Klimageräte im Test

Einbau von Klimageräten: Das müssen Wohnungs­eigentümer wissen

18.06.2021
Klimageräte im Test - Mono­block oder Splitgerät?
Kühle Luft. Vieler­orts (hier New York) sind Klima­anlagen üblich. An ihren Anblick wird man sich auch in Deutsch­land gewöhnen. © Getty Images

[Stand: 12.8.2021] Das neue Recht für Wohnungs­eigentümer hat den Einbau von Klimaanlagen einfacher gemacht. Die Rechts­experten der Stiftung Warentest sagen, worauf Sie achten müssen.

Klimageräte im Test

  • Testergebnisse für 5 Klimageräte Mono­blöcke 06/2021
  • Testergebnisse für 5 Klimageräte Splitgeräte 06/2021
  • Testergebnisse für 4 Klimageräte Mono­blöcke 06/2020
  • Testergebnisse für 6 Klimageräte Splitgeräte 06/2020
Für 4,50 € freischalten
Inhalt

Unser Rat

Eigentümer­versamm­lung.
Versuchen Sie, mit einem detaillierten Bauvorschlag in der Eigentümer­versamm­lung eine Mehr­heit für den Einbau Ihres Klimageräts zu bekommen. Hat das geklappt, sollten Sie die einmonatige Anfechtungs­frist noch abwarten, bevor Sie mit der Installation beginnen.

Für Besitzer einer Eigentums­wohnung ist die Installation eines Splitgeräts, bestehend aus einem Gerät in der Wohnung und einem Gerät mit Ventilator außer­halb, kein Selbst­läufer. Denn die Klima­anlagen sind erstens optisch kein Hingu­cker, sie machen außerdem oft Lärm. Das könnte manchen Nach­bar nerven. Mit dem neuen Recht für Wohnungs­eigentümer seit Ende 2020 ist es jedoch einfacher geworden, die Installation in der Wohn­anlage durch­zusetzen.

Mehr­heit beschließt über Einbau

Der Gesetz­geber hat das Wohnungs­eigentums­gesetz Ende 2020 grund­legend reformiert. Jede Baumaß­nahme, die das Gemein­schafts­eigentum verändert, wie das Bohren von Löchern in die Hausfassade, kann nun mit einfacher Mehr­heit der Anwesenden in einer Eigentümer­versamm­lung beschlossen werden. Sind von zehn Eigentümern sieben erschienen, benötigt derjenige, der an der Hausfassade das Außengerät einer Klima­anlage anbringen will, also nur vier Ja-Stimmen.

Anfechtung der Klimagerät-Erlaubnis erschwert. Zwar kann anschließend jeder Eigentümer diesen sogenannten Gestattungs­beschluss einen Monat lang beim Amts­gericht am Ort der Wohn­anlage anfechten. Matthias Löffler, Richter am Amts­gericht Hannover und Experte für Wohnungs­eigentums­recht, erklärt: „Erfolg hat eine solche Anfechtungs­klage aber nur, wenn das Klimagerät entweder die Wohn­anlage grund­legend umge­staltet – etwa optisch – oder einen Eigentümer gegen­über den anderen unbil­lig benach­teiligt – etwa durch den Lärm des Geräts.“

Wichtig: Mehr­heit organisieren

Eigentümer, die ein Splitgerät installieren wollen, sollten alles daran setzen, in der Eigentümer­versamm­lung eine Mehr­heit zu organisieren. Tausch­geschäfte mit Nach­barn wie „Du stimmst meinem Klimagerät zu, dann stimme ich Deiner Markise zu“ sind dabei durch­aus möglich. Selbst das Abkaufen einer Zustimmung ist denk­bar.

Gut vorbereitet in die Eigentümer­versamm­lung. Außerdem sollten Bauwil­lige für die Eigentümer­versamm­lung gut vorbereitet sein und dem Verwalter früh­zeitig eine möglichst detaillierte Beschluss­vorlage zuschi­cken. Darin sollten die erforderlichen Eingriffe in die Fassade (Durch­messer der notwendigen Bohrungen), ein Produkt­blatt zum Klimagerät, ein Hand­werk­erangebot für die Installations­arbeiten sowie eine Zeichnung zum Installations­ort enthalten sein.

Klimagerät ist keine Umge­staltung

Michael Nack, Rechts­anwalt und Referent vom Eigentümer­verband Wohnen im Eigentum sagt: „Nach alter Rechts­lage hatte jeder Eigentümer, der ein an der Hausfassade angebrachtes Gerät sehen konnte, ein Vetorecht und konnte die von einer Mehr­heit getragene Gestattung der Klima­anlage angreifen.“ Nun liege die Latte für eine Anfechtung höher. Nach Ansicht von Rechts­anwalt Nack ist ein einfaches, an der Fassade angebrachtes Klimagerät keine grund­legende Umge­staltung der Wohn­anlage. So sieht es auch Amts­richter Löffler.

Problematisch: Der Lärm

Der Lärm, der vom Ventilator des Außengeräts ausgeht, kann Anlass für eine Anfechtungs­klage sein. Ab wann Gerichte von einer unbil­ligen Benach­teiligung ausgehen, bleibt abzu­warten. Wahr­scheinlich werden wie nach alter Rechts­lage die Lärm­schutz­vorschriften der „Tech­nischen Anleitung zum Schutz gegen Lärm“ (TA-Lärm) eine Rolle spielen.

So leise muss ein Klimagerät sein. Danach dürfen stationäre Geräte außer­halb von Gebäuden in reinen Wohn­gebieten tags­über den Geräusch­pegel von 50 dB(A) – Dezibel, bewertet mit Frequenzfilter A – nicht über­schreiten. Nachts (zwischen 22 Uhr abends und 6 Uhr früh) beträgt der Grenz­wert 35 dB(A). Zum Vergleich: Flüstern hat oft einen Geräusch­pegel von 30 bis 40 dB(A). Maßgeblich ist – vereinfacht gesagt – der Lärm, der beim nächsten Nach­barn nachts vor seinem Schlaf­zimmerfenster hörbar ist.

Klimageräte im Test

  • Testergebnisse für 5 Klimageräte Mono­blöcke 06/2021
  • Testergebnisse für 5 Klimageräte Splitgeräte 06/2021
  • Testergebnisse für 4 Klimageräte Mono­blöcke 06/2020
  • Testergebnisse für 6 Klimageräte Splitgeräte 06/2020
Für 4,50 € freischalten

Klimagerät nachts abschalten

Der vom Klimaaußengerät am stärksten betroffene Nach­bar könnte das Bauvorhaben also anfechten, wenn die Anlage so laut ist, dass recht­lich von einer „unbil­ligen Benach­teiligung“ gesprochen werden kann. Wie bereits erwähnt, hat er für die Anfechtung aber nur einen Monat nach dem Gestattungs­beschluss Zeit.

Klima­anlage nachts ausschalten. Um Nach­barbeschwerden über eine beein­trächtigte Nacht­ruhe zuvor­zukommen, kann es ratsam sein, schon in der Beschluss­vorlage für die Eigentümer­versamm­lung anzu­kündigen, dass das Gerät nachts per Zeit­schalt­uhr auto­matisch abge­schaltet wird. Selbst wenn in aufgeheizten Dach­wohnungen die Temperatur nach dem Abschalten wieder ansteigt, reicht die tags­über erzielte Abkühlung eventuell für die Nacht aus.

Anspruch auf Gestattung

Was machen nun Eigentümer, die keine Mehr­heit für ihr Klimagerät bekommen? Sie können eine „Beschlusserset­zungs­klage“ bei Gericht einreichen. Diese hat aber nur unter drei Voraus­setzungen Aussicht auf Erfolg:

  • Die Anlage muss so leise sein, dass sie niemanden stört. Oder der Nach­bar muss mit dem Lärm einverstanden sein.
  • Die Anlage darf für andere nicht sicht­bar sein (muss also etwa von der Balkonbrüstung verdeckt werden). Geräte, die an der Fassade oder auf dem Dach für alle sicht­bar angebracht werden, sind daher nicht per Klage durch­zubringen.
  • Sind Bohrungen in die Fassade zur Verbindung von Innen- und Außengerät nötig, dürfen diese nicht so groß sein, dass sie erheblich in die Bausubstanz eingreifen.

Wichtig: Umfang der Bohr­arbeiten. Das Ober­landes­gericht Düssel­dorf sah im Jahr 2006 eine Bohrung ins Mauer­werk mit einem Durch­messer von fünf Zenti­metern als unerheblich an (Az. I-3 Wx 197/06). Andere Gerichte sind strenger und betrachten solche Bohrungen als unzu­lässigen Eingriff (Land­gericht Frank­furt am Main, Az. 2-13 S 133/20).

Kostenrisiko beim Einklagen der Erlaubnis. Wer eine Beschlusserset­zungs­klage erhebt, geht also ein nicht kleines Risiko ein. Verliert er die Klage, ist sein Klima­projekt auf Eis gelegt und er zahlt die Anwalts- und Gerichts­kosten sowie eventuell Ausgaben für einen gericht­lich bestellten Sach­verständigen.

Kein Bauen ohne Beschluss

Keine gute Idee ist es, die Klima­anlage ohne Einschalten der Eigentümer­versamm­lung zu installieren. Im neuen Recht gilt der Grund­satz: Kein Bauen ohne Beschluss. Wer einfach loslegt, riskiert, die Anlage wieder abbauen und die Schäden an der Fassade rück­gängig machen zu müssen. Ist auch die Wärmedämmung des Gebäudes beein­trächtigt, kann das richtig teuer werden. Vom zerstörten Haus­frieden ganz zu schweigen. Wer einfach loslegt, riskiert, die Klima­anlage wieder abbauen zu müssen.

Tipp: Mehr Fragen zum Thema Klima­anlagen beant­worten wir in unseren FAQ Klimageräte.

Jetzt freischalten

Test Klimageräte im Test

18.06.2021

Sie erhalten den kompletten Artikel mit Testtabelle.

4,50 €

Wie wollen Sie bezahlen?

  • test.de-Flatrate

    Freier Zugriff auf alle Testergebnisse und Online-Artikel für 7,90 € pro Monat oder 54,90 € im Jahr. Abonnenten von test oder Finanztest zahlen die Hälfte.

    Flatrate neu erwerben
  • Diesen Artikel per Kreditkarte kaufen
  • Diesen Artikel per PayPal kaufen
  • Diesen Artikel per Handy kaufen
  • Gutschein einlösen

Preise inkl. MwSt.

Fragen zum Kauf beantworten wir in unserem Hilfe-Bereich.

Warum ist dieser Artikel kostenpflichtig?

Die Stiftung Warentest

  • kauft alle Testprodukte anonym im Handel ein,
  • nimmt Dienstleistungen verdeckt in Anspruch,
  • lässt mit wissenschaftlichen Methoden in unabhängigen Instituten testen,
  • ist vollständig anzeigenfrei,
  • erhält nur rund 3 Prozent ihrer Erträge als öffentlichen Zuschuss.
  • Mehr zum Thema

    Hitze­schutz Kühlen, Lüften, Dämmen – was wirk­lich gegen Hitze hilft

    - Wirds im Haus zu heiß, helfen Ventilatoren, Klimageräte, Jalousien oder Sonnen­schutz­folien. Wer aber nach­haltig für Hitze­schutz sorgen will, muss ans Gebäude.

    Strom­tarif Einfach Strom­anbieter wechseln und sparen

    - Den Strom­anbieter zu wechseln, ist einfach. Entweder nutzen Kunden ein Vergleichs­portal oder einen Wechsel­service, der ihnen alles abnimmt. test.de erklärt, wie es geht.

    Sparwunder Strom­kosten mithilfe des Arbeit­gebers senken?

    - Ein Strom­anbieter verspricht Kunden, über einen Steuertrick bis zu 320 Euro an Abgaben einzusparen. Die Stiftung Warentest sagt, warum das Angebot riskant sein kann.