr schwenk­bar.

Solide muss nicht teuer sein

Weit­aus billigeren Modellen machte der Test dagegen kaum etwas aus. Zum Beispiel schlug sich der laut Anbieter nicht mehr erhältliche Textilkoffer mit zwei Rollen von Tchibo wacker. Mit einem Preis von rund 40 Euro zeigt er, dass ein solider Koffer nicht teuer sein muss.

Das 1,7-Kilo-Leicht­gewicht

Vor dem Kofferkauf gilt es zwei Fragen zu beant­worten: Harte oder weiche Schale? Zwei oder vier Rollen? Grund­sätzlich sollte ein Koffer leicht, stabil und einfach zu hand­haben sein. Hart­schalenkoffer erfüllen das oft. Sie sind stoß­unempfindlich und bieten dem Inhalt einen guten Schutz. Ordentlich verpackt bleiben Kleidungs­stücke weit­gehend knitterfrei. Stöße und Reibungen machen den nach­giebigen Plastikschalen relativ wenig aus.

Früher galten Hart­schalenmodelle als schwer. Heute bestehen sie häufig aus den Kunststoffen ABS oder Poly­carbonat und wiegen teil­weise nur 2 bis 2,5 Kilogramm. Das absolute Leicht­gewicht im Test ist der nur 1,7 Kilogramm schwere Samsonite Lite-Shock, der aus Curv besteht – einem sehr leichten und äußerst beständigen Poly­propylen-Werk­stoff, den es beim Reisege­päck nur von Samsonite gibt.

Das 4,2-Kilo-Schwergewicht

Der Rimowa-Aluminiumkoffer ist das komplette Gegen­teil. Mit den von uns gemessenen 4,2 Kilogramm stellt er ein ausgesprochenes Schwergewicht dar. Je nachdem, mit welcher Fluggesell­schaft der Kurz­urlauber oder Dienst­reisende unterwegs ist, kann er nur sehr wenig in seinen teuren Koffer packen. Manche Air­lines, etwa Condor, erlauben nur 6 Kilogramm schweres Hand­gepäck (Special Handgepäck: Die Regeln der Airlines, test 10/2016).

Praktische Außentaschen

Weich­schalenkoffer bestehen meist aus Polyester oder Polyamid und sind flexibler als Hart­schalenmodelle. Ihre Außentaschen bieten Platz für Dokumente, Zeit­schriften, Laptop und was sonst noch griff­bereit sein soll. Außerdem gibt die weiche Kofferhülle nach, sodass man etwas mehr hinein­stopfen kann. Beim Stratic Unbeatable 2 lässt sich das Fassungs­vermögen durch Öffnen eines Reiß­verschlusses noch um etwa vier Liter erweitern.

Oft wird behauptet, dass Weich­schalenkoffer bei intensiver Nutzung unansehnlich werden. Unser Test liefert dafür keine Belege. Die Scheuer­prüfung haben fast alle Modelle sehr gut über­standen.

Ziehen oder schieben

Ob weiche oder harte Schale – am Ende entscheidet darüber meist der persönliche Geschmack. Das trifft auch für die Zahl der Rollen zu. In den vergangenen Jahren haben sich Koffer mit vier Rollen immer mehr durch­gesetzt. Häufig sind es sogar acht, nämlich vier Doppel­rollen. Vier beziehungs­weise acht Räder bieten durch­aus Vorteile. Auf glatten Böden kann der Koffer zum Beispiel seitlich leicht geschoben werden. Auf holp­rigem Grund muss der Reisende ihn wie einen Zwei­radkoffer ziehen.

Wie groß ein Koffer sein darf, um als Hand­gepäck für die Flug­zeug­kabine durch­zugehen, ist nicht einheitlich geregelt. Jede Fluggesell­schaft legt ihre eigenen Maße fest (Special Handgepäck: Die Regeln der Airlines, test 10/2016). Viele Hersteller der für den Test ausgewählten Koffer geben Abmaße von 55 mal 40 mal 20 Zenti­meter an. Die von uns gemessenen Werte, die immer den Tragegriff berück­sichtigen, weichen mitunter um 2 bis 3 Zenti­meter davon ab.

Beim Delsey U-Lite Classic lassen sich die Rollen mit wenigen Hand­griffen entfernen, um den Koffer zu verkleinern. Ob Flugpassagiere davon Gebrauch machen, ist fraglich. Denn der Wechsel kann eine schmutzige Angelegenheit sein, und die Air­lines kontrollieren offen­bar nicht so häufig, wie unsere Umfrage zeigt.

Nervige Roll­geräusche

Menschen mit Roll­koffern gehen in Städten mit vielen Touristen den Einheimischen auf die Nerven. Grund ist das Scheppern, das die Rollen auf holperigen Untergründen verursachen. Wir haben das Roll­geräusch der Koffer auf verschiedenen Belägen subjektiv bewertet. Superleise Rollen, wie mitunter versprochen, hat keiner. Auf unebenen Wegen machen alle mehr oder weniger Krach. Negativ fallen die zwei Modelle von Rimowa auf. Beim Alukoffer notierten die Tester: „lautes, klapperndes Lauf­geräusch, deutliche Vibrationen am Hand­griff“.

Ein weiterer Mangel des teuren Rimowa Topas: Er ist nicht ganz dicht. Wer sich damit lange im Regen aufhält, riskiert, dass der Inhalt nass wird. Im Prüf­punkt Regen­beständig­keit bildet er das Schluss­licht.

Kantige Teleskopgriffe

Die mit gut bewerteten Koffer unterscheiden sich unter anderem in der Hand­habung. Perfekt ist in diesem Punkt keiner. Neben den teil­weise etwas lauten Roll­geräuschen sind einige Koffer nicht besonders stand­fest, vor allem der Delsey. Und etliche Teleskopgriffe sind etwas wackelig oder liegen nicht wirk­lich angenehm in der Hand. Schwer zu fassen ist zum Beispiel der T-förmige Teleskopgriff des Rimowa Salsa. Andere Griffe sind kantig (Real/X-Club), besonders klobig (Rimowa Topas) oder sehr labil (Roncato).

Auch innen sind die Koffer nicht immer praktisch. Die Tester monieren zum Beispiel zu kurze Riemen beim Tchibo-Modell, sodass der Inhalt bei einem vollen Koffer zu stark gequetscht wird. Der Rimowa Salsa Air bietet keine Riemen oder Bänder.

Bis auf Tchibo, Real und Primark verfügen alle Koffer über ein TSA-Schloss. Bei Reisen in die USA kann die TSA-Behörde (Trans­portation Security Administration) die Koffer öffnen und durch­suchen. Das bewahrt Reisende davor, dass die Beamten das Schloss aufbrechen.

Gift im Griff – Hände weg

Drei Koffer sind mangelhaft, weil ihre Griffe mit Schad­stoffen belastet sind. Im Teleskopgriff des Galeria Kauf­hof/Eminent Noblesse und im Tragegriff des Samsonite Smarttop fanden wir erhöhte Mengen an poly­zyklischen aromatischen Kohlen­wasser­stoffen (PAK), im Tragegriff des Billigkoffers von Primark zusätzlich noch Phthalat-Weichmacher.

Beim Anfassen der Griffe können die Schad­stoffe über die Haut in den Körper gelangen. Wir raten: Hände weg von diesen Modellen. Es gibt viele saubere Koffer.

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