Klimageräte im Test

„Coronaviren vermehren sich nicht in Klimageräten“

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Klimageräte im Test - Klappt die kühle Brise?
Daniel de Graaf. Der Biochemiker und Infektions­biologe arbeitet als Experte für Klimageräte im Umwelt­bundes­amt. © Stiftung Warentest / Hendrik Rauch

Sind Klimageräte Viren­schleudern? Das fragen sich Nutze­rinnen und Nutzer nicht erst seit Corona. Daniel de Graaf vom Umwelt­bundes­amt gibt teil­weise Entwarnung.

Klimageräte im Test

  • Testergebnisse für 13 Klimageräte Splitgeräte 06/2021, 06/2022
  • Testergebnisse für 5 Klimageräte Mono­blöcke 06/2021
Inhalt

Keine Gefahr durch dezentrale Klimageräte

Können Klimageräte Coronaviren vermehren und verteilen?

Vermehren können sich Coronaviren nur in Wirts­zellen, beispiels­weise in Menschen – aber nicht in der Umwelt und auch nicht in Klimageräten. Das Beispiel des Kreuz­fahrt­schiffs „Diamond Princess“ zeigte aber 2020, dass Coronaviren über Lüftungs­anlagen verbreitet werden können. Schon beim SARS-1-Erreger 2002/2003 wurde in einigen Fällen vermutet, dass er über Lüftungs­einrichtungen im Gebäude verteilt und über­tragen wurde. Darüber, wie lange das neue Coronavirus-2 in der Luft infektiös ist, gibt es noch keine gesicherten Erkennt­nisse. Eine Über­tragung kann über Tröpf­chen oder Aerosole erfolgen. Tröpf­chen spielen nur in unmittel­barer Nähe einer infizierten Person eine Rolle, wogegen Aerosole sich mit der Luft­strömung im gesamten Raum verteilen können. Welche der beiden Über­tragungs­wege dominiert, ist immer noch Gegen­stand wissenschaftlicher Diskussionen.

Verteilen Klimageräte auch in der Wohnung Aerosole?

Bei Wohnungen müssen Sie unterscheiden zwischen dezentralen Klimageräten, die zur Entfeuchtung und Temperierung einzelner Räume dienen, und zentral gesteuerten Lüftungs­anlagen mit Klimatisierungs­funk­tion. Bei dezentralen Geräten, die nur einzelne Räume kühlen, kann es nicht zu einer Verbreitung von Viren von einem Raum, in dem sich die infizierte Person aufhält, in andere Bereiche eines Gebäudes kommen. Daher ist der Betrieb dieser Geräte im Hinblick auf die Über­tragung von Coronaviren unkritisch.

Gilt das für Split- und Mono­geräte gleichermaßen?

Ja. Splitgeräte saugen die Luft im Zimmer an, kühlen sie ab und blasen sie wieder ins gleiche Zimmer zurück. Mono­blöcke wälzen die Raum­luft ebenfalls um und führen die Zimmerluft auch über den Abluft­schlauch nach draußen ab. Durch den Fens­terschlitz strömt frische Außen­luft ins Zimmer zurück. Das ist beides unpro­blematisch für die Über­tragung von Viren.

Zentrale Anlagen können durch Fehl­planung gefährden

Und wie sieht es mit zentralen Klima­anlagen aus?

Bei zentralen Klima­anlagen ist die regel­mäßige Wartung und Kontrolle sehr wichtig, um beispiels­weise Fehl­strömungen zu vermeiden. Per se sind solche Anlagen keine „Keim- oder Viren­schleudern“. Wenn die Luft­führung konsequent getrennt voneinander erfolgt, sodass die in einem Raum abge­saugte Luft nur indirekt mit der Zuluft über einen Wärmeüber­trager in Kontakt steht und nicht in andere Räume gelangen kann, besteht kein Risiko der Über­tragung von Viren im Gebäude. Durch eine falsche Planung oder unzu­reichende Wartung können aber Fehl­strömungen auftreten, die dazu führen, dass die Abluft aus einem Gebäude­bereich als Zuluft in einen anderen Bereich gelangen kann. In solchen Fällen kann eine Verbreitung von Viren über die Klima­anlage nicht ausgeschlossen werden.

Haben Sie einen Tipp, wie Nutzer eines Klimageräts das Infektions­risiko minimieren können?

Wie gesagt, Coronaviren können sich in Klimageräten zwar ansammeln, aber nicht aktiv vermehren. Generell sollten solche Geräte aber unbe­dingt regel­mäßig gewartet und entsprechend den Angaben der Hersteller regel­mäßig gereinigt werden, um ein Wachs­tum von Bakterien und anderen Mikro­organismen zu vermeiden, die ebenfalls zu gesundheitlichen Problemen führen können.

Klimageräte im Test

  • Testergebnisse für 13 Klimageräte Splitgeräte 06/2021, 06/2022
  • Testergebnisse für 5 Klimageräte Mono­blöcke 06/2021
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Fassion am 01.07.2022 um 17:08 Uhr
Hoffentlich nur der Anfang

Schön, dass das Thema Klimaanlage/Splitgeräte hier beleuchtet wird.
Nur schade, dass direkt schon im Titel davon wieder abgeraten wird.
Ich kann nur hoffen, dass sich das darin begründet, dass noch weitere Artikel zu diesem Thema folgen.
Denn, dass mit diesen Geräten gerade beim Heizen auch CO2 gespart werden kann (z.B. im Vergleich zu der hierzulande üblichen Gasheizung), wurde noch überhaupt nicht dargestellt.
Ich möchte daher dringend dafür plädieren einen weiteren Artikel zum Heizbetrieb dieser Geräte zu erarbeiten.

k_hahnenfuß am 24.06.2022 um 17:52 Uhr
Klimagerät für's Homeoffice im Haus

Es gab etliche Jahre, in denen ich nicht verstanden habe, warum eine Klimaanlage eine tolle Sache sein sollte. Dann habe ich ein Auslandssemester in Spanien gemacht und war unendlich froh über das Klimagerät. Bis ich eines in meinen eigenen vier Wänden hatte, sind dann dennoch noch einige Jahre vergangen. Letzten Endes haben nicht nur die heißen Nächte im Sommer den Ausschlag gegeben, sondern die viele Zeit im Homeoffice in den letzten Jahren. Bevor ich endlich bei einem Klimagerät von Vaillant zugegriffen habe, habe ich im Sommer tagsüber die Rollos unten lassen müssen, damit es wenigstens halbwegs erträglich war. Jetzt habe ich eine angenehme Temperatur und Tageslicht. Gleichzeitig. Ein echter Gewinn an Lebensqualität.

martin.schoenegg am 14.06.2022 um 22:57 Uhr
COP bei Wärmepumpen

Noch was...
Bei Wärmepumpen aller Art hängt der COP im Wesentlichen von der Temperaturdifferenz ab, die zu überwinden ist. Da die Heizleistung bereits einsetzt, wenn die Innenraumluft wenig erwärmt wird, braucht es keine hohen Temperaturen. Das lässt gerade bei Altbauten ohne Flächenheizungen gute COP erwarten.

martin.schoenegg am 14.06.2022 um 22:54 Uhr
Gerade der Heizbetrieb ist doch interessant!

Wann haben wir schon unter 0 °C? Die allermeiste Zeit im Jahr benötigt man die Heizung, wenn es nicht ganz so kalt ist. Die Klimaanlagen sind auch nicht ausschließlich für die Heizung da, wenn es richtig kalt wird, darf sie ruhig ausbleiben.
Auch das Argument, dass damit nur ein Raum geheizt würde kann ich nicht nachvollziehen, schließlich wird damit im Sommer ja auch nur ein Raum gekühlt. Und welche Räume sind das? Richtig, diejenigen, die man im Winter auch heizen will...
Also PV aufs Dach und Wände (Im Winter liegt da kein Schnee drauf und die Sonne kommt ohnehin fast waagrecht) und Splitanlagen an die Fenster. Das bringt wahrscheinlich mehr als die 50 m² Kollektoren auf dem Dach und ist deutlich billiger...
Schade, dass der Aspekt völlig untergegangen war. Von sinnvoller Beratung und Betrachtung verschiedenster Szenarien waren also beide Artikel weit entfernt :-(

Profilbild Stiftung_Warentest am 14.06.2022 um 13:03 Uhr
Sicherheit von R32

@Herr_BB: Leider können wir zu Ihrer Frage keine keine Antwort geben. Wir empfehlen Ihnen, bei der Verbraucherzentrale, beim Anbieter des Geräts und/oder beim Installateur nachzufragen.