Kochtöpfe Test

Drei Kochtöpfe können 24 oder fast 900 Euro kosten. Die Qualitätsunterschiede im Test waren nicht so riesig. Erfreulich: Der beste Topf bekommt auch für seinen Preis drei Sterne.

Um drei Töpfe von der Alfa Metalcraft Corporation, kurz AMC, für den Test zu kaufen, mussten die Eltern unserer Testerin ihre Silberhochzeit noch einmal feiern – zumindest fiktiv. Der Grund: Die Töpfe von AMC kann man nicht einfach im Laden kaufen. Normalerweise nimmt der Kunde an einer Kochvorführung teil, die oft von Stammkunden organisiert wird. Nach einer solchen Veranstaltung unterbreitet ein AMC-Berater Angebote für Kochsortimente. Sie enthalten neben Töpfen meist noch andere Utensilien wie Topfeinsätze oder Schüsseln. Die Preise für die Sortimente sind gesalzen: Sie kosten, so schreibt uns AMC, zwischen 640 und 3 370 Euro. Nur ausnahmsweise konnten wir drei Töpfe ohne Schüsseln oder weiteres Zubehör kaufen, weil die Testerin die nahe Silberhochzeit der Eltern und deren exakten Wunsch für drei Töpfe anführte. Der Preis für die Töpfe samt späterer Kochvorführung bei den beschenkten Eltern: 876 Euro.

Wer solche horrenden Preise bezahlt, erwartet ein deutlich besseres Ergebnis als bei der billigeren Konkurrenz. Im Test schnitt der Kochtopf AMC Visiotherm zwar gut, aber nicht am besten ab. Testsieger wurde ein Edelstahltopf von Schulte-Ufer (Profi-Line), der viel billiger und im Handel zu kaufen ist, ohne dass der Käufer eine Koch- und Verkaufsveran­staltung besuchen muss.

Edelstahl spart Energie

Kochtöpfe Test

Der Testsieger besteht aus Edelstahl, wie die meisten Töpfe im Test. Weil Aluguss im Kommen ist, haben wir auch solche Töpfe getestet, dazu noch je einen Topf aus Stahlemaille und Stahlkeramik. Der Test bestätigt einige generelle Unterschiede der Materialien. So ist Edelstahl an sich Energie sparend, weil es als relativ schlechter Wärmeleiter wenig Wärme abstrahlt. Dann geht an den Topfwänden wenig Energie verloren. Weiteres Beispiel: Alugusstöpfe sollte man nicht in der Spülmaschine reinigen, weil der blanke Boden außen ganz schwarz wird und abfärbt. Dieser so genannte Schwarzabrieb entsteht durch die Reaktion der Seifenlauge mit dem Aluminium. Trotzdem bekamen zwei Alugusstöpfe in der Reinigung ein „Gut“. Pluspunkt ist dabei ihre Antihaftbe­schichtung: Die Töpfe lassen sich leicht mit einem Lappen auswischen.

Ein allgemein gültiges Votum für ein bestimmtes Material können wir aber nicht liefern. So gab es nicht nur gute Töpfe aus Edelstahl, sondern auch aus Aluguss und aus Stahlkeramik. Der Alugusstopf von Berndes lag mit dem Edelstahl-Fissler sogar auf dem zweiten Platz.

Wo der Topf zum Deckel passt

Kochtöpfe Test

Der Grund dafür, dass kein Material klar vorn liegt: Jeder Topf ist anders gearbeitet. Zum Beispiel kommt es darauf an, wie dicht der Deckel ist. Schließt er gut, geht weniger Energie verloren. Mit einem dichten Deckel ist es außerdem einfacher, mit wenig Wasser zu dünsten. Dieses Dampfgaren ist gut für Gemüse, weil Nährstoffe und Vitamine weitgehend erhalten bleiben. Wichtig ist auch der Topfboden. Wenn er nicht optimal aufliegt oder die Wärme schlecht leitet, kann das viel Energie verbrauchen oder zu einer schlechten Temperaturverteilung führen. Beim Kochen ist es wichtig, dass die Temperatur möglichst gleichmäßig verteilt wird. Dann brennt das Essen nicht so schnell an.

Unterschiede gibt es auch bei der Aufheizzeit. Sie kann, je nach Wärmeleitfähigkeit des Bodens, kurz oder eher lang sein. Eine kurze Aufheizzeit spart Zeit nebst Energie und erleichtert das Kochen, weil die gewünschten Temperaturen schnell erreicht werden. Der Topf reagiert also schnell auf die Anweisung des Kochs – ein Vorteil zum Beispiel beim Anbraten von Fleisch, aber auch beim Kochen von Nudeln, Reis oder Gemüse.

Angebrannte Kartoffeln

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Kartoffeln fast ohne Wasser kochen: Von diesem Werbe­versprechen fühlten wir uns verkohlt.

Der Nährwert von Gemüse ist am höchsten, wenn es schonend gekocht ist. Hitze und Wasser lassen wichtige Nährstoffe schwinden. Deshalb liegt wasserarmes Garen im Trend. Manche Hersteller werben damit, dass man mit ihren Töpfen nur wenig Wasser zum Garen braucht, ohne dass etwas anbrennt. Im Topf von AMC soll das laut Werbung auch ohne Wasser klappen. In der Gebrauchsanleitung relativiert sich das aber: Das Gargut soll tropfnass in den Topf und zu älteren Kartoffeln soll auch etwas Wasser gegeben werden. Wir haben Kartoffeln wie vom Hersteller beschrieben mit wenig Wasser gegart – und zwar probeweise in Töpfen von AMC und Schulte-Ufer (Profi-Line und Opal). Dabei haben wir das Gargut entsprechend den Gebrauchsanleitungen zunächst angekocht und den Herd dann auf die niedrigste Stufe zurückgeschaltet. Das Ergebnis: Die Kartoffeln waren zwar gar, aber angebrannt.

Braten ohne Fett klappt

Besser funktionierte da ein anderes Werbeversprechen: das fettlose Braten. Wir haben das am Beispiel der Töpfe von AMC, Schulte-Ufer (Profi-Line und Opal), WMF (Topstar) und Silit (Selezione) überprüft – und zwar Schnitzel- und Kammfleisch laut Anleitung ohne Fett gebraten. Und es funktionierte. In den Edelstahltöpfen haftete das Fleisch erst fest an, löste sich dann aber wieder. Das Ergebnis war eine gute und gleichmäßige Bräunung. Im Silit-Topf mit Antihaftbeschichtung haftete das Fleisch nicht an, das Ergebnis war eine schwache, eher ungleichmäßige Bräunung. Aber auch hier, wie in den Edelstahltöpfen, war das Fleisch danach immer zart und saftig durchgebraten – den Testern hats geschmeckt. Wermutstropfen: Die Edelstahltöpfe waren danach schwierig zu reini­gen. Das Angebrannte war weder nach dem Einweichen noch in der Spülmaschine sauber zu bekommen. Da mussten dann doch Schwamm und Scheuermilch ran.

Philosophie des Kochens

Fettarm zu braten ist sinnvoll, weil zu viel Fett ungesund ist und sich im überhitzten Fett Krebs erzeugende Substanzen bilden können. Wasserarmes Garen fördert die Gesundheit und spart Energie – wenn es ohne Anbrennen klappt. In den meisten Töpfen ist das möglich, wie ältere Tests der Stiftung Warentest gezeigt haben. Deshalb ist es eigentlich sinnvoll, wenn Topfhersteller eine solche Kochmethode empfehlen. Der Anbieter AMC vertritt diese Art des Kochens allerdings sehr offensiv in den Kochvorführungen, Werbebroschüren und Gebrauchsanleitungen. Grundlage dabei ist, dass der Deckel beim Garen auf dem Topf bleibt. Er ist mit einem Messgerät am Deckelgriff ausgerüstet, das die optimale Gartemperatur anzeigen soll.

Wir sehen das eher skeptisch, und zwar aus mehreren Gründen: Zum einen erfordert es eine Umstellung der Kochgewohnheiten. Das Kochen nach erlernten oder neuen Rezepten aus normalen (nicht AMC-)Kochbüchern klappt oft nicht mehr so wie gewohnt. Viele Elemente, die Spaß machen, etwa das Umrühren und Topfgucken, fallen vielfach weg. Auch schmeckt es vielen nicht so gut, wenn ohne Fett gebraten wird. Das alles erschwert es sicherlich, sich immer an die Empfehlung von AMC zu halten. Und Speisen wie Reis und Nudeln lassen sich sowieso nicht ohne Wasser kochen. Der in der Werbung versprochene geringere Energieverbrauch gilt aber nur für die wasserarme Kochmethode – und das können andere Töpfe auch. Wie der Test zeigt, verbraucht der AMC-Topf nicht besonders wenig Energie.

Heiße Griffe

Wenn die Gäste schon am Tisch sitzen und das Essen noch nicht fertig ist, kann es schon mal hektisch zugehen. Wer denkt da immer daran, die Topfgriffe mit einem Topflappen anzufassen? Deshalb sollten Griffe nicht zu heiß werden. Doch im Test wurden manche so heiß, dass man sich die Finger hätte verbrennen können. Wird das Problem wie zum Beispiel bei WMF (Topstar) nicht einmal in der Gebrauchsanleitung erwähnt, ist das schlimm. Der Anbieter Berndes liefert beim Bonanza-Topf immerhin kleine Stoffohren mit, die vor den heißen Griffen schützen. Oft waren es Griffe aus Edelstahl und Aluguss, die zu heiß wurden. Kunststoffgriffe haben allerdings den Nachteil, dass sie nicht oder nur bedingt im Backofen einsetzbar sind.

Schlechte Noten haben wir ansonsten aber nicht für die Handhabung vergeben. Es gab ein paar kleine Probleme: Zum Beispiel waren manche Griffe etwas klein und nicht so bequem zu greifen (Berndes Bonanza, Elo Alutherm). In einigen Glasdeckeln können sich Wasser und damit auch Speisereste, etwa aus Suppe, im Deckelrand zwischen Glas und Edelstahl sammeln (Berndes Injoy, Elo, Fissler Black Edition, Geithaimer, Schulte-Ufer Opal, WMF Diadem, Lidl und Tchibo). Weiteres Beispiel: Manche Töpfe mussten zum Ausgießen weit geneigt werden, das galt für die Töpfe von Geithaimer, Rösle, Silit (Vision), Schulte-Ufer (Opal), Tchibo und WMF (Diadem).

Aber es gibt auch Positives zu berichten. Praktisch ist es zum Beispiel, dass sich bei den Töpfen von AMC und von Rösle der Deckel am Topf, oberhalb der Griffe, einhängen lässt. So tropft das Wasser nicht vom Deckel auf die Arbeitsplatte oder den Herd. Und einige Töpfe sind im Set besonders platzsparend und lassen sich einfach stapeln (Elo/Blumenranke, Berndes/Bonanza).

Sets sind billig – jetzt besonders

Topfsets sind überhaupt recht preiswert. Und jetzt besonders, denn viele Geschäfte haben die Haushaltswochen eingeläutet. Für den Test haben wir jeweils mehrere Töpfe, meist im Set, gekauft.

Die Preise in der Tabelle zeigen, dass Töpfe im Set fast immer billiger sind als einzeln gekaufte. Da lassen sich sogar 30 Prozent und mehr sparen. Besonders groß ist der Spareffekt zum Beispiel beim Diadem-Plus-Set von WMF: Einzeln gekauft kosten die vier Töpfe insgesamt 259 Euro, für das Set sind aber nur 149 Euro zu bezahlen. Die Ersparnis beträgt dabei also fast 40 Prozent. Bei den Topfsets von Schulte-Ufer (Opal und Profi-Line) und von Berndes (Bonanza und Injoy) liegt die Ersparnis jeweils bei etwa 30 Prozent.

Tipp: Achten Sie auch auf die aktuellen Sonderangebote, Kochtopf-Sets werden oft nochmals reduziert.

Gefahr durch Nickel?

Edelstahl enthält Nickel. Daher fragen Leser immer wieder, ob Nickel aus Edelstahltöpfen austritt und ob das für die Gesundheit gefährlich ist. Das haben wir an einem billigen und einem teuren Topf geprüft, und zwar unter Extrembedingungen: Wir haben darin Sauerkraut gekocht, weil die Säure besonders viel Nickel lösen kann. Das Ergebnis: Im zuvor unbelasteten Sauerkraut war nach dem Kochen Nickel nachweisbar, aber weniger als in nickelhal­tigen Nahrungsmitteln wie Schokolade oder Tee. Die Gehalte nahmen außerdem mit jedem Kochgang ab. Viele frühere Messungen der Stiftung Warentest und anderer Institute kamen zu ähnlichen Ergebnissen.

Die Werte sind also für normale Nutzer überhaupt nicht besorgniserregend. Allerdings gibt es eine Ausnahme: Manche Nickelallergiker reagieren auch auf Nickel in der Nahrung, eben zum Beispiel in Schokolade, Kaffee oder Tee. Für sie kann dann auch Kochgeschirr aus Edelstahl ein Problem sein. Wie viele Menschen so sensibel sind, ist statistisch nicht genau belegt. Einer Schätzung zufolge ist etwa jeder fünfte Nickelallergiker betroffen. Allergologen raten dann in diesen Fällen zu Emaille, Keramik oder Glas. Der Keramiktopf im Test, Silit Kochsystem Vision, wirbt damit, frei von Nickel zu sein.

Für die allermeisten Menschen ist Nickel in der Nahrung oder im Kochgeschirr aber kein Problem. Sie können ihre Töpfe getrost nach dem test-Qualitätsurteil auswählen – und nach dem Preis. Damit sie sich nicht so erschrecken wie die Eltern unserer Testerin. Die waren nämlich überrascht über die hohen Preise für die AMC-Töpfe, die ihnen geliefert wurden – versehentlich, denn eigentlich hatte die Tochter eine andere Lieferadresse angegeben. Schließlich sollten die Töpfe ein Geschenk zur Silberhochzeit sein.

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