Streichel­einheit. Trockene Haut macht sich bemerk­bar – häufig spannt und juckt sie. Dann tut Cremen gut.

Auch die preisgüns­tigsten Produkte pflegen gut. Einige Lotionen enthalten einen kritischen Duft­stoff.

Der Winter neigt sich dem Ende zu. Über Monate war es draußen kalt. Drinnen bollerte die Heizung, die Luft war trocken – Dauer­stress für die Haut. „Vor allem gegen Ende der kalten Jahres­zeit und Heiz­periode klagen viele Menschen über trockene Haut, die spannt und juckt“, sagt der Dermatologe Professor Claus-Detlev Klemke, Klinikdirektor am Städtischen Klinikum Karls­ruhe. Was sie jetzt braucht, um sich zu erholen? Eine Extraportion Pflege (Trockene Haut - was sie ausmacht und was sie braucht).

Wir haben 17 Körperlotionen für trockene Haut geprüft – im Labor und auf den Beinen von je 20 Probanden, die sich zwei Wochen lang für uns einge­cremt haben. Das Ergebnis kann sich fühlen lassen: 10 Lotionen sind gut, 7 befriedigend.

Unser Rat

10 von 17 getesteten Körperlotionen für trockene Haut sind gut. Knappe Punkt­siegerin ist Neutrogena. 100 Milliliter kosten 1,25 Euro. Güns­tiger und insgesamt kaum schlechter: die Lotion von Dove für 65 Cent je 100 Milliliter. Noch mehr Geld sparen lässt sich mit den ebenfalls guten Eigenmarken von dm, Lidl und Aldi (Nord). Auch sie versorgen die Haut gut mit Feuchtig­keit und kosten nur 23 Cent pro 100 Milliliter.

Gut ab 23 Cent pro 100 Milliliter

Pflegebedarf. Vor allem an Ellenbogen, Knien und Unterschenkeln ist die Haut oft trocken.

Gute Haut­pflege muss nicht teuer sein. Selbst die preisgüns­tigsten Lotionen im Test über­zeugen: Für gerade einmal 23 Cent pro 100 Milliliter bieten Aldi (Nord), dm und Lidl ihre Eigenmarken an. Aldi Süd verkauft nach eigenen Angaben eine in der Rezeptur mit Aldi (Nord) identische Lotion zum gleichen Preis. Wer will, kann aber auch deutlich mehr ausgeben: Die Lotion von La Roche-Posay aus der Apotheke etwa kostet stolze 7,25 Euro pro 100 Milliliter – rund das 32-fache der Drogeriemarkt- und Discounterware. In ihrer Wirkung ähneln sich die guten Lotionen, egal wie hoch der Preis ist: Alle versorgen die Haut gut mit Feuchtig­keit, sie fühlt sich anschließend glatt und geschmeidig an.

Blumiger Duft – offene Fragen

Gute Pflege ist allerdings nicht alles. Einige Lotionen enthalten einen Duft­stoff, den wir als kritisch einstufen: Butylphenyl Methyl­propional (BMHCA), auch unter dem Handels­namen Lilial bekannt, riecht nach Maiglöck­chen. In Tier­versuchen zeigte sich, dass Lilial ihre Fort­pflan­zungs­fähig­keit beein­trächtigen kann. Inwieweit die Daten auf den Menschen über­trag­bar sind, ist noch unklar. Ob Lilial auch das Erbgut verändern kann, ist derzeit nicht eindeutig belegt – sicher ausschließen lässt es sich daher nicht.

Aussagen zu Risiken sind vage

Der wissenschaftliche Ausschuss für Verbrauchersicherheit der EU (SCCS) hatte Lilial 2015 zunächst als „nicht sicher“ einge­stuft. In der Folge reichte die Interna­tional Fragrance Association, ein Verband der Duft­stoff­industrie, weitere Daten zur Bewertung ein. Im Dezember 2017 äußerten sich die SCCS-Experten erneut, allerdings weniger eindeutig: Aktuell könne man „nicht auf die Sicherheit von BMHCA schließen“. Ob und in welchen Konzentrationen Lilial in Kosmetika sicher ist, bleibt damit ungewiss. Solange dies so ist, sollten Hersteller unserer Ansicht nach vorsichts­halber auf Lilial verzichten. Die meisten Anbieter im Test tun das – Clarins, Eucerin, Lancôme und Nivea nicht, wodurch sie eine gute Gesamt­note verspielten.

Lancôme hinkt hinterher

Lancôme verwendet zusätzlich das ebenfalls blumig riechende Hydroxyisohexyl 3-Cyclohexene Carboxaldehyde (HICC), auch Lyral genannt. Diesen Duft­stoff stuften die Fachleute des SCCS bereits 2011 als „nicht sicher“ ein: Lyral ruft vergleichs­weise häufig allergische Reaktionen hervor. Derzeit läuft eine Über­gangs­frist: Ab Sommer 2021 dürfen Kosmetik­produkte, die Lyral enthalten, nicht mehr verkauft werden. Viele Anbieter verzichten in ihren Rezepturen bereits jetzt darauf. Aus vorsorgendem Verbraucher­schutz befür­worten wir das. Lancôme hinkt hinterher – und landet damit auf dem letzten Platz.

Parabene gelten als sicher

Bis auf die beiden Naturkosmetik­produkte von Lavera und Weleda enthalten alle Lotionen Konservierungs­stoffe. Sie sollen verhindern, dass sich in den Lotionen Bakterien, Hefe- oder Schimmelpilze vermehren und die Produkte verderben. Ihr Einsatz ist in der EU-Kosmetik­ver­ordnung geregelt, sie müssen in der Liste der Inhalts­stoffe auf den Produkten stehen.

In den Lotionen von Dove, Garnier, Lancôme und Lidl halten Parabene die Keime in Schach. Die Stoff­gruppe steht seit einiger Zeit in der Kritik – zu Unrecht: Befürchtungen, dass Parabene generell Brust­krebs auslösen oder durch eine hormon­ähnliche Wirkung die männ­liche Frucht­barkeit beein­trächtigen könnten, erwiesen sich als nicht stichhaltig. Das in den Lotionen verwendete Methyl-, Ethyl- und Propylparaben sowie das mitunter einge­setzte Butyl­paraben gelten in fest­gelegten Konzentrationen als sicher. Zudem sind sie gut verträglich, allergische Reaktionen sind selten.

Trotzdem wollen sich Anbieter wie Lavera, Nivea, Treaclemoon und Yves Rocher positiv abheben, indem sie mit Aufschriften wie „frei von Parabenen“ oder „ohne Parabene“ werben. Wir ziehen dafür Punkte im Deklarations­urteil ab. Auch das Bundes­institut für Risiko­bewertung hält es für „nicht sinn­voll“, Parabene aus Kosmetik­produkten zu verbannen und durch andere Stoffe zu ersetzen. Neue Konservierungs­stoffe für Kosmetika sind nicht in Sicht, da Hersteller wegen des Tier­versuchs­verbots kaum die Sicherheit neuer Substanzen erproben können. Auch die Möglich­keit, auf bereits vorhandene Konservierungs­stoffe auszuweichen, ist begrenzt: So steigt etwa seit Jahren die Zahl der Menschen, die allergisch auf Methylisothiazolinon reagieren. In Produkten wie Cremes und Lotionen ist der Stoff deshalb inzwischen verboten.

Keime? Keine!

Egal ob Parabene oder andere Konservierungs­stoffe: Im Labor fiel keine Lotion wegen Keimbelastung negativ auf, die mikrobiologische Qualität war in Ordnung.

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