Körperöle im Test Test

Nach Dusche oder Bad. Öle können auch direkt auf die feuchte Haut aufgetragen werden.

Drei der neun Pflanzenöle im Test schützen die Haut gut vor Feuchtig­keits­verlust. Das teuerste Öl riecht käsig – es ist verdorben und daher mangelhaft.

Unsere Probandinnen haben klare Vorstel­lungen. Von einem Körperöl erwarten sie „gute Pflege“, es solle „schnell einziehen“, „keine Flecken auf der Kleidung hinterlassen“, „angenehm duften“ und „die Haut mit Feuchtig­keit versorgen“.

Hergestellt aus Argansamen, Mandel-, Granat­apfel- oder Sonnenblumenkernen: Wie gut tun pflanzliche Öle der Haut wirk­lich? Wie steht es um Rück­stände und Kontaminanten wie Pestizide, Weichmacher und Mineralöle? Neun exemplarisch ausgewählte Produkte haben wir für den Test geprüft. Sie kosten 2,87 bis 25 Euro pro 100 Milliliter. Alle bestehen aus pflanzlichen Ölen, darunter zwei Mono­produkte und sieben Mischungen. Fast alle tragen ein Naturkosmetik-Siegel. Das Gesamt­ergebnis: Fünf Öle schneiden gut ab, drei befriedigend und eins mangelhaft.

Sieger und Verlierer sind zwei Arganöle

Pflanzliche Öle haben in der Körper­pflege eine jahr­tausendealte Tradition. In der modernen Kosmetik steht seit ein paar Jahren vor allem eines hoch im Kurs: Arganöl. Bei zwei Produkten im Test – von Arganhain und Jislaine – handelt es sich um reine Arganöle. Beide sind nicht parfümiert. Arganöl riecht säuerlich, saatig und leicht strohig. Ein käsiger, stichiger Fehlgeruch über­lagert beim Öl von Jislaine diese charakteristischen Noten. Es ist verdorben. Die chemische Analyse bestätigt das. Mangelhaft lautet das Qualitäts­urteil. Gut ist hingegen das Arganöl von Arganhain – und mit einer glatten Zwei der Testsieger.

Drei für gute Hautfeuchtig­keit

Im Winter wird die Haut stark strapaziert. Auch normale Haut wird dann mitunter trocken und fett­arm. Kalte Temperaturen und trockene Heizungs­luft beein­trächtigen ihren natürlichen Lipidmantel. „Er verhindert, dass die Haut über­mäßig Feuchtig­keit verliert“, sagt Maja Hofmann, Ober­ärztin an der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie der Charité in Berlin. „Funk­tioniert dieser Schutz­mantel nicht richtig, braucht die Haut pflegende Fette, um sich zu regenerieren“. Beim Duschen und Baden verliert die Haut zusätzlich Feuchtig­keit, weil jede Reinigung entfettet. „Wichtig ist es, auf den eigenen Körper zu achten“, so Hofmann. „Bei ersten Anzeichen von Trockenheit sollte die Haut Pflege bekommen.“

Pflanzenöle sind pflegende Öle, die den Schutz­mantel der Haut stabilisieren können und so vor Feuchtig­keits­verlust schützen. Wie gut die Produkte das schaffen, über­prüften wir mit einem Corneo­meter. Es misst die Hautfeuchtig­keit in der äußersten Haut­schicht – an den Unter­arminnen­seiten der Probandinnen. Die Prüfer vergleichen eine mit Körperöl behandelte Haut­partie mit einer unbe­handelten. Auch eine Stan­dard­lotion mit guter Feuchtig­keits­anreicherung dient zum Vergleich.

Fazit: Die Öle von Arganhain, Dr. Hauschka und Ross­mann sorgen für eine deutlich bessere Hautfeuchtig­keit und pflegen ähnlich gut wie die Stan­dard­lotion. Neben den zwei sehr teuren ist somit auch das güns­tigste Öl im Test von Ross­mann mit „Jojobaöl und Sheabutter“ eine Alternative zu einer guten Körperlotion. Die Öle von Lavera, Prima­vera und Jislaine verbesserten die Hautfeuchtig­keit hingegen nicht.

Die Teste­rinnen urteilen positiv

Ein gutes Körperöl muss nicht nur pflegen, sondern auch im Praxis­test über­zeugen. Jedes Öl wurde von je 20 Probandinnen eine Woche lang verwendet – diesmal an den Beinen. Sie beur­teilten Anwendung und Hautgefühl aller Produkte durchweg als gut und hatten wenig zu bemängeln.

Fast alle Anbieter im Test empfehlen, Körperöl auf noch feuchte Haut aufzutragen. So entstehe eine Emulsion aus Wasser und Öl, die schneller in die Haut einziehen soll. Der Praxis­test zeigt: Viele Öle ziehen auf feuchter Haut tatsäch­lich gut ein. Die Probandinnen beur­teilten das Einziehen auf trockener Haut im Schnitt aber als genauso gut wie auf feuchter Haut. Im Zweifel also einfach selbst ausprobieren.

Auf Textilien hinterlassen die Öle im Test keinen bleibenden Eindruck. Von unseren knapp 100 Probandinnen hat keine von Ölfle­cken auf ihrer Kleidung berichtet.

Keine Hinweise auf Verfälschung

Körperöle im Test Test

Frauensache. Traditionell sind es Berberfrauen in Marokko, die Arganfrüchte sammeln und verarbeiten.

Öle sind ergiebig. Wer sich gern damit pflegt, muss aber oft tief in den Geldbeutel greifen. Fragt sich: Sind die ausgelobten pflanzlichen Öle wirk­lich enthalten? Ist Mandelöl drin, wenn Mandelöl drauf­steht? Das ist eine Frage der Echt­heit oder Authentizität, wie Wissenschaftler es nennen. Um sie abzu­klären, ermittelten wir die Fett­säurespektren im Labor und über­prüften, ob sie zu den deklarierten Ölen passen. Bei Mischungen ist das schwierig, denn die Öle können sich in ihren Fett­säure­mustern sehr ähnlich sein. Einen Hinweis auf Verfälschung fanden wir aber bei keinem der Öle, die laut Deklaration den Haupt­bestand­teil der Mischungen ausmachen.

Auch die beiden reinen Arganöle bestanden die Authentizitäts­prüfung. Das rare Öl zählt zu den teuersten der Welt. Arganbäume wachsen nur im Südwesten Marokkos, stehen unter Unesco-Schutz. Arganöl, auch flüssiges Gold Marokkos genannt, wird traditionell in aufwendiger Hand­arbeit hergestellt. Die beiden im Test kosten rund 20 bis 25 Euro je 100 Milliliter.

Tipp: Manche Anbieter heben die besondere Wirkung bestimmter Öle auf der Verpackung hervor, die laut Liste der Inhalts­stoffe (Ingredients) aber nur in geringer Menge enthalten sein können. Achten Sie auf die Reihen­folge in der Inhalts­stoff­liste. Das Öl, das an erster Stelle steht, macht den größten Anteil im Produkt aus.

Vermeid­bare Verunreinigungen

Körperöle müssen im Gegen­satz zu vielen anderen Kosmetika nicht konserviert werden, weil sie nahezu wasser­frei sind. Verbraucher, die sich mit Pflanzen­ölen pflegen, setzen auf deren natürliche Reinheit. Völlig rein sind die Produkte im Test allerdings nicht. So fanden wir in acht der neun Öle unterschiedliche Mineral­ölbestand­teile. Einzige Ausnahme: das Arganöl von Testsieger Arganhain.

Die Verunreinigungen stammen wahr­scheinlich aus Schmier- oder Weiß­ölen, die für Maschinen in der Produktion einge­setzt werden, oder auch direkt aus der Umwelt, etwa aus Abgasen. Sie sind vermeid­bar. Stark verunreinigt mit Mineral­ölen waren die Produkte nicht. Das Urteil in diesem Punkt lautet nie schlechter als befriedigend. Die ermittelten Gehalte sind vergleich­bar mit denen, die die Stiftung Warentest in Lebens­mitteln nachgewiesen hat (zuletzt im Test von Pralinen 12/2014). Wie viel und welche der Mineral­ölbestand­teile durch die Haut dringen könnten und wie der Körper sie verstoff­wechselt – darüber lassen sich derzeit keine wissenschaftlich gesicherten Aussagen treffen.

Einige Öle waren außerdem gering mit poly­zyklischen aromatischen Kohlen­wasser­stoffen (PAK) oder dem Weichmacher DEHP verunreinigt. Auch das ist vermeid­bar. Die Firma Jislaine Naturkosmetik hat die DEHP-Belastung nach unserer Anbieter­vor­information bestätigt und laut eigener Aussage „einen Verkaufs­stopp aller bisherigen Chargen“ veranlasst. Eintrags­quelle seien PVC-Schläuche und Dichtungen der Produktions­maschine gewesen.

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