Knochen Meldung

Auf dem Sofa sitzen und Milch trinken bringt den Knochen nicht genug. Man muss schon mobil werden, um auf Dauer mobil zu bleiben.

Das Skelett ist eine Großbaustelle, und zwar das ganze Leben lang. Ständig werden unsere Knochen ab- und auch wieder aufgebaut. Das besorgen bestimmte Knochenzellen: Die Osteoklasten graben ein Loch in den Knochen, das die Osteoblasten auffüllen – solange beide gleich aktiv sind. Ist das Gleichgewicht gestört, graben die Osteoklasten Löcher, die leer bleiben: Die Knochenmasse wird ausgedünnt.

Solche Umbauarbeiten ermöglichen es den Knochen, auf unterschiedliche Anforderungen zu reagieren. Zum Beispiel bei viel Bewegung, das heißt Muskelaktivität. Dadurch werden die Knochen stärker und stabiler. Bei feinen Rissen, die durch starke Beanspruchung entstehen, beginnen Osteoklasten und -blasten umgehend mit der Reparatur. Umgekehrt bauen die Osteoklasten Knochenmasse in wenig belasteten Bereichen ab. Die wäre für den Körper überflüssige Knochensubstanz, die er ernähren müsste. So war bei Raumfahrern die Knochensubstanz nach der Landung deutlich gemindert. Denn in der Schwerelosigkeit mussten sie kaum einen Muskel zur Fortbewegung rühren.

Aber das Skelett geht auch in die Knie, ohne dass man in den Weltraum reist. Das Problem heißt Osteoporose. Der Knochenschwund kommt mit den Jahren: Rund 40 Prozent aller Frauen und 12 Prozent aller Männer erleiden eine oder mehrere osteoporotische Frakturen. Etwa jeder zweite dieser Brüche wird gar nicht bemerkt, zumindest anfangs. Später schon, wenn sich die Struktur der Rückenwirbel weiter verändert oder Hüftfrakturen auftreten, was meist jenseits der 75 passiert. Vorbeugen ist aber möglich, vor allem durch richtige Ernährung und Bewegung.

Zur Ernährung brauchen die Knochen Kalzium. Etwa ein- bis anderthalb Kilo schleppen wir mit uns herum, 99 Prozent davon als Baustoffe für Knochen und Zähne. Der Rest ist im Blut und dort unentbehrlich beispielsweise für Blutgerinnung, Immunabwehr, Muskeltätigkeit und Nervenübertragung.

Etwa 300 Milligramm dieses Mineralstoffs verliert der Körper täglich über Stuhl und Urin. Das muss nachgelegt werden, und zwar in deutlich größeren Mengen. Denn der Körper kann das Kalzium aus der Nahrung nur zum Teil verarbeiten. Wie der Knochenaufbau zustande kommt, ist noch nicht völlig enträtselt. Nur so viel steht fest: Die Gleichung „Viel Milch gleich feste Knochen“ ist zu einfach. Das Kalzium, das man mit der Nahrung zu sich nimmt, ist nur ein Angebot an den Körper. Er muss es auch einbauen können. Wahrscheinlich gibt es mindestens 200 Größen, die einen Einfluss auf die Kalziumbalance im Körper haben.

Stabilitätsfaktoren

So die Hormone: Bei Frauen nach der Menopause kann der Knochenschwund besonders schnell gehen, weil die Östrogene abnehmen. Mit Bewegung kann man dagegen halten, mit Ernährung auch. Wichtige Faktoren für die Kalziumbalance:

  • Die Gene. Die Knochenmasse ist wahrscheinlich zu etwa 75 Prozent vererbt und zum guten Teil auch die Neigung zu Knochenschwund. Es ist aber nicht ganz klar, wie die Vererbung läuft, und es muss auch nicht jeder die Gene von belasteten Eltern mitbekommen. Klar ist auch, dass für die Wirbelsäule andere Gene eine Rolle spielen als beispielsweise für die Hüfte. Das Vererbte ist auch nichts Endgültiges. Krankheiten, Medikamente und Lebensstil können die Knochen in jeder Phase beeinflussen, auch zum Besseren.
  • Die Knochenmasse. Sie entwickelt sich am stärksten in der Pubertät, zwischen 20 und 30 ist sie auf dem Höhepunkt. Danach gehts bergab, altersbedingter Knochenschwund ist unvermeidlich. Wenn man aber in jungen Jahren reichlich stabile Knochenmasse aufgebaut hat, sind die Chancen größer, später gut zu Fuß zu sein.
  • Bewegung. Nur ein Knochen, der gefordert ist, wird stark und bleibt stark. Die maximalen Kräfte entstehen durch Bewegung, also Muskelkontraktionen. Wobei alle Bewegungen sinnvoll sind, vor allem aber solche mit hohem Krafteinsatz. Besonders wirksam: Walking, alle Sprungarten, aber auch Krafttraining. Solche Aktivitäten führen offenbar in jungen Jahren selbst dann zu solider Knochenmasse, wenn der Nachwuchs weniger Milch und andere kalziumreiche Nahrungsmittel zu sich nimmt, als Ernährungsexperten empfehlen. Das legen jedenfalls Untersuchungen des Kinderarztes Professor Eckhart Schönau an der Universität Köln nahe.
  • Ernährung. Auch hier gilt: Möglichst abwechslungsreich und ausgewogen essen. Kalzium steckt vor allem in Milch und besonders konzentriert in Käse. Auch reichlich Mineralwasser mit viel Kalzium ist hilfreich. Ebenfalls sinnvoll: Gemüse, Fisch, alles mit Vitamin D. Schützend kann Alkohol wirken – aber höchstens ein Glas Wein oder Bier pro Tag. Denn zu viel Alkohol schadet, ebenso Rauchen.

Dieser Artikel ist hilfreich. 1302 Nutzer finden das hilfreich.