Klimageräte Test

Die Sonnenseite des Hauses hat im Sommer ihre Schatten­seiten: Hinter Glasflächen wird es unerträglich heiß. Klimageräte schaffen Abhilfe, doch nur sechs sind gut.

Gaby K. stöhnt. In ihrem Wintergarten ist das Thermo­meter schon vormittags auf über 30 Grad Celsius geklettert – trotz geöff­neter Fenster. „Wenn die Sonne einige Stunden lang auf diesen Glas­kasten knallt, ist er unbe­wohn­bar“, klagt die frisch­gebackene Haus­eigentümerin. Der Vorbesitzer hatte ihr den Glas­anbau als wert­steigernden zusätzlichen Wohn­raum des Einfamilien­hauses verkauft. In Wahr­heit drohen nun Zusatz­kosten. Gaby K. erwägt notgedrungen, in eine kühlespendende Klima­anlage zu investieren.

Hitzestau bedroht Gesundheit

Klimageräte Test

Eiswasser. Ein Klimagerät bietet deutlich mehr Komfort, ist aber auch um Einiges teurer.

Sommerliche Hitze herrscht in diesen Wochen in vielen Wohnungen. Nicht nur in Wintergärten – auch hinter groß­zügig verglasten Südfens­tern und in schlecht­gedämmten Dach­wohnungen leiden zahlreiche Bewohner unter Schweiß­ausbrüchen. Ist es mittags sehr heiß und bringen selbst die Nächte kaum Abkühlung, bedrohen die hohen Temperaturen auch die Gesundheit. Gefährdet sind vor allem Menschen mit Herz-Kreis­lauf-Erkrankungen.

Das Leid der Hitze­geplagten ist der Kälte- und Klim­abranche Freud: Pro Jahr verkaufen Installateure und Baumärkte hier­zulande mehr als 100 000 Klimageräte. Für unseren Test haben wir zwölf Geräte aus unterschiedlichen Preisklassen ausgewählt. Der Schwer­punkt liegt auf den immer öfter verkauften fest­installierten Anlagen (Splitgeräte). Anders als die einteiligen Mono­block­geräte bestehen sie aus Kühl­teil und separatem Außen­teil. Splitgeräte versprechen eine schnel­lere Abkühlung, höhere Effizienz und mehr Komfort. Im Test kühlten sechs Kandidaten gut – alle­samt Splitgeräte. Diese arbeiten in der Tat viel effizienter als Mono­blöcke.

Ein Problem der Klima­anlagen ist der Lärm: Vor allem bei hoch einge­stellter Kühl­leistung kann das Betriebs­geräusch Bewohner und Nach­barn nerven.

Heiße Luft wird abge­leitet

Klimageräte arbeiten nach dem gleichen Prinzip wie Kühl­schränke. Anders als diese geben sie die entstehende Abwärme jedoch nicht an die Raum­luft ab, sondern befördern sie ins Freie (siehe Grafik):

  • Die kompakten Mono­geräte pusten die Abluft durch einen etwa 14 Zenti­meter dicken Schlauch zum Fenster hinaus.
  • Splitgeräte befördern die Wärme über eine wesentlich dünnere Kälte­mittel­leitung durch ein Loch in der Außenwand nach draußen. Vorteil: Fenster bleiben zu.
Klimageräte Test

Effizienz hilft sparen

Ein wichtiger Grund für die Über­legenheit der Splitgeräte: Sie über­tragen die Wärme besser. Alle Geräte nutzen dazu Rohr­schlangen mit Metall­rippen, die denen auf der Rück­seite von Kühl­schränken ähneln. Die zwei­teiligen Splitgeräte bieten dafür schlicht mehr Platz als die Mono­blöcke.

Tipp: Je größer der Kühlbedarf im Raum und je länger die voraus­sicht­liche Betriebs­dauer, desto eher sollten Sie auf ein energieeffizientes Gerät setzen. Die spar­samen Splitmodelle im Test verursachen bei vergleich­barer Kühl­leistung weniger als die Hälfte der Strom­kosten der Mono­geräte.

Eine weitere Ursache für den Stromhunger vieler Mono­block­geräte ist ihr Abluft­schlauch. Im Raum entsteht bei Betrieb ein leichter Unter­druck, sodass oft warme Außen­luft zurück ins Zimmer strömt. Um diese abzu­kühlen, benötigt das Gerät zusätzliche Energie. Versuche, den Fens­terspalt abzu­dichten, werden nur wenig helfen: Die Luft dringt dann durch andere Öffnungen, darunter Fugen und Ritzen, ins Haus ein.

Tipp: Kommt der Einbau eines Splitgeräts nicht infrage, sollten Sie sich für das Mono Stiebel Eltron ACP 24 mit zwei Schläuchen entscheiden – einen für die Zu- und einen für die Abluft. Da hier kein Unter­druck entsteht, können Sie den Fens­terspalt mit passendem Zubehör effizienter abdichten als bei Geräten mit nur einem „Rüssel“.

4 bis 6 Grad weniger als draußen

Hoher Kühl­komfort ist nicht selbst­verständlich. Die Mess­geräte registrierten bei Mono- und Splitgeräten im Test mehr­fach Luft­geschwindig­keiten von mehr als einem Meter pro Sekunde. Man muss kein sensibler Zeitgenosse sein, um dies als unangenehme Zugluft zu empfinden.

Tipp: Nutzen Sie die Einstell­möglich­keiten Ihres Klimageräts, um die Zugluft zu reduzieren. Kühlen Sie die Raum­luft nicht zu stark ab. Optimal sind meist 4 bis 6 Grad weniger als draußen. Größere Temperatur­unterschiede sind ungesund und erhöhen unnötig die Strom­kosten.

Ein Job für Profis

Wer ein Mono­gerät kauft, kann es aufstellen, anschließen, einschalten – fertig. Ein Splitgerät dürfen nur Fachleute installieren, die nach der Chemikalien-Klima­schutz­ver­ordnung zertifiziert sind. Die Vorschrift soll verhindern, dass Kälte­mittel in die Atmosphäre entweicht. Die Chemikalien mit den Abkür­zungen R32 (Difluor­methan) oder R410A (ein Gemisch aus Difluor­methan und Pentafluorethan) besitzen ein hohes Treib­haus­potenzial und tragen zur globalen Erwärmung bei.

Tipp: Fehlt bei der Installation die Sachkunde, drohen Schäden und der Verlust von Garan­tie­ansprüchen. Holen Sie Angebote mehrerer Fach­betriebe für Kälte- und Klima­technik ein. Lassen Sie den Kühlbedarf der Wohnung berechnen und wählen Sie dann ein passendes Gerät aus.

Üblich ist es, Kühlgeräte über den Installateur zu kaufen. Er erhält vom Hersteller Rabatte auf die Listen­preise, die er zum Teil an Kunden weitergibt. Die Montagekosten liegen oft bei 300 bis 800 Euro – abhängig vom Aufwand etwa für den Wand­durch­bruch, den Ablauf für Kondens­wasser oder die Wand­konsole draußen.

Wärmende Luft

Alle Splitgeräte im Test können nicht nur kühlen, sondern auch heizen. Sie wirken dabei wie beim Kühlen als Wärmepumpe – allerdings in umge­kehrter Richtung. Informationen zur Energieeffizienz eines Geräts im Heiz­betrieb liefert sein EU-Energielabel, das die saisonale Leistungs­zahl (SCOP) angibt. Von den neun Modellen deklariert Daikin den höchsten Wert.

Rumorende Kompressoren

Ein über­hitztes Zimmer mithilfe eines Klimageräts in eine wohl­temperierte Insel zu verwandeln, geht nicht lautlos vonstatten. Im Gegen­teil: Mit der Kühle kommt häufig der Lärm. Leider werden selbst bei geringer Lüfter­leistung Ohren und Nerven oft nicht geschont. Am lautesten empfanden unsere Prüfer die Mono­block­geräte von Comfee und Delonghi. Zusätzlich zum Gebläse rumoren hier auch die Kompressoren. Bei Splitgeräten sitzt diese Lärmquelle an der Außenwand.

Tipp: Suchen Sie gemein­sam mit dem Installateur nach einem Stand­ort für das Außengerät, an dem Sie selbst, aber auch Ihre Nach­barn weitest­gehend vor Ruhe­störung geschützt sind. Mitunter kann eine etwas längere Kälte­mittel­leitung lang­wierigem Ärger vorbeugen. Auf jeden Fall sollten sich Mieter den Einbau vorher schriftlich vom Vermieter genehmigen lassen.

Gaby K. wünscht sich für ihren Wintergarten vor allem eines: erhol­same Stille. Sie hat deshalb in Ruhe verschiedene Alternativen zu strom­betriebenen Klimageräten geprüft Tipps: Alternativen prüfen. Mitt­lerweile lieb­äugeln sie und ihre Familie mit einer anderen Lösung: „Wir wollen demnächst das Dach unseres Wintergartens komplett erneuern lassen – mit einer guten Dämmung als Schutz vor Hitze und Kälte. Oben­drauf kommt eine schattenspendende Solar­anlage. Damit produzieren wir am Ende sogar unseren eigenen Strom.“

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