Klimageräte Test

Die Verkäufer von Klimageräten erhoffen sich prächtige Geschäfte mit der sommerlichen Hitze. Da brauchen Verbraucher einen kühlen Kopf, denn drei der zwölf Klimageräte im Test sind „mangelhaft“.

Die Nachfrage nach Klimageräten hängt von Petrus ab. Kaum ein anderes Produkt verkauft sich so wetterabhängig. Potenzielle Kunden schwitzen erst einmal einige Tage lang und stöhnen unter der Hitze, bis der Leidensdruck sie für die Werbeversprechen der Anbieter empfänglich macht.

Der Betrieb von Klimageräten verursacht allerdings einen erhöhten Stromverbrauch und ist umstritten. Kritiker bemängeln, dass man damit nur die Symptome der Hitze behandelt, nicht aber die Ursachen des Problems beseitigt. Die Ursachen sind im wahrsten Sinne des Wortes oft hausgemacht. Große Dachfensterflächen, schlechte Gebäudedämmung, Südfassaden ohne Beschattung oder falsch geplante Wintergärten – Bauherren und Architekten treffen so manche Entscheidung, die im Sommer schweißtreibende Konsequenzen hat.

Tipp: Verbessern Sie besser den baulichen Hitzeschutz. Wo übermäßig viele Sonnenstrahlen gar nicht erst ins Haus gelangen können, droht auch keine extreme Überhitzung. Häufig kann schon ein Außenrollladen Wunder wirken (siehe „Tipps“).

Doch längst nicht alle Bausünden der Vergangenheit lassen sich im Nachhinein un­geschehen machen. Viele Maßnahmen sind teuer. Und Mietern sind bei baulichen Veränderungen ohnehin oft die Hände gebunden. In manchen Gebäuden drohen deshalb in Hitzesommern unerträgliche Zustände. Steigen die Temperaturen auf 30 Grad und höher, kann von Wohlbefinden keine Rede sein. Die Hitze verursacht sogar Gesundheits­gefahren. Senioren und kranke Menschen sind besonders betroffen.

Kein Wunder also, dass Hitzegeplagte mit einem Klimagerät liebäugeln. Doch welches hilft wirklich? Rechtzeitig zum Saisonbe­ginn soll unser Test bei der Entscheidung helfen. Die zwölf geprüften Klimageräte kosten wenige Hundert bis mehr als 2 000 Euro. Bei einigen kommen noch Kosten für die Installation und das Zubehör hinzu.

Ähnlich wie ein Kühlschrank

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Grundsätzlich funktionieren Klimageräte ähnlich wie ein Kühlschrank (siehe Infografik): Wie in dessen Innenraum gibt es Kühlflächen und – wie auf der Kühlschrank­rückseite – wärmeableitende Flächen. Entscheidender Unterschied zum Kühlschrank: Damit sich die Temperatur im Zimmer abkühlt, transportiert ein Klimagerät die Wär­me­energie nach draußen ins Freie. Das funktioniert auf zwei Wegen:

Zweiteilige Splitgeräte arbeiten quasi wie ein aufgeteilter Kühlschrank. Die kühlende Fläche ist in das Innengerät integriert, das im Zimmer hängt. Die wärmeableitende Fläche bildet einen wesentlichen Bestandteil des Außengeräts, das man zum Beispiel auf den Balkon stellen oder an die Fassade montieren kann (siehe Foto). Innen- und Außengerät sind durch flexible Rohrleitungen miteinander verbunden, in denen ein Kältemittel die Wärme durch ein Loch in der Wand transportiert.

Einteilige Monoblockgeräte bilden die kompakte Alternative: Kühlende und wärmende Flächen stecken im selben Gehäuse, sind aber strikt voneinander getrennt. Den Wärmeabtransport nach draußen ermöglicht in diesem Fall ein dicker Schlauch, durch den die aufgeheizte Luft zum Fenster hinausgepustet werden muss.

Da Klimageräte viel größere Räume als den Innenraum eines Kühlschranks kühlen sollen, brauchen sie vergleichsweise kräftigere Kompressoren. Außerdem sind Ventilatoren erforderlich, um die Wärmeübertra­gung zu beschleunigen. Das Problem: Ein Klimagerät kann in einer heißen Sommerperiode so viel Strom verbrauchen wie ein Kühlschrank im ganzen Jahr.

Tipp: In der Tabelle finden Sie die Stromkosten für 3 000 Betriebsstunden (bei starker Kühlleistung). Die Ausgaben für Energie können den Anschaffungspreis des Klimageräts im Laufe der Zeit weit übersteigen.

Ein ungünstiges Kosten-Nutzen-Verhältnis haben die meisten Monogeräte: Beim Abkühlen des Testraums von 35 auf 25 Grad Celsius hatten sie – anders als die Splitgeräte – erhebliche Probleme. Obwohl der Raum nur 14 Quadratmeter groß war, mussten die meisten Monogeräte bis zu drei Stunden lang kräftig pusten, um die angestrebte Temperatur wenigstens annähernd zu erreichen.

Heißluft raus, Warmluft rein

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Ein Grund für diesen bescheidenen Kühl­erfolg ist die Funktionsweise. Monoblockgeräte blasen durch ihren Schlauch aufgeheizte Luft durch das Fenster hinaus ins Freie. Dabei erzeugt der Ventilator im Zimmer einen Unterdruck, sodass automatisch Luft von draußen nachströmt – mit der Temperatur der Außenluft (Beispiel siehe Foto).

Einigen Klimageräten liegt deshalb als Zubehör Abdichtungsmaterial für den Fensterspalt bei. Doch damit wird das Problem mitunter nur verlagert: Im Zweifelsfall dringt die Warmluft dann stattdessen durch andere Fensterritzen und Türspalten ins Haus. Im Endeffekt wird ein Raum zwar kühler, andere dafür aber wärmer. Im Test haben wir realitätsnah geprüft und warme Luft in den Testraum nachströmen lassen, um den von den Monoblockgeräten erzeugten Unterdruck auszugleichen.

Auch ohne Berücksichtigung der nachströmenden Warmluft lässt die Energieeffizienz vieler Geräte zu wünschen übrig. Erkennbar ist das auch am Verhältnis von Kühlleistung zum Stromverbrauch, also an den Leistungszahlen. Nur die teuersten Splitgeräte schafften erfreuliche Werte.

Von den Monogeräten schnitt DeLonghi am besten ab. Zwar wird auch hier Warmluft ins Haus gesaugt, aber die Kühltechnik funktioniert effizient: Wasser aus einem integrierten Tank fließt auf den Wärmeübertrager (Kondensator) und verdunstet, wodurch sich das Kältemittel stärker abkühlt.

Dreimal „mangelhaft“

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Die Energieetikette für Klimageräte soll die Verbraucher über die Energieeffizienz informieren.

Die Energieetikette für Klimageräte soll die Verbraucher über die Energieeffizienz informieren.

Die Anbieter sind in der Regel gesetzlich verpflichtet, die Verbraucher auf dem of­fizi­ellen Energieetikett zu informieren. Drei Anbieter schmücken ihre strom­hungrigen Monoblockgeräte mit Ener­gielabeln der Energieeffizienzklasse A (Klima1stKlaas, Suntec) beziehungsweise B (Honeywell), die sie in unserem Test nicht erreichten. Urteil: „mangelhaft“.

Auch bei anderen Geräten sind verborgene Ärgernisse nicht ausge­schlossen. So lag die Leistungsaufnahme im Standby, die beim Label keine Rolle spielt, bei den drei „guten“ Splitgeräten bei 7 bis 8 Watt.

Tipp: Lassen Sie Splitgeräte mit Netzschalter ins­tallieren, sodass sie sich außerhalb der Saison tatsächlich abschalten lassen.

Wer im überhitzten Raum schwitzt, empfindet die kühle Brise aus dem Klimagerät zunächst als angenehm. Doch die Luftströmung kann auch als „Zugluft“ negativ empfunden werden – vor allem, wenn die Geräte bei Maximalleistung arbeiten. Wir haben Luftgeschwindigkeiten gemessen, die zum Teil recht hoch und unterschiedlich waren. Unsere Prüfpersonen haben die Luftströmung im Testraum mitunter als unbehaglich empfunden – vor allem nahe am Gerät.

Tipp: Nutzen Sie die Einstellmöglichkeiten des Klimageräts. Lassen Sie es möglichst nicht mit voller Leistung laufen und verzichten Sie darauf, Niedrigtemperaturen erzeugen zu wollen.

Störend wirken auch laute Betriebsge­räusche. Fast alle Monoblockgeräte fielen in diesem Prüfpunkt unangenehm auf.

Tipp: Relativ ruhig laufen die Innenteile der Splitgeräte (am leisesten: Stiebel Eltron), und sie kühlen in kurzer Zeit. Für den Schlafraum sollten Sie daher ein Split­gerät wählen. Achten Sie aber mit Rücksicht auf die Nachbarn auf ein leises Außenteil.

Durch die Wand

Die getesteten Splitgeräte bieten zwar mehr Komfort beim Kühlen, haben aber einen entscheidenden Nachteil: Ihre Installation ist vergleichsweise aufwendig. Die Außenwand muss durchbrochen werden, damit die Kältemittelleitungen Innen- und Außenteil verbinden können. Dafür ist ein Lochdurchmesser von etwa sieben Zentimetern erforderlich. Oft muss das Außenteil an der Fassade montiert werden.

Tipp: Als Mieter sollten Sie die Installation eines Splitgeräts unbedingt vor dem Kauf mit dem Vermieter absprechen und sich schriftlich genehmigen lassen.

Vor dem Kauf eines Klimageräts muss unbedingt erst einmal der Kühlbedarf der Räume berechnet werden, um das passende Gerät auswählen zu können. Professionelle Beratung ist unerlässlich.

Wichtig: Splitgeräte dürfen nur noch von Fachleuten angeschlossen werden (siehe Meldung Klimageräte). Zu groß ist die Gefahr, dass bei laienhafter Montage Kältemittel entweicht – mit schädlichen Folgen für die Umwelt und die Funktionsfähigkeit. Die Kosten für einen normalen Anschluss betragen etwa 150 bis 230 Euro – Wanddurchbrüche oder aufwendige Montagearbeiten an der Fassade kosten zusätzlich.

Das DeLonghi-Gerät arbeitet als einziges mit umweltschonendem Propan als Kältemittel. Die anderen verwenden teilfluorierte Kohlenwasserstoffe, die beim Entweichen zum globalen Treibhauseffekt beitragen. Internationale Vereinbarungen sehen vor, die Emission derartiger „Kyoto-Gase“ zu beschränken. Eine fachgerechte Entsorgung defekter Geräte ist daher vorgeschrieben. Noch problematischer für die Umwelt ist allerdings der hohe Energieverbrauch der Geräte, der – unter Berücksichtigung der Abgase in den Kraftwerken – zum Klimawandel beiträgt. Böse Stimmen könnten daher behaupten, Klimageräte sorgen so selbst für künftige Nachfrage nach weiteren Klimageräten.

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