Koch­felder im Test Test

Mit Induktions­geräten lässt sich besser kochen als mit Wärmestrahlung*), mit dem 650-Euro-Modell von Bosch besser als mit dem 3 800 Euro teuren Gaggenau.

Auf einer Party ist die Küche oft der lebendigste Ort. Das hat Tradition. Schon in grauer Vorzeit sammelten sich die Menschen gern um eine Koch­stelle. Sie war der Mittel­punkt des Hauses. Viele Kulturen kannten sogar Gott­heiten, die sich dem Herdfeuer widmeten. Stell­vertretend sei Hestia genannt, Göttin im Olymp.

Tech­nisch gesehen hat sich seit der Antike einiges getan am Herd. Vom prasselnden Holz­scheit ist man lange weg, ebenso vom rauchenden Kohlefeuer. Echte Flammen unterm Topf bieten nur noch Gaskoch­felder. Die erfordern jedoch einen Gasanschluss im Haus, den es oft nur in Groß­städten gibt. Durch­gesetzt haben sich daher die Elektrokoch­felder, ange­fangen von den veralteten Platten aus Guss­eisen über Glaskeramik­felder*) mit Wärmestrahlung bis hin zum modernen Induktions­herd mit flexiblen Kochzonen.

Gute Leistung für wenig Geld

Induktions­koch­felder punkten vor allem bei Koch­zeit, Energieverbrauch und Sicherheit. Doch die elektromagnetische Strahlung der Induktion ist nicht jedem geheuer Induktion. Von 22 Glaskeramikkoch­feldern im Test lässt es sich auf 2 Induktions­herden von Bosch und Siemens am besten kochen. Das Gerät von Bosch ist mit 650 Euro ein Schnäpp­chen – das ebenbürtige Modell von Siemens kostet fast doppelt so viel. Das mit 3 800 Euro teuerste Gerät im Test dagegen, das Induktions­feld von Gaggenau, liegt nur im Mittel­feld. Es schwächelt bei der Wärmever­teilung Testergebnisse.

Die meisten Koch­felder mit Wärmestrahlung sind nur befriedigend. Das liegt vor allem an mittel­mäßigen Ergeb­nissen der praktischen Koch­prüfungen. Nur Miele und Siemens – die zu den teuersten strahlungs­beheizten Geräten im Test zählen – schneiden gut ab. Für den Vergleich der Systeme haben wir exemplarisch auch drei Gaskocher in die praktischen Prüfungen einbezogen Tabelle: Gaskochfelder.

Turbo­schnell kochen mit Induktion

Der größte Unterschied zwischen Wärmestrahlung, Induktion und Gas besteht in der Koch­zeit. Induktions­felder heizen die Töpfe sehr schnell auf. Wird der Booster zuge­schaltet, eine zeitlich begrenzte Leistungs­steigerung, geht es noch etwas schneller. Wärmestrahlungs­felder*) und Gaskocher haben keine solche Turbo­stufe. Sie brauchen deutlich länger, bis etwa das Wasser kocht. Am meisten Geduld ist beim Gasherd gefragt.

Der Koch muss sich umstellen

Köche müssen ihr Verhalten am Herd umstellen, wenn sie sich für Induktion entscheiden. Das liegt am Tempo. Öl in der Pfanne zum Beispiel ist so schnell heiß, dass alle Zutaten bereit­stehen sollten, wenn man die Platte anschaltet. Manchem dürfte die Muße am Topf etwas fehlen.

Schnell kochen heißt auch spar­sam kochen. Induktions­felder brauchen etwa ein Fünftel weniger Strom als strahlungs­beheizte Platten. Das ist gut für die Umwelt. Im Geldbeutel ist das nicht unbe­dingt zu spüren: Viele Induktions­felder sind so teuer, dass sich die Strom­ersparnis gegen­über den Wärmestrahlungs­feldern*) auch nach zehn Jahren intensiver Nutzung nicht auszahlt. Beim Testsieger von Bosch ergänzen sich güns­tiger Kauf­preis und geringer Strom­verbrauch sehr vorteilhaft.

Was Kasse und Klima lieben

Ein Gaskocher verlangt für das gleiche Resultat doppelt so viel Energie wie ein Induktions­herd. Dennoch kocht man mit Gas umwelt­schonend und günstig zugleich. Durch die Verbrennung von Gas entstehen sehr viel weniger Treib­hausgase als durch eine Strom­produktion, bei der zum großen Teil Kohle verbrannt wird. Das trifft heute noch zu. Und Gas ist günstig. Die Kilowatt­stunde kostet im Schnitt nur ein Viertel dessen, was die gleiche Menge Strom kostet. Für Haus­halts­kasse und Klima ist Kochen mit Gas die beste Wahl.

Was sich fein regulieren lässt

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Wärmestrahlung: In der Mitte bildet sich meist ein Hotspot (links). Gas: Am Flammenkranz wird der Topfboden schneller heiß (rechts).

Dass viele Köche ihren Gaskocher lieben, mag auch daran liegen, dass er sofort reagiert, wenn man am Rädchen dreht. Damit können sie intuitiver kochen als mit der etwas trägen Wärmestrahlung. Induktions­koch­felder sind aber ebenso fein zu regeln.

Auf kleinster Stufe ist Induktion der Gasflamme sogar über­legen: Mit ihr lassen sich auch nied­rige Temperaturen von 40 bis 50 Grad Celsius einstellen. Gas ist auf kleinster Flamme schnell bei 100 Grad. Für manche Koch­kunst wie Schmelzen von Kuver­türe ist das zu heiß – sie brennt an. Auf Gaskochern geht das nur im Wasser­bad. Wer mit Gas kocht, muss auch damit leben, dass die Hitze am Topfboden ungleich­mäßig ankommt: am Flammenkranz viel, in der Mitte der Koch­stelle wenig.

Nur mit magnetisier­baren Töpfen

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Induktion. Der gesamte Rand wird häufig nicht aufgeheizt (links). Flächeninduktion. Einige Spulen am Rand heizen nicht (rechts).

Ähnliche Temperaturgefälle gibt es bei einigen Induktions­geräten. Unter der Glasplatte der Koch­felder liegen Spulen, die ein elektromagnetisches Feld im Topfboden erzeugen und ihn so aufheizen. Sie springen nur an, wenn ein magnetisier­barer Topf über ihnen steht. In der Mitte der Spule liegt ein Sensor zur Topf­erkennung. An dieser Stelle wird der Topf nicht erhitzt. Gut wärmeleitende Töpfe gleichen das beim Kochen aus, in anderen kann leicht etwas anbrennen.

Besonders wichtig ist die Topf­erkennung bei Koch­feldern mit Flächeninduktion. Bei ihnen können sich mehrere Spulen groß­flächig im Recht­eck zusam­menschalten. Das erlaubt dem Koch, Töpfe in allen Größen und Formen auf den Herd zu stellen – von einem ovalen Fisch­bräter bis zu einer recht­eckigen Grill­platte.

Beim teuren Gaggenau ist die gesamte Oberfläche eine einzige Kochzone mit vielen kleinen Spulen. Töpfe dürfen an jeder beliebigen Stelle stehen. Allerdings funk­tioniert die Topf­erkennung bei runden Töpfen nicht optimal. Am Rand springen die Spulen nicht immer an.

Jeder hat seine Favoriten

Beim Bedienen tun sich die Koch­felder nicht viel: Das klappt bei allen gut. Die Elektrogeräte werden über ein berührungs­empfindliches Bedien­feld gesteuert – bis auf den Neff, der einen zentralen Dreh­knopf hat. Manche Regler haben eine Skala, manche nur Plus-Minus-Tasten. Einige erlauben, jede einzelne Koch­stelle einzustellen, andere haben zentrale Regler für alle Platten. Die Testnutzer fanden alle Varianten nach kurzer Gewöhnungs­zeit gut, doch hatte auch jeder seine Favoriten. Vor dem Kauf ausprobieren.

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Bedientasten im Vergleich. Plus-Minus-Taste: Platte anwählen und dann rauf- und runter­regeln (links).
Skala: Komfort­ablel sind separate Regler mit einer Skala für jede Platte.

Bedientasten im Vergleich. Plus-Minus-Taste: Platte anwählen und dann rauf- und runter­regeln (links).
Skala: Komfort­ablel sind separate Regler mit einer Skala für jede Platte.

Induktions­koch­felder bleiben kühl

Ein Vorteil der Induktion ist, dass Bedien­felder relativ kühl bleiben. Der Topf wird erhitzt, nicht die Glasplatte. Die Finger kann sich der Koch zwar auch an den Reglern der strahlungs­beheizten Felder nicht verbrennen. Das kalte Kochen, wie Induktion genannt wird, erleichtert aber auch das Reinigen, da beim Über­kochen nichts einbrennen kann. Das ist bei den heißen Platten der Wärmestrahlung anders, die etwas aufwendiger sauber­zumachen sind.

Mitunter brummt es im Topf

Was mitunter nervte, waren die Geräusche einiger Induktions­felder. Beim Ankochen brummte es im Topf teil­weise für einige Minuten, wenn die Geräte mit voller Leistung heizten. Das Phänomen ist bekannt und das Geräusch kann sich je nach Topf­variante verändern. Wem daran gelegen ist, dass in der Küche nur die Party brummt und nicht der Topf, der sollte bei der Wahl seines Kochers darauf achten.

*) Wort geändert am 12. März 2015

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