Klima­schutz

„Kompensieren bringt sehr viel“

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Klima­schutz - CO2 sparen – ein Selbst­versuch
Michael Bilharz lebt klima­neutral, auch dank Kompensation. © Privat

Michael Bilharz, Experte für nach­haltigen Konsum im Umwelt­bundes­amt und Buch­autor, nennt die wichtigsten Sofortmaßnahmen, mit denen jeder seine CO2-Bilanz verbessern kann.

Inhalt
  1. Überblick
  2. „Kompensieren bringt sehr viel“
  3. Artikel als PDF (4 Seiten)

Was kann ein Einzelner tun, um seinen CO2-Ausstoß zu verringern?

Es ist verständlich, dass jeder zuerst auf sich selbst schaut. Aber beim Klima­schutz geht es nicht um den eigenen Heiligen­schein. Manchmal bringt es mehr, bei der Apfel­ernte des Nach­barn zu helfen, als den Blick auf die Äpfel im eigenen Baum zu richten, die man nur schwer erreichen kann.

Das heißt?

Ich kann CO2 auch bei anderen einsparen. Zum Beispiel, indem ich in bestehende Klima­schutz­projekte investiere und so meinen eigenen CO2-Ausstoß kompensiere. Das ist oft wirkungs­voller und einfacher, als ständig nur den eigenen Lebens­stil zu hinterfragen.

Was kostet es, den eigenen CO2-Ausstoß zu kompensieren und wie mache ich das?

Sie können Anbietern von CO2-Kompensation Geld für ein Klima­schutz­projekt spenden. Bei Atmosfair oder Myclimate zum Beispiel kostet der Ausgleich knapp über 20 Euro pro Tonne. Wer einen gemeinnützigen Anbieter unterstützt, kann die Zahlung als Spende von der Steuer absetzen. Durch Kompensation kann jeder tonnen­weise CO2 ausgleichen und schon heute klima­neutral leben.

Kompensieren ist das eine. Trotzdem möchten viele auch bei sich ansetzen. Wie machen sie das am besten?

Am besten geht das mit dem Blick auf die Big Points, das heißt auf die Maßnahmen, die besonders viel CO2 einsparen können. Beziehe ich Ökostrom? Nutze ich für Kurz­stre­cken mein Fahr­rad? Ist mein Haus gut gedämmt? Kaufe ich bio? Als Sofortmaßnahmen kann ich Mitglied in einem Umwelt­verband werden, mein Giro­konto bei einer Umwelt­bank eröffnen, weniger tierische Lebens­mittel zu mir nehmen und vor allem seltener ins Flugzeug steigen.

Im Selbst­versuch habe ich gemerkt, dass ich für den Klima­schutz ein paar Gewohn­heiten ablegen musste …

Beim Klima­schutz ist es wichtig, Strukturen zu verändern – auf politischer Ebene wie im privaten Bereich. Wer ein Auto hat, nutzt es – allein, weil es fahr­bereit vor der Tür steht. Cars­haring ändert die Strukturen: Man fährt nur Auto, wenn man es wirk­lich braucht. Bis zu einer jähr­lichen Strecke von 10 000 Kilo­meter ist Cars­haring sogar güns­tiger als ein eigenes Auto. Ein anderes Beispiel: Wenn ich einmalig mein Haus dämme, muss ich mir nicht ständig Gedanken machen, wie ich beim Heizen Energie einsparen kann. Dann muss ich auto­matisch weniger heizen.

Tipp: Einen Test der Anbieter von CO2-Zertifikaten finden Sie in Finanztest 3/2018 unter CO2-Kompensation.

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MarkRad am 21.08.2019 um 13:05 Uhr
CO2-Einsparung allein reicht nicht

Die Einsparung von CO2 allein reicht meiner Meinung nicht. Ohne die gleichzeitige CO2-Kompensation kommen wir nicht schnell genug auf die nötige Nullemission. Bei der CO2-Kompensation sollte man die Möglichkeiten der Eigeninitiative nicht außer Acht lassen. Photovoltaik auf dem eigenen Dach oder über Anteile an lokalen Energiegenossenschaften (da auch mit Wind und Wasser) bringen eine CO2-Kompensation bei gleichzeitiger Rendite. Die Rendite kann man dann in weitere Projekte zur CO2-Kompensation stecken oder sich guten Gewissens auch mal eine etwas gönnen, das in der CO2-Bilanz nicht gut aussieht. Ich würde mich freuen, wenn test.de in der Thematik der aktiven Einbindung der Menschen in die Energiewende und der Abwendung des Klimawandels deutlich schneller und aktiver wäre. Wie z.B. bei der erfolgreichen Verbesserung von Versicherungsklauseln hätte test.de auch hier die Möglichkeit die Angebote der Marktteilnehmer zu verbessern.

A.Schmidt am 04.07.2019 um 09:13 Uhr
Hauptstromverbrauch ist (Wasser) wärmen

Die Hälfte des Stroms im Haushalt wird für das Erwärmen, hauptsächlich von Wasser, verbraucht.
Ein Durchlauferhitzer hat 18.000 Watt, ein Boiler 2.000 Watt und er läuft 10 mal so lang.
Auch bei der Spül- und Waschmaschine geht ein Großteil des Verbrauchs in's Wassererwärmen, beim Trockner sowieso.
Ein Handy-Ladegerät verbraucht Dank EU-Regeln im Standby 0,1 Watt, da lohnt sich das Ausstecken nicht.
Der Anteil der Beleuchtung ist, sofern Energiesparlampen, Leuchtstoffröhren und LEDs eingesetzt werden, auch überschaubar.

Gelöschter Nutzer am 03.07.2019 um 06:41 Uhr
@Adri84

Auch an sie die Frage: "Wie groß ist denn der Unterschied?"
Denn sie behaupten ja, wir könnten einen "großen" Unterschied machen. Und wenn sie so etwas behaupten, werden sie das ja zumindest ansatzweise quantifizieren können.

Adri84 am 02.07.2019 um 22:38 Uhr
Ein Schritt in die richtige Richtung

Ich finde es super, dass die Familie über ihre Gewohnheiten nachdenken und ein Beitrag leisten möchte. Aus meiner Sicht müssen wir uns die Frage stellen, wie wir miteinander leben wollen. Und mit Flügen, Autos, Fleisch und Co können wir nicht alle Menschen, oder gar die Hälfte der weltbewohner verwöhnen. In Deutschland leben wir über unsere Ressourcen. Und wir können ja nicht darauf warten, dass alle andere anfangen verantwortlich mit Ressourcen und Klima umzugehen: staat, industrie, USA oder China. Wir sind auch selbst verantwortlich, auch wenn es andere gibt die "schlimmer" sind. Also auch im Alltag, mit öffis, Fahrrad und weniger Fleisch machen wir zusammen einen großen Unterschied und ein Beitrag zu einer Kultur von Rücksicht und Solidarität.

Gelöschter Nutzer am 02.07.2019 um 09:22 Uhr
Frage

Zitat: „Papi hat mir in der Woche ein Salamibrot für die Kita einge­packt. Das war doof.“
Spätestens hier steigt mir die Galle hoch. Religiöser Fundamentalismus ist auch dann zu verurteilen, wenn es sich um die Klimareligion handelt.
Aber nun mal eine ganz praktische Frage. Um wie viel weniger ist nun die Erdmitteltemperatur gestiegen, durch die Selbstkasteiung der Familie? Die Frage können unsere devoten Klimareligionsanhänger doch sicher beantworten. Oder etwa nicht?